Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

von  Brabant,  gerichtet,  der,  wie  Ingo  Toussaint  wohl  mit  Recht  vermutet,  von  einer
politischen  Einflußnahme  am  Oberrhein  femgehalten  werden  sollte1351.
Inzwischen  mußte  das  durch  den  Vertrag  mit  Simon  von  Leiningen  für  eventuelle
Streitfälle  eingesetzte  Schiedsgericht  tätig  werden,  da  Simon  von  Leiningen  sich
anscheinend  nicht  an  die  vertraglichen  Vereinbarungen  mit  dem  Straßburger
Bischof  gehalten  hatte1352.  Möglicherweise  bereute  er  im  nachhinein  den  für  ihn
nicht  so  günstigen  Vertragsabschluß  mit  Berthold.  Vielleicht  fühlte  er  sich  auch
vom  Bischof  hintergangen,  wir  können  jedenfalls  keine  konkreten  Aussagen  über
die  Ursache  des  Streites  treffen.  Am  25.  April  1227  verkündeten  die  sechs
Schiedsrichter  ihren  Spruch1353.  Sie  kamen  zu  dem  letztgültigen  Urteil,  daß  Simon
von  Leiningen  sich  der  Vertragsverletzung  schuldig  gemacht  habe,  und  sprachen
den  Bischof  und  die  Straßburger  Kirche  von  Verpflichtungen  gegenüber  Simon  von
Leiningen  los  und  wiesen  die  Ansprüche  des  Grafen  an  den  Bischof  zurück1354.  Da
Simon  von  Leiningen  den  Schiedsrichterspruch  verständlicherweise  nicht  akzeptierte,
  kam  es  in  der  Folgezeit  zu  kriegerischen  Auseinandersetzungen.  Von  diesem
ersten  militärischen  Eingreifen  Bertholds  in  den  dagsburgischen  Erbschaftsstreit  ist
uns  nur  die  Nachricht  von  der  nach  einmonatiger  Belagerung  erfolgten  Eroberung
der  Burg  Bernstein  bekannt  geworden,  die  zur  dagsburgischen  Erbmasse  gehörte
und  dem  Leininger  anscheinend  als  wichtiger  Stützpunkt  gedient  hat1355.
Infolge  der  bischöflichen  Erwerbspolitik  hinsichtlich  der  Burg  Girbaden  kam  es
zwischen  Bischof  Berthold  und  dem  Abt  von  Haute-Seille  zu  Auseinandersetzungen
  um  Güter,  die  bis  vor  kurzem  noch  zu  den  Pertinenzen  dieser  Burg
gehört  hatten.  Es  handelte  sich  um  ehemals  dagsburgische  Besitzungen  bei  Altdorf,
die  Gertrud  von  Dagsburg  einst  als  Auslösung  für  die  Schulden  ihres  ersten
Gemahles,  Theobald  I.  von  Oberlothringen,  dem  Abt  und  dem  Konvent  von  Haute-Seille
  überlassen  hatte1356.  Kurze  Zeit  später,  als  die  Gräfin  anscheinend

1351  Siehe  Toussaint,  Grafen,  S.  126.
1352  Vgl.  ebda,  S.  126  f.
1353  £)je  Urkunde  ist  abgedruckt  bei  Grandidier,  Œuvres,  3.  Bd.,  Nr.  298,  S.  307.
1354  Ebda.:  Noverint  universi  presentes  et  futuri,  quod  nos  ad  peticionem  et  justanciam
Domini  nostri  episcopi  Argentinensis  super  discordia  et  diversitate  assercionum  hinc
inde  coram  nobis  ab  eodem  episcopo  ex  parte  una,  et  comitis  de  Dagesbourg  Simonis
ex  altera  propositarum,  utriusque  juris  pactis,  condicionibus  inter  eos  habitis
diligenter  consideratis  universis,  memoratum  Dominum  nostrum  episcopum  et
ecclesiam  Argentinensem,  per  juramentum  nostrum,  prout  in  nos  ab  utraque  parte
constat  fuisse  sponte  compromissum,  ab  omni  impeticione  predicti  comitis  de
Dagesburc,  suoutnque  heredum,  sive  sit  in  obligacione  pecuniaria,  fidejussoria,  vel
promissoria,  sive  in  feodi  hereditario  proprietario  jure  consistat,  dicimus  et
pronunciamus  per  diffinitivam  sententiam  absolutum  omnino  nec,  in  aliquo  prorsus  ei
teneri,  et  omnino  culpabilem  comitem  prediclum,  et  episcopum,  et  ecclesiam
Argentinensem  in  omnibus  erga  comitem  et  suos  heredes  quoscunque  inculpabilem  et
excusatum.
1355  Annales  Marbacenses,  ad  1227,  S.  91.  Eodem  anno  Bertholdus  Argentinensis
episcopus,  completo  fere  mense  uno  in  obsidione  castri  Bernstein,  tandem  expugnavit
et  obtinuit  illud.
1356  Die  Urkunde  ist  abgedruckt  bei  Grandidier,  Œuvres,  3.  Bd.,  Nr.  282,  S.  299  f;  siehe
unten  im  Kap.  'Besitzungen’  den  Art.  'Altorf/Altdorf.

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