Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Burcberck  (Purpurkopf)
(F,  Dep.  Bas-Rhin,  Arr.  Molsheim,  Cant.  Rosheim)
Auf  einem  Burcberck  genannten  Berg  soll  schon  im  10.  Jahrhundert  zur  Zeit  des
Hugo  raucus  eine  Burganlage  existiert  haben,  die  im  12.  Jahrhundert  bereits  nicht
mehr  bewohnt  war95.  Die  Quelle,  eine  angebliche  Urkunde  Papst  Leos  IX.  für  das
Kloster  Altdorf  aus  dem  Jahre  1049,  ist  zwar  höchstwahrscheinlich  gefälscht96,  aber
für  unseren  Zusammenhang  fällt  dieser  Umstand  nicht  so  sehr  ins  Gewicht,  da  die
Intention  des  Fälschers  aus  der  ersten  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts  sicher  darauf
gerichtet  war,  zu  erweisen,  daß  das  angesprochene  Gebiet  seit  alters  her  der  Abtei
Altdorf  gehörte,  jedoch  für  den  Fälscher  absolut  keine  Notwendigkeit  bestand,  über
die  ursprünglichen  Besitzer  des  Güterkomplexes  unrichtige  Auskunft  zu  geben97.
Den  Burcberck  identifizieren  Bernhard  Metz  und  Thomas  Biller  unter  Vorbehalt
mit  dem  Purpurkopf,  der  gegenüber  der  Burg  Girbaden  unweit  von  Grendelbruch
liegt98.  Einiges  weist  auch  darauf  hin,  daß  der  Name  'Purpurkopf'  von
'Burgbergkopf  abgeleitet  worden  ist99.  Die  Burganlage  wurde  angeblich  schon  vor
dem  12.  Jahrhundert  aufgelassen,  wie  aus  dem  Quellentext  hervorgeht100.  Dieser
Umstand  wird  zusätzlich  dadurch  erhärtet,  daß  der  eigentliche  Name  der  Burg  zur
Zeit  der  Entstehung  der  Fälschung  nicht  mehr  bekannt  war  und  der
Urkundenschreiber  nur  das  castrum  erwähnt,  das  auf  dem  Burcberck  liegt101.
Die  Lage  der  Burg  in  einem  der  Kerngebiete  der  Dagsburger  Grafen  und  die
angebliche  Schenkung  des  Zehnten  des  die  Burg  umgebenden  Gebietes  durch  diese
Grafenfamilie  an  das  Kloster  Altdorf  weisen  die  Burg  und  das  umliegende  Gebiet
eindeutig  als  dagsburgischen  Besitz  aus,

Burgerith
(F,  Dep.  Bas-Rhin,  Arr.  Selestat,  Cant.  Barr)
Hugo  VIII.  von  Dagsburg  besaß  im  Bereich  des  Berges  Burgerith  ein  Allod,  das  er
dem  Kloster  Baumgarten  -  wahrscheinlich  nach  dem  Jahre  1153/54  -  schenkte,  wie
wir  aus  einer  Urkunde  von  Bischof  Rudolf  von  Straßburg,  welche  zwischen  1163

95  Quelle:  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  I,  Nr.  208,  S.  164  f.,  Zitat  S.  165.  Grundriß  der
Burg  bei  Biller  u.  Metz,  Anfänge,  S.  248  u.  250.  Auch  die  heute  sichtbaren  Überreste
der  Burg  deuten  auf  eine  im  Frühmittelalter  begonnene  Anlage  der  Burg.
96  Brackmann,  Germania  pontificia  III,  S.  27  f.  ohne  Angabe  von  Gründen;  vgl.  auch
Biller  u.  Metz,  Anfänge,  S.  249  f.
97  Siehe  dazu  Sieffert,  Altdorf,  S.  34.
98  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  1,  Nr.  208,  S.  165,  Anm.  (a),  identifiziert  die  Burg  auf
dem  Burcberck  mit  der  Burg  Girbaden,  vgl.  aber  dazu  Biller  u.  Metz,  Anfänge,  S.  249
u.  Nr,  2,  S.  281;  vgl.  auch  Clauss,  Wörterbuch,  S.  859.
99  Biller  u.  Metz,  Anfänge,  S.  249.
100  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  I,  Nr.  208,  S.  165.
101  Ebda.:  ...  qui  Hugo  ...  tradidit  décimas  ...  unaque  omtiis  monlanis  ruris,  quod  adjacet
circa  Burcberck  tarn  in  longitudine  quam  in  latitudine,  cuius  montis  cacumine  suutn
extitit  castrum,  siehe  dazu  Wilsdorf,  Le  château  de  Haut-Eguisheim,  in:  CAF  136e
session  1978,  S.  156,  u.  ebenso  Biller  u.  Metz,  Anfänge,  S.  249.

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