Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

mittels  der  Wiesen,  die  er  natürlich  wirtschaftlich  nutzen  wollte,  Zugang  zur  Zinsei
verschaffen,  zum  Schaden  der  Abtei  den  Flußlauf  verändern  und  Für  seine  Zwecke
nutzen  könnte.  Wegen  der  nachdrücklichen  'Bitte'  Hugos  um  die  Überlassung  der
Wiesen,  scheinen  diese  Befürchtungen  von  seiten  der  Abtei  nicht  unbegründet
gewesen  zu  sein.  Ob  sich  die  Befürchtungen  letztendlich  bewahrheitet  haben,
wissen  wir  nicht,  in  den  Quellen  ist  dazu  nichts  verzeichnet.  Bei  einem  Blick  auf
die  Landkarte  werden  jedoch  ganz  deutlich  die  Motive  des  Dagsburger  Grafen
sichtbar,  welche  das  Interesse  an  den  Wiesen  erklären.  Hugo  VIII.  hat  versucht,  sich
im  Bereich  der  Zabemer  Steige  an  strategisch  und  handelspolitisch  wichtigen
Stellen  zu  etablieren.  Außerdem  schloß  das  Gebiet  um  Dossenheim  ja  nördlich  an
die  Dagsburger  Grafschaft  an,  war  also  zur  Arrondierung  der  Gralschaft  bestens
geeignet.  Die  Wiesen  bei  Dossenheim  bildeten  dabei  nur  einige  kleine  Mosaiksteine,
  die  uns  aber  das  übergeordnete  Ziel  Hugos  VIII.  erkennen  lassen.

Territorialpolitik  Alberts  II.
Gerade  am  Ende  des  12.  Jahrhunderts  war  es  immer  deutlicher  geworden,  daß  zur
Sicherung  der  Macht  und  Herrschaft  im  Hinblick  auf  die  Zukunft  die  Bildung  von
geschlossenen  Territorialkomplexen  vordringlich  wurde.  Albert  II.  sali  sich  bezüglich
  der  Herausbildung  eines  möglichst  geschlossenen  Territoriums  vor  eine
schwierige  Aufgabe  gestellt,  da  er  zwar  eine  stattliche  Anzahl  von  Gütern,  Burgen
und  Vogteien  vom  oberen  Elsaß  bis  ins  Maasgebiet  bei  Lüttich  in  seinem  Besitz
versammeln  konnte,  die  sich  grob  in  mehrere  Komplexe  zusammenfassen  lassen  -
so  ein  Komplex  im  Elsaß  mit  Besitzungen  im  Ober-  und  Unterelsaß,  ein  zweiter  in
Oberlothringen  zwisehen  den  beiden  Polen  Dagsburg  und  Metz  und  ein  dritter
kleinerer  am  Mittelrhein  westlich  von  Worms  mit  vom  Metzer  Bistum  abhängigen
Besitzungen1  *36  und  schließlich  ein  vierter  in  Niederlothringen  mit  der  Grafschaft
Moha  an  der  Maas  -,  jedoch  konnten  die  reichen  dagsburgischen  Besitzungen  bei
weitem  kein  einheitliches  großes  geschlossenes  Territorium  bilden.  I^ieser  enorme
Besitz,  davon  viel  Streubesitz,  der  natürlich  auch  eine  Vielzahl  von  territorialpolitischen
  Konkurrenten  des  Dagsburgers  bedingte,  machte  es  letztendlich  unmöglich,
  einen  geschlossenen  Herrschaftskomplex  aufzubauen.
Bei  Albert  II.  können  wir  wie  bei  seinem  Vater  Bestrebungen  erkennen,  seine
einzelnen  Herrschaftsgebiete  durch  Hinzuerwerbungen  territorial  abzurunden,  um
regelrechte  Herrschaften  zu  bilden.  Albert  II.  scheint  seine  Schwerpunkte  mehr  im
oberlothringischen  Raum  im  Bistum  Metz  gesetzt  zu  haben,  da  uns  liier  diesbezügliche
  Aktivitäten  bekannt  geworden  sind.  In  Niederlothringen  und  im  Elsaß

1136 Diese  Besitzungen  Alberts  II.  (Güter  und  Rechte  in  Bechtheim,  Gau-Odernheim,
Ottersheim,  Pfeddersheim,  Einselthum,  Eppelsheim  und  die  Vogtei  Uber  die  dortigen
Güter  von  St.  Salvator  in  Metz)  waren  an  Werner  von  Boianden  verlehnt.  Siehe  W.
Sauer,  Die  ältesten  Lehnsbücher  der  Herrschaft  Boianden,  Wiesbaden,  Philadelphia
1882,  S.  24:  De  comite  Alberto  de  Dagesburg  advocatiam  super  Eppeinsheim,  super
bona  sancti  Salvatoris,  triginta  mansos  in  Otternheim  et  X.  in  Petternsheim.
Advocatiam  super  ecclesiam  in  Enseltheim  et  super  curiam  ad  eam  pertinentem  et
beneficium  in  Bertheim  annuatim  V.  libras  solvens  et  advocatiam  in  Otternheim.

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