Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Duvernoy1172  in  Frage  gestellt.  Duvemoy  bezieht  sich  dabei  auf  eine  Urkunde
Friedrichs  II.  vom  5.  September  1214,  in  der  Herzog  Theobald  I.  unter  den  Zeugen
zu  finden  ist1173.  Duvemoy  behauptet  nun,  daß  Herzog  Theobald,  wenn  er  denn  auf
der  Seite  der  Gegner  des  Staufers  an  der  Schlacht  von  Bouvines  teilgenommen
hätte,  sich  so  kurz  nach  dieser  Schlacht  nicht  am  Hofe  Friedrichs  II.  hätte  sehen
lassen  kömien.  Dies  wäre  ein  „obstacle  moral“1174  gewesen,  was  sich  der  Herzog
nicht  hätte  leisten  körnten.  Aufgrund  des  Umstandes,  daß  Wilhelmus  Britto  die
oberlothringischen  Ritter  und  ihren  Herzog  nur  in  der  'Philipide'  nennt,  nicht  aber  in
den  'Gesta',  in  denen  die  Schlacht  von  Bouvines  sehr  detailliert  geschildert
wird1175,  behauptet  Duvernoy,  daß  Wilhelmus  Britto  den  Ruhm  von  Philipp  II,
August  erhöhen  und  seinen  Sieg  dadurch  noch  herausheben  wollte,  indem  er  die  als
ganz  besonders  kampferprobt  und  kriegstüchtig  geltenden  Oberlothringer  als
Mitwirkende  bei  der  Schlacht  von  Bouvines  hinzuerfand  und  den  französischen
König  sozusagen  auch  noch  über  sie  siegen  ließ1176.  Duvernoy  läßt  aber
letztendlich  wegen  der  sich  widersprechenden  Quellen  die  Lösung  des  Problems
offen1177  Walther  Kienast  hat  sich  mit  berechtigten  Einwänden  gegen  diese  These
Duvernoys  gewandt1178.  Kienast  hat  darauf  hingewiesen,  daß  Heinrich  von
Brabant,  der  sicher  an  der  Schlacht  von  Bouvines  auf  seiten  Ottos  IV.  teilgenommen
  hatte,  ebenfalls  als  Zeuge  in  der  obenerwähnten  Urkunde  Friedrichs  II.
vom  5.  September  1214  auftritt1179.  Bei  Heinrich  von  Brabant  hätte  ja  auch  ein
'moralisches  Hindernis'  sein  Erscheinen  am  Hofe  Friedrichs  II.  verhindert.  Somit
wird  also  der  Argumentation  Duvernoys  die  Grundlage  entzogen.

deutschen  Reiche  im  13.  Jahrhundert  mit  Berücksichtigung  der  übrigen  lothringischen
Gewalten,  Diss.  Halle  a  S.  1898,  S.  13;  G.  Poull,  La  Maison  ducale  de  Lorraine,
devenue  La  Maison  impériale  et  royale  d'Autriche,  de  Hongrie  et  de  Bohême,  Nancy
1991,  S.  59;  H.  Thomas,  Die  lehnrechtlichen  Beziehungen  des  Herzogtums  Lothringen
zum  Reich  von  der  Mitte  des  13.  bis  zum  Ende  des  14.  Jahrhunderts,  in;  Rhein.  Vjbll.
38  (1974),  S.  170;  Hücker,  Otto  IV.,  S.  307  u.  318;  ferner  W.  Stürner,  Friedrich  II.,
1.  Bd.,  Darmstadt  1992,  S.  220.  Hücker,  S.  3!8,  Nr.  30,  stützt  sich  dabei  auf  Philipp
Mouskets  Historia  regum  Francorum  und  identifiziert  den  H  dus  de  Louvaing  (Ex
Philippi  Mousket  Historia  regum  Francorum,  ed.  A.  Tobler,  MGH  SS  XXVI,  V.
21465,  S.  754)  mit  Herzog  Theobald  I.  von  Lothringen;  von  einer  öffentlichen  Abbitte
Herzog  Theobalds  nach  der  Niederlage  von  Bouvines,  wie  bei  M.  Parisse,  Die
Hochblüte  des  Lehenswesens  (12.-13.  Jahrhundert),  in;  Lothringen  -  Geschichte  eines
Grenzlandes,  hrsg.  v.  M.  Parisse  (dt,  Ausg.  v.  H.-W.  Herrmann),  Saarbrücken  1984,
S.  161,  zu  lesen  ist,  wissen  die  Quellen  nichts.
1172  Duvernoy  ,  Catalogue,  Nr.  260,  S.  174  f.
1173  Huillard-Bréholles  1,1,  S.  313  ff.-  Böhmer-Ficker  V,l,  Nr.  747.
1174  EXtvernoy,  Catalogue,  Nr.  260,  S.  175.
1175  Ex  Wilhelmi  gestis  Francorum  (Philippi  11.  Augusti),  in:  Ex  Wilhelmi  Brittonis
operibus,  ed.  A,  Mounier,  A.  Pannenborg,  G.  Waitz,  MGH  SS  XXVI,  S.  307-317.
1176  Duvernoy,  Catalogue,  Nr.  260,  S.  175.  In  der  offiziellen  Gefangenenliste,  die  nach  der
Schlacht  von  Bouvines  angefertigt  wurde,  ist  Herzog  Theobald  I.  jedenfalls  nicht  zu
finden  (De  pugna  Bovinensi,  H.:  Catalogus  captivorum,  ed.  A.  Molinier,  MGH  SS
XXVI,  S.  391  ff.).
1177  Duvernoy,  Catalogue,  Nr.  260,  S.  175.
1178  Kienast,  Fürsten  1,  S.  211,  Anm.  1.
1179  Ebda  ;  Huillard-Bréholles  1,1,  S.  313  ff.

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