Stiftung den Zehnten des Dorfes Altdorf12. Die Dagsburger Grafen übten auch die
Vogtei über das Kloster aus13 und bekamen zudem noch vom König für den Ort
hoheitliche Rechte verliehen. So hat König Otto III. in einer verlorenen, durch eine
Fälschung ersetzte Urkunde im Jahre 999 einem Sohn von Hugo III. raucus,
Eberhard IV., Markt-, Münz-, Schenk- und Zollrechte in Altdorf verliehen, die
später an das Kloster gekommen sind14.
Das Altdorfer Allod wurde anscheinend aufgeteilt und an die verschiedenen Familienmitglieder
vererbt. So kann man für die Söhne des Hugo raucus, Eberhard,
Hugo, Gerhard und Matfned, je einen Hof in Altdorf nachweisen, dessen jeweilige
Zehnten sie an die Abtei gaben15.
lediglich ausgesagt, daß St. Thomas von Adaloch Güter geschenkt wurden, die im frühen
11. Jahrhundert in der Gemarkung von Aldorf lagen. Es kann sich also bei der Erwähnung
des Ortes namens Aldorf durchaus um eine Rückprojektion handeln, wenn es wirklich mit
unserem Altdorf identisch sein sollte. Letzteres ist jedoch äußerst zweifelhaft, da sich
für St. Thomas später kein Besitz in Altdorf nachweisen läßt, wie Sieffert, Altdorf, S.
18, darlegt; zu der Güteraufzeichnung vgl. auch RegBfeStr. I, Nr. 68, S. 231. - Vgl. zur
Klostergründung die Notitiae Altorfenses, MGH SS XV,2, Nr. 2, S. 993.
12 Schöpflin, Alsatia diplomatica, 1. Bd., Nr, 208, S 165: ... qui Hugo in ipsa dedicatione
ad hanc ecclesiolam tradidit decimas islius villce, quce dicitur Altdorff.
13 Vgl. D F I 46, S. 76 f. vom 30. Januar 1153; siehe dazu unten im Kap. 'Vogteien' den Art.
'Altdorf.
14 Deperditum Ottos III., an dessen Stelle eine Fälschung von gänzlich anderem Inhalt (D O
III 325, S. 753 f.) aus dem Ende des 12. Jahrhunderts getreten ist. Von der echten
Urkunde Ottos III. und der Verleihung der Rechte an den Grafen Eberhard erfahren wir
durch ein in Colmar ausgestelltes Diplom Friedrichs I. vom 30. Januar 1153 (D F I 46, S.
76 f.): Unde donationes, quas predecessor noster pyus Otto imperalor Everhardo
quondam comiti concessit, largitus esl et perdonavit, scilicet fas, ius et poleslatein
mercalum, monetam, tabernam et theloneum publicum habendi, conslruendi et legitime
faciendi in quodam sue proprietatis allodio, quod dicitur Altorph. in quo suus avus et
pater ipsius Hugo abbatiam in honore sacralissimi marthiris Christi construxit Cyriaci in
provincia Alsatia in pago quoque Northgowe in comitatu predicti quondam Everhardi,
nunc autem heredis sui Hvgonis comitis sito (Zitat, S. 77). Zur Diskussion um die
Fälschung D O III 325 und um das dazu benutzte Deperditum Ottos III. vgl. die Vorbemerkung
zu dem Diplom Friedrichs I., ebda, S. 76, u. Kehr, Urkunden Otto III., S.
300-304; vgl. auch den nicht immer fehlerfreien Kommentar, die Angaben zu Graf
Eberhard und Leo IX. betreffend, in dem Regest bei Böhmer-Uhlirz, Nr. 1322, S 724 f
Das Regest für D O III 325 bei Böhmer-Uhlirz, Nr. 1459, S. 834 f., ist wertlos, da das
Regest den Inhalt der Urkunde nicht wiedergibt. Theodor Sickel war schon der Fehler
unterlaufen, daß er zur Edition von D O III 325, S. 753, eine falsche Überschrift gewählt
hat, die sich nämlich auf das Deperditum Ottos 111. bezieht, das in dem Diplom Friedrichs
I. genannt wird. Mathilde Uhlirz gibt nur die falsche Überschrift von D O III 325 an und
kennt den Inhalt der Urkunde offensichtlich nicht ln der Fälschung wird eben nicht
behauptet, daß Otto III. dem Grafen Eberhard Markt-, Münz- und Zollrecht verliehen hat,
sondern daß ein gewisser Hemediech dem Kloster das Gut Düttlenheim übertragen hat
Vgl. dazu das korrekte Regest bei Stumpf, Nr 1192, auch Kehr, Urkunden Otto III., S.
300-304, der ebenfalls den Sachverhalt richtig darstellt. - Bestätigung der Urkunde
Friedrichs I. durch seinen Enkel, König Friedrich II., am 5. Oktober 1219, abgedruckt in:
Hessel, Elsässische Urkunden des 13. Jahrhunderts, Nr. 2, S. 340 f.
15 Notitiae Altorfenses, MGH SS XV.2, S. 994, Z. 30 f. u. Z. 43 f.: sive predia essenl
comitis Eberhardi sive comitis Hugonis vel istorum fratrum Gerhardi et Maffridi
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