Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

wurde1056.  In  der  darüber  ausgestellten  Urkunde  wird  die  Problematik  um  die
Stiftung  und  Gründung  von  Val-Notre-Dame  noch  einmal  ausführlich  dargelegt.  So
behauptete  der  Abt  von  Hone,  daß  ihr  einstiger  Abt  Theoderich  zusammen  mit  dem
Abt  und  Konvent  von  Villers  von  Albert  II.  das  Gebiet  überlassen  bekommen  habe,
um  dort  einen  Frauenkonvent  einzurichten.  Da  aber  Villers,  nach  einigen
anfänglichen  Arbeiten,  die  Sache  nicht  weiterverfolgte,  habe  Flöne  gegen  eine
Entschädigung  die  Rechte  an  dem  Gebiet  alleine  übertragen  bekommen1057.  Erst
auf  die  -  wohl  1209  erfolgte  -  Initiative  Alberts  hin,  dort  Zisterzienserinnen
anzusiedeln,  seien  sie  nach  ca.  fünfundzwanzigjährigem  Besitz  von  dort  vertrieben
worden1058.  Man  verlange  nun  1230  die  Rückgabe  des  Gebietes  und  eine
Entschädigung1059.  Auch  die  Äbüssin  von  Val-Notre-Dame  wurde  gehört,  doch  sie
wandte  eine  bewährte  politische  Taktik  an.  Immer  wenn  die  Sprache  auf  für  sie  und
ihren  Konvent  problematische  Punkte  kam,  erklärte  sie,  davon  nichts  zu  wissen.  So
gab  sie  an,  weder  zu  wissen,  daß  Rone  und  Villers  gleichzeitig  mit  der  Gründung
des  Klosters  beauftragt  waren,  daß  Villers  dem  Auftrag  des  Grafen  nicht  nachkam
und  daß  Rone  an  Villers  eine  Entschädigung  gezahlt  habe1060.  Allerdings  erwähnt
die  Äbtissin  eine  Klausel,  die  der  ursprüngliche  Vertrag  zwischen  Albert  II.  und
Rone  angeblich  enthalten  habe,  nämlich,  daß  der  Abt  von  Rone  seinen  Sitz  in  das

1056  £)er  Schiedsspruch  erging  am  13.  Mai  1230,  die  entsprechende  Urkunde  wurde  vier
Tage  später,  am  17.  Mai  ausgestellt.  Original  in  Huy,  AEH,  abbaye  du  Val  Notre-Dame,
  boite  de  chartes  1,  n°  24.  -  Zur  Legationsreise  Ottos  von  St.  Nicolaus  in  carcere
Tulliano  siehe  E.  Winkelmann,  Die  Mission  Ottos  des  Cardinaldiacons  von  St.
Nicolaus  in  carcere  Tulliano  nach  Deutschland  und  dem  Norden  1228-1231,  in:
Forschungen  zur  Deutschen  Geschichte,  6.  Bd.,  1866,  S.  406-412;  F.  W.
Schirrmacher,  Die  Mission  Ottos  des  Cardinaldiacons  von  St.  Nicolaus  in  carcere
Tulliano  in  den  Jahren  1228-1231,  in:  Forschungen  zur  Deutschen  Geschichte,  8,  Bd.,
1868,  S.  45-58;  neuerdings  K.  A.  Frech,  Ein  Plan  zur  Absetzung  Heinrichs  (VII.).  Die
gescheiterte  Legation  Kardinal  Ottos  in  Deutschland  1229-1231,  in:  Von  Schwaben  bis
Jerusalem,  S.  89-116.  Die  den  genannten  Autoren  unbekannt  gebliebene  Urkunde  vom
17.  Mai  1230  kann  als  weitere  Quelle  zur  Legationsreise  von  Kardinaldiakon  Otto
herangezogen  werden.
1057  Ebda.:...  dicunt  abbas  et  conventus  Fionensis,  quod  Albertus  comes  condam  de  Musal
locum  qui  dicitur  Sancti  Marie  Vallis  contulit  G.  abbati  Vilariensi  et  Th.  abbati
Flonensi  ad  domum  religiosam  ibidem  construendam  quem  locum  postmodum  abbas
Vilariensis  pro  derelicto  habens  pro  sumptibus  Flonensem  xliiiior  rnarcas  Leod(  iensis)
recepit,  et  dictus  comes  soli  ecclesie  Flonensi  locum  concessit.
1058  Ebda.:  Contulit  etiam  eidem  ecclesie  ecclesias  de  Waleve  de  Monte  Sancti  Stephani...
possedit  ecclesia  Fionensis  xxv  annis  et  amplius  continue  et  pacifice  ...  idem  comes
pro  suo  voluntatis  arbitrio  canonicos  Fionensis  violenter  eiecit  et  quasdam  moniales
cislerciensis  ordinis  violenter  introduxit.
1059  Ebda.:  Unde  petit  ea  sibi  restitui  cum  dampnis  et  exspensis  que  incurrit  occasione
detentionis  predicte  ad  estimationem  quingentarum  marcarum  leodiensium  et  sicut
narrat  et  petit  paratus  est  abbas  nomine  ecclesie  Fionensis  iurare  se  credere  ita  fuisse
et  ita  esse  petit  etiam  abbas  et  ecclesia  Fionensis  ponam  appositam  in  arbitrio  c.
marcarum.
1060  Ebda  :  Ad  hoc,  quod  dicunt  Flonensem  locum,  qui  dicitur  Vallis  Sancte  Marie  abbati
de  Villari  et  abbati  Flonensi  ad  domum  religiosam  constituendam  simul  fuisse
concessum  et  quod  abbas  Vilariensis  locum  habuit  pro  derelicto  et  quod  xl  iiii°r
tnarcas  I^eod(  iensis)  receperit  abbas  Vilariensis  ab  abbate  Flonense  pro  sumptibus
dicit  abbatissa  se  nichil  scire.

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