Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

10. Gertrud,  die  letzte  Gräfin  von  Dagsburg
Der  letzte  Sproß  des  Dagsburger  Geschlechtes,  die  Tochter  Alberts  II.,  Gertrud,  war
auf  Grund  der  obengenannten  Faktoren  zeit  ihres  kurzen  Lebens  ein  Spielball  der
unterschiedlichsten  politischen  Interessen  gewesen.  Vor  allem  in  der  Heiratspolitik
der  verschiedenen  Dynasten  spielte  sie  eine  wichtige  Rolle,  denn  sie  war  als
einziges  Kind  Alberts  II.  von  Dagsburg  eine  zukünftige  Erbin  von  beträchtlichen
Besitzungen  und  somit  eine  begehrte  Braut.  Ihre  letztlich  drei  Eheschließungen
wurden  denn  auch  in  mehreren  Chroniken  der  Zeit  erwähnt,  ebenso  wurde  auf  den
reichen  Erbfall  bei  ihrem  Tode  hingewiesen1138  Als  sie  im  Jahre  1225  im  Alter  von
19  Jahren  starb,  hat  ihr  Tod,  da  alle  ihre  drei  Ehen  kinderlos  geblieben  waren,  die
größte  territorialpolitische  Umwälzung  in  der  ersten  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts
sowohl  im  Elsaß  als  auch  in  Ober-  und  Niederlothringen  ausgelöst1139.
Viele  Lebenszeugnisse  von  ihr  haben  sich  indes  nicht  erhalten.  So  gibt  es  wenig
urkundliche  Zeugnisse  Gertruds.  Erst  1221,  vier  Jahre  vor  ihrem  Tod,  ist  sie  als
selbständige  Ausstellerin  von  eigenen  Urkunden  belegt114°,  in  Urkunden  ihrer  Ehemänner
  wird  sie  öfters  genannt1141.

Die  Zeit  bis  1220  -  Die  Ehe  Gertruds  mit  Herzog  Theobald  I.  von
Oberlothringen
Es  ist  nicht  bekannt,  wo  Gertmd  ihre  ersten  Lebensjahre  verbracht  hat.  Ob  sie  bis
zum  Tod  ihres  Vaters  am  Anfang  des  Jahres  1212  in  dessen  Obhut  verblieb,  oder  ob
sie  schon  unmittelbar  nach  ihrer  Verlobung  an  den  oberlothringischen  Herzogshof
kam,  kann  nicht  geklärt  werden.  Man  kann  aus  den  Quellen  auch  nicht  erkennen,  ob

1138 Siehe  Richen  gesta  Senonensis  ecclesiae,  MGH  SS  XXV,  lib.  IV,  cap.  23,  S.  312.
Contigit  igitur  eo  tempore,  ducem  Lotoringie  Theobaldum  ab  hac  vita  migrare,  qui
sortitus  fuerat  filiam  comitis  de  Daxporc  in  uxorem.  ...  Comes  vero  Campanie  adhuc
adolescens  audiens  comitatum  illum  tam  opulentum,  relictam  ducis  Lotoringie  accepit
in  uxorem,  et  hoc  causa  comitatus.  Set  cum  eam  aliquandiu  habuisset,  quia  sterilis
erat,  eam  repudiavit;  ipsa  vero  comiti  Lignigne  nupsit.  Richer  widmet  das  komplette
23.  Kapitel  der  Dagsburger  Erbschaftsfrage.  Siehe  auch  Albrici  monachi  Triumfontium
Chronicon,  MGH  SS  XXIII,  S.  916:  Comilissa  Gertrudis  cum  esset  heres  unica  de
Daborch  et  de  quodam  castro  Leodiensis  dyocesis  quod  Musaeum  dicitur  cum
appenditiis,  et  esset  primo  ducissa  Lotharingie,  deinde  comilissa  Campanie,  novissime
vero  de  Linengis  comitissa,  tandem  moritur  sine  herede.  -  Gertruds  kinderloser  Tod
wird  noch  erwähnt  bei  Aegidii  Aureaevallensis  Gesta  episcoporum  Leodiensium,
MGH  SS  XXV,  ed.  J.  Heller,  lib.  III,  cap.  94,  S.  119  (Anno  Domini  1225.  defuncta
sine  liberis  comitissa  de  Muhal  Gertrude,  que  fuit  filia  comitis  Alberti  ),  auch
Reineri  annales,  MGH  SS  XVI,  S.  679  [Anno  1225  ...  Defuncta  sine  liberis  comitissa
de  Muhal  Gertrude,  filia  comitis  Alberti).  Reiner  kennt  übrigens  nur  die  ersten  beiden
Ehen  Gertruds  mit  dem  Herzog  von  Oberlothringen  und  dem  Grafen  von  der
Champagne  (ebda.,  S.  678).
!  139  Siehe  dazu  unten  das  Kap.  'Der  Streit  um  die  Dagsburger  Erbschaft'.
1140  Zu  den  Urkunden,  die  Gertrud  von  Dagsburg  ausgestellt  hat,  siehe  oben,  S.  131  f  mit
Anm.  729.
1141  Siehe  dazu  unten  S.  346  f.  mit  Anm.  1161  und  im  im  Anhang,  Urkunden  Nr.  16  u  20.

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