Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

auf  dem  geschenkten  Gebiet  zu  errichtende  Kloster  transferieren  müsse.  Falls  diese
Bedingung  nicht  erfüllt  werde,  könne  der  Graf  nach  seinem  eigenen  Gutdünken
verfahren1061.  Des  weiteren  wisse  sie  zum  Beispiel  nichts  von  einer  gewaltsamen
Vertreibung  der  Chorherren  von  Flöne  und  der  darauf  folgenden  gewaltsamen  Einsetzung
  der  Nonnen  durch  Albert  II.  von  Dagsburg1062.  Aufgrund  des  Vorgetragenen
  sei  nach  Meinung  der  Äbtissin  der  Konvent  von  Val  Notre  Damc  nicht  zu  einer
Entschädigung  oder  gar  Rückgabe  verpflichtet1063.  Da  die  Aussagen  der  beiden
Parteien  widersprüchlich  waren,  wurden  die  Aktenstücke  geprüft  und  Zeugen  gehört1064.
  Aufgrund  der  Aussagen  der  Zeugen  und  der  Prüfung  der  Dokumente  wurden
  schließlich  mittels  Schiedsspruch  die  Ansprüche  von  Flöne  zurückgewiesen,
und  die  Chorherren  mußten  sich  mit  der  bereits  1213  erhaltenen  Abfindung
zufriedengeben1065.  Abt  Friedrich  von  Flöne  fügte  sich  in  den  Schiedsspruch1066,
so  daß  damit  der  Streit  um  die  Besitzrechte  an  Val-Notre-Dame  entschieden  war.
Auf  Grund  der  soeben  vorgestellten  Urkunden  können  wir  wesentliche  Aspekte  der
vom  Dagsburger  Grafen  gemachten  Stiftung  erkennen  und  Rückschlüsse  auf  die
Anfänge  des  Stiftungsvorhabens  ziehen.  Da  der  in  dem  Schiedsspruch  erwähnte  Abt
Theoderich  von  Flöne  von  1165  bis  1198  amtierte1067,  steht  fest,  daß  Albert  II.  bereits
  im  letzten  Viertel  des  12.  Jahrhundert  ca.  um  die  Mitte  der  achtziger  Jahre  den
Plan  gefaßt  hatte,  in  der  Nähe  von  Moha  ein  Kloster  zu  stiften  und  den  Auftrag
dazu  an  zwei  Abteien  verschiedener  Ordenszugehörigkeit  vergab,  an  die  Prämonstratenserabtei
  Flöne  und  an  die  Zisterzienserabtei  Villers.  Da  aber  beide  Abteien
während  einer  langen  Zeit  von  ca.  25  Jahren  über  Anfangsarbeiten  nicht  hinausgekommen
  waren1068,  hat  der  alte  Graf,  womöglich  im  Angesicht  seines  baldigen

1061  Ebda.:  ...ad  hoc,  quod  comes  soli  ecclesie  Flonensis  concessit  dicit  abbatissa  verum
simpliciter  concessisse  set  sub  conditione  videlicet,  quod  sedem  abbate  de  Flone  illuc
transferret  nec  comitem  tempore  collationis  facte  ius  conferendi  habuisse  et
protestatur  abbatissa,  quod  si  idem  comes  simpliciter  contulisset  dicti  abbas  et
conventus  Flonensem  collationi  facte  renuntiaverunt.
1062  Ebda.:  De  eiectione  a  comite  facta  dicit  se  nichil  scire,  de  violentia  autem  intrusione
monialium  dicit  se  nichil  scire.  Dieses  Verfahren  wandte  die  Äbtissin  im  Laufe  der
Verhandlung  vor  dem  päpstlichen  Legaten  immer  wieder  an,  wie  aus  der  Urkunde
hervorgeht.
1063  Ebda.:  ...  et  in  omnibus  predictis  dicit  abbatissa  ecclesiam  suam  ius  habere  et  abbatem
et  conventum  Flonensis  dicit  in  eo  nil  iuris  habere  et  probabit  per  instrumenta  et  testes
nec  de  predictis  se  debere  aliquid  restituere  et  hoc  dicit  litem  contestando.
1064  Ebda.  :  Demum  testibus  ab  utraque  parte  productis  et  eorum  attestationibus  publicatis
productis  etiam  quibusdam  ex  parte  monialium  instrumentis.
1065  Ebda.:  ...  nos  quoque  insuper  ad  cautela  eidem  abbati  et  monasterio  suo  super
premissis  rebus  silentium  perpetuum  imposuimus  prefatam  abbatissam  et  monasterium
suum  Vallis  Sancte  Marie  scilicet  ab  impetitione  prefati  abbatis  et  monasterii  sui
perpetuo  absolventes  precepimus  autem  pro  bono  pacis  ut  prefata  abbatissa  et  suum
monasterium  dicto  abbati  et  suo  monasterio  triginta  marcos  persolverent.
1066  Urkunde  vom  20.  März  1231  in  Huy,  AEH,  abbaye  du  Val  Notre-Dame,  boîte  de
chartes  1,  n°  25;  Druck  der  Urkunde  in:  AHEB  23  (2.  Série,  7.  Bd.),  1892,  S.  113  f.
(ohne  Nennung  eines  Editors).
1067  Siehe  Donnht,  Les  origines,  S.  146.
1068  Eine  dieser  Vorarbeiten  könnte  ein  Kanal  gewesen  sein,  den  die  Mönche  von  Villers
angelegt  hatten:  Ecclesia  Vallis  beate  Marie  poter  it  extendere  abbatiam  suam  usque  ad

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