Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

bildet der Umstand, daß, sobald sich die Gelegenheit ergab, Val-Notre-Dame 
Schutz- und Besitzbestätigungen einholte, so von Bischof Hugo II. von Lüttich im 
Jahre 1211, ein Jahr nach der Stiftung1074, und separat nochmals für den Besitz der 
Kirchen auf dem Monte Sancti Stephani und in Waleffe in einer Urkunde im Jahre 
12 1 51075. Ebenso bekam man Bestätigungsurkunden durch die beiden ersten Ehe¬ 
männer Gertruds von Dagsburg, im Jahr 1218 durch Herzog Theobald I. von 
Oberlothringen1076 und 1222 durch Graf Theobald IV. von der Champagne1077. 
Diese Stiftung am Lebensende des Grafen war wohl nicht aus politischen, wirt¬ 
schaftlichen oder verwaltungstechnischen Gründen getätigt worden; darauf weist 
schon der Umstand hin, daß ein Nonnenkloster eingerichtet werden sollte. Der 
letzte männliche Vertreter des dagsburgischen Geschlechtes reihte sich durch diese 
Stiftung in die lange Tradition von Klosterstiftungen in seiner Familie ein. Die 
Stiftung wirkt wie ein letztes Erinnern an diese Tradiüon und wie ein Vermächtnis, 
und sie war wohl vor allem als Memorialstiftung für seine Familie gedacht, denn sie 
war für sein Seelenheil, das seiner Eltern, seines Bruders, seiner Gemahlin, seiner 
Tochter und für alle seine Vorfahren und Nachkommen bestimmt1078. Es waren 
somit alle Mitglieder der Familie - sowohl die noch lebenden als auch die schon 
toten - in das Gedächtnis miteingeschlossen. Das Tal, in dem das Kloster errichtet 
werden sollte, die vallis Roduini, war - wahrscheinlich kurz vor der Stiftung - in 
vallis beate Marie umbenannt worden1079, um den spirituell-sakralen Charakter der 
Stiftung zu steigern. Die Gottesmutter war die Schutzpatronin des Zisterzienser¬ 
ordens, und das Marienpatrozinium war allen Klöstern dieses Ordens eigen. 
Nach 1210 tritt Albert II. in Urkunden nicht mehr in Erscheinung, weder als Aus¬ 
steller noch als Zeuge. Die Stiftung des Zisterzienserinnenklosters Val-Notre-Dame 
ist die letzte Handlung des Grafen, die sich uns überliefert hat. Es ist durchaus 
möglich, daß Albert II. schon von Krankheit gezeichnet war und im Angesicht des 
nahen Todes die Memorialstiftung getätigt hat, denn das nächste, was wir erfahren, 
ist sein Tod. Er starb sehr wahrscheinlich zu Anfang des Jahres 1212, wie uns von 
Reiner von Lüttich berichtet wird; Anno 1212. Hiems temperala. Mors Alberti 
comitis1080. 
1074 Druck der Urkunde bei Poncelet, Actes, Nr. 95, S. 99. Hier werden der Abtei auch 
die durch Albert 11. übergebenen Stiftungsgüter als Besitz bestätigt. 
1075 Druck der Urkunde ebda., Nr. 133, S. 136 f. Hier werden der Abtei auch die durch 
Albert 11. übergebenen Stiftungsguter als Besitz bestätigt. 
1076 Urkunde Herzog Theobalds von Oberlothringen, siehe im Anhang, Urkunde, Nr. 15. 
1077 Urkunde von Graf Theobald von der Champagne siehe im Anhang, Urkunde, Nr. 20. 
1078 Anhang, Urkunde, Nr. 14; ... pro remedio anime mee et parenturn tneorum fratrisque 
mei Henrici et uxoris mee ac filie et antecessorum cum meis successoribus. 
1079 Ebda. Es könnte jedoch auch sein, daß die Umbenennung im Zusammenhang mit der 
schon vorher erfolgten Schenkung des Tales an die Zisterzienserabtei Villers geschah. 
108° Reineri annales, MGH SS XVI, ad 1212, S. 664. Daß Albert zu Anfang des Jahres 
gestorben ist, geht aus der Anordnung der Ereignisse durch Reiner von Lüttich hervor. 
Der Tod Alberts wird ganz am Anfang des Jahresberichtes, unmittelbar hinter der 
Erwähnung, daß es sich um einen milden Winter gehandelt hat, aufgeführt. Parisse, 
Albert, Comte de Dabo, S. 164, u. Ders., Noblesse et chevalerie, Tafel 27, S. 375, 
möchte als Todesjahr Alberts 1211 sehen. 
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