Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

verwandte  Straßburger  Bischof  Berthold  von  Teck,  der  eine  günstige  Gelegenheit
sah,  den  Ausbau  seines  Territoriums  mit  Erwerbungen  aus  dieser  Erbschaft  vor
allem  mit  den  Burgen  Girbaden  und  Dagsburg  sowie  den  jeweils  zugehörigen
Pertinenzen  und  Herrschaften  ein  gutes  Stück  voranzutreiben.  Berthold  sollte
schließlich  zur  Schlüsselfigur  im  Ringen  um  die  dagsburgischen  Ländereien  im
Elsaß  werden1328.
Noch  im  September  1225  hatte  Herzog  Heinrich  von  Brabant  vor  König  Heinrich
(VII.)  auf  dessen  Wormser  Hoftag  nicht  nur  seine  Ansprüche  auf  die  ehemaligen
dagsburgischen  Besitzungen  im  Maasgebiet  geltend  gemacht,  sondern  auch  auf  die
ehemaligen  elsässischen  Besitzungen  von  Graf  Albert  II.  von  Dagsburg.  Die  Entscheidung,
  wer  Erbe  der  Dagsburger  Grafen  sein  sollte,  wurde  dort  wohl  schon  den
Landgrafen  vom  Unterelsaß  überwiesen,  in  deren  Grafschaft  die  strittigen  Besitzungen
  lagen1329.  Allerdings  zog  im  Hintergrund  Bischof  Berthold  schon  die
Fäden.
Herzog  Matthäus  von  Oberlothringen,  der  ehemalige  Schwager  Gertruds,  spielte  in
den  Auseinandersetzungen  um  das  Dagsburger  Erbe  nur  eine  kleine  Rolle.  So
konnte  er  sich  aus  der  dagsburgischen  Erbmasse  lediglich  das  vom  Bischof  von
Toul  zu  Lehen  gehende  oberelsässische  Bergheim  sichern1330.  Da  Matthäus,  wie
sich  schon  bei  der  Eheschließung  seiner  ehemaligen  Schwägerin  Gertrud  mit  dem
Grafen  von  der  Champagne  gezeigt  hatte,  eine  Bereinigung  der  Konfliktsituationen
mit  den  ehemaligen  Gegnern  seines  Bruders  suchte  und  auch  mit  dem  Abbau  von
dessen  enormen  Schulden  beschäftigt  war,  konnte  er  es  sich  wohl  nicht  leisten,
einen  größeren  Konflikt  um  das  Erbe  seiner  ehemaligen  Schwägerin  einzugehen.  Im
Gegenteil  -  und  das  entspricht  der  hier  skizzierten  Grundhaltung  des  Herzogs  -,  er
hat  ein  gutes  Verhältnis  zu  dem  Straßburger  Bischof  Berthold  von  Teck  angestrebt,
denn  man  sieht  den  Herzog  ab  August  1226  als  bischöflichen  Vasallen,  der  dafür
als  Gegenleistung  jährlich  die  enorme  Anzahl  von  23  Wagenladungen  Molsheimer

1328  Zu  Berthold  von  Teck  und  seiner  Politik  siehe  zusammenfassend  A.  Hessel,  Die
Beziehungen  der  Straßburger  Bischöfe  zu  Kaisertum  und  zur  Stadtgemeinde  in  der  1
Hälfte  des  13.  Jhdts,  in:  AUF  6,  1918,  S.  269-274.
1329  Daß  der  Schiedspruch  auf  dem  Wormser  Hoftag  an  die  Landgrafen  überwiesen  wurde,
geht  aus  der  Schiedsurkunde  der  Landgrafen  vom  Dezember  1226  hervor.  Original  in
Strasbourg,  AD  BR,  G  41,  n°  2;  neuzeitliche  Abschrift  der  Urkunde  in  Colmar,  AD
HR,  Fonds  Eguisheim,  3  G  40,  B,  abgedruckt  bei  Grandidier,  Œuvres,  3.  Bd.,  Nr.
291,  S.  302  f.:  Noverint  universi  presentes  et  futuri,  qualiter  nobilibus  viris  Hermanno
et  Heinrico  marchionibus  de  Baden  coram  nobis  in  iudicio  publice  constitutis  super
hereditate  quadam  filie  sororis  eorumdem  comitisse  videlicet  de  Tagesburc,  quam  ad
se  hereditario  iure  devolutam  affirmabant,  cum  instantia  sibi  iusticiam  petiverunt
exhiberi,  asserentes  quemadmodum  et  verum  esse  constat  in  près  entia  regis  et
principum  in  sollempni  curia  Wormatiensi  eiusdem  hereditatis  questionem  coram
eisdem  cum  adversario  duce  videlicet  Brabantie  in  iudicium  legitime  deducta  sic  per
principes  dictos  sententiatum  fuisse,  ut  universi,  qui  se  aliquid  iuris  habere
contenderent  in  hereditate  memorata  coram  illo  comite  in  cuius  comitia  esset  hereditas
ipsa  sita  deberent  ad  invicem  experiri  (Zitat  nach  dem  Original).  Ausführliches  Regest
der  Urkunde  in:  Urkundenregesten  zur  Tätigkeit  des  deutschen  Königs-  und
Hofgerichts  bis  1451,2.  Bd.,  Nr.  244,  S.  213.
1330  Siehe  im  Anhang,  Urkunden  Nrn.  27  u.  28.

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