Colmar
(F, Dep. Haut-Rhin, Hauptort des Dep.)
Den im frühen Mittelalter zum königlichen Fiskalland gehörenden Ort Colmar114
finden wir in der Mitte des 10. Jahrhunderts im Besitz des Grafen Guntram115 aus
der Familie der Eberharde. Colmar wurde im Jahre 952 gemeinsam mit den anderen
Besitzungen Guntrams im Zusammenhang mit dem Hochverratsprozeß gegen
Guntram durch Otto I. eingezogen116. Otto I. gab Colmar am 14. April 959 an
seinen Schwager, Herzog Rudolf von Burgund117. Dieser schenkte schließlich
seinen Anteil an Colmar weiter an das von seiner Familie gegründete Kloster
Peterlingen118.
Ob Guntram hier Reichsbesitz okkupiert hatte, wie Büttner meint119, oder ob
Eigenbesitz Guntrams in Colmar vorhanden war, läßt sich letztendlich nicht klären.
Jedenfalls gab es neben dem Königs- oder Reichsgut in Colmar auch freien Grundbesitz,
wie die Urkunde eines Richwin für die Abtei Münster im Gregoriental aus
dem Jahre 865 zeigt120. Außerdem hatten auch die Welfen Colmarer Besitzungen.
Der welfische Bischof Konrad von Konstanz tauschte mit seinem Bruder Rudolf
Güter, wobei Konrad Rudolfs Colmarer Habe erhielt. Der Bischof tradierte daim
Colmar weiter an seine Kirche121. Es ist unklar, wie diese Besitzungen in welfische
Hände gekommen sind. Es muß sich nicht notwendigerweise um ehemaliges
Königsgut handeln, wie das Beispiel aus dem Jahre 865 zeigt, so daß die These
Büttners vom okkupierten Colmarer Reichsgut durch Guntram nicht unbedingt
zwingend erscheint.
Otto I. hat aber letztlich die Egisheimer Familie - ähnlich wie bei der Abtei
Lüders122 - wohl nicht ganz aus Colmar verdrängen können, wie wir aus dem
Besitz der Vogteien über den Peterlinger Oberhof und den Konstanzer Niederhof in
114 Urkunde Karls III. vom 9. Januar 883 in Choletnbra curte imperiali (D Karl III 66, S. 112
f., Zitat, S. 113); vgl. Hund, Colmar, S. 1.
115 DO 1201.
116 Ebda.; siehe auch oben das Kap. 'Der Prozeß gegen Guntram'.
117 D O I 201, S. 281: Noverint..., qualiter nos cuidam fideli nostro Ruodulfo quasdam res
nostrae proprietatis iure perpetuo in proprium donavitnus in locis nominata Cholumbra
et Hitinheim, omnia ibi iure pertinentia et omnia quae Gunlramnus in Hillisazaas
proprietatis visus est habere .... quia ipse Guntramnus contra rem publicam nostrae
regiae potestati rebelles extitit, et omnia ubicunque sint in comitatu in partibus
Hillisazias Ruodulfo praenominato, ut ius permaneat proprietatis, donavimus; vgl. die
Besitzbestätigungen für Peterlingen in D O II 51 u. D H II 69.
118 D O I 201, S. 280 f.; vgl. X. Mossmann, Les regestes du prieuré de Saint-Pierre à
Colmar, in: BSCMHA, II. Folge, 16. Bd., 1893, Nr. 1, S. 112.
119 Büttner, Geschichte des Elsaß I, S. 160 f.
120 Druck: Schöpflin, Alsatia diplomatica I, Nr. 675, S. 474; ebenfalls bei Bruckner,
Regesta Alsatiae, Nr. 571, S. 351 f.
121 Historia Welforum, cap. 5, S. 10: Sanctus igitur Chounradus in episcopatum promotus
patrimonium, quod a patre possederat fratri suo Roudolfo per concatnbium donavit
et ipse ab eo remotiora recepit, ...et in Alsatia Colmir .... Quae omnia ecclesiae suae
Constantiensi ... contradidit, vgl. P. Ladewig u. Th. Müller, Regesta episcoporum
Constantiensium, 1. Bd., Innsbruck 1895, Nr. 353, S. 44 f.
122 Siehe oben, S. 183-186.
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