Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Stützung  König  Philipps  von  Schwaben  zu  erlangen  versuchte1008,  wurde  im  Verlaufe
  der  militärischen  Auseinandersetzung  1208  von  Theobald  von  Bar  gefangengenommen
  und  konnte  sich,  da  der  französische  König  sich  ganz  auf  die  Seite  des
Grafen  von  Bar  gestellt  hatte1009  und  eine  geplante  Intervention  Philipps  von
Schwaben  zugunsten  des  Herzogs1010  wegen  der  zwischenzeitlichen  Ermordung
des  Staufers  nicht  zustande  gekommen  war1011,  erst  nach  Abschluß  eines  Friedensvertrages
  vom  2.  November  1208  wieder  aus  dieser  für  ihn  mißlichen  Lage
befreien1012.
Walter  Mohr  möchte  in  dieser  Eheverbindung  auch  einen  Prestigegewinn  für  das
oberlothringische  Herzogshaus  erkennen.  Dies  bleibt  aber  angesichts  des  Faktums,
daß  ein  Herzogssohn  sich  mit  einer  Grafentochter  verbunden  hatte,  eine  schwer
nachvollziehbare  These1013.
Die  Annahme  von  Michel  Parisse,  die  Eheabmachung  sei  im  Hinblick  auf  das  Elsaß
auch  gegen  die  Staufer  gerichtet  gewesen1014,  entbehrt  der  Grundlage,  da  ja  Herzog
Friedrich  II.  nachweislich  ein  staufischer  Parteigänger  gewesen  ist,  wiewohl  auch
der  Dagsburger  Graf  zu  dieser  Zeit  dem  staufischen  König  angehangen  hat1015.  Wir
finden  denn  auch  Herzog  Friedrich  II.  zusammen  mit  Graf  Albert  II.  von  Dagsburg
am  18.  Juni  1207  am  Hof  König  Philipps  von  Schwaben  in  Straßburg1016.  Von

1008 Am  ig  Juni  1207  ist  Herzog  Friedrich  zusammen  mit  Albert  II.  von  Dagsburg  am  Hof
König  Philipps  von  Schwaben  in  Straßburg  zu  finden.  Druck  der  Urkunde  bei  L.  A.
Muratori,  Delle  antichità  Estensi  de  Italiane,  1.  Bd.,  S.  381  f.  ;  auch  bei  J.  Chr.  Lünig,
Codex  Italiae  diplomaticus,  1.  Bd.,  Frankfurt  u.  Leipzig  1725,  Sp.  1553-1556;
unvollständig  u.  ohne  Zeugenliste  abgedr.  bei  F.  Hüter,  Tiroler  Urkundenbuch,  1.
Abt.:  Die  Urkunden  zur  Geschichte  des  deutschen  Etschlandes  und  des  Vintschgaus,  2.
Bd.,  Innsbruck  1949,  Nr.  569,  S.  50  f.;  Böhmer-Ficker  V,l,  Nr.  150,  auch  könnte  der
Aufenthalt  Philipps  von  Schwaben  um  die  Jahreswende  1207/1208  in  Metz  (Böhmer-Ficker
  V,l,  Nr.  173a  u.  174)  auf  eine  Intervention  des  Königs  in  dieser  Sache
hindeuten;  siehe  dazu  auch  Winkelmann,  Philipp  von  Schwaben  und  Otto  IV.,  S.  440
f,  auch  Mohr,  Lothringen,  3.  Bd.,  S.  44  f.
1909  RNI,  Nr.  165.
mio  RjsH,  Nr.  165;  siehe  dazu  Winkelmann,  Philipp  von  Schwaben  und  Otto  IV.,  1.  Bd.,  S.
441  f.  u.  531  ff.
1011  21.  Juni  1208  (Böhmer-Ficker  V.l,  Nr.  185  a).
1012  Druck  des  Vertrages  bei  Dieterlen,  Le  fonds  lorrain,  Nr.  3,  S.  48-52,  neuerer  Druck
als  préédition  bei  Laplace  Actes,  Nr.  62;  vgl.  auch  Parisse,  Thiébaut,  comte  de  Bar,
S.  174.
1013  Mohr,  Lothringen,  3.  Bd.,  S.  11.  Mohr  konstatiert  für  die  erste  Hälfte  des  13.
Jahrhunderts  ein  verstärktes  Auftreten  der  Nennung  der  oberlothringischen  Herzoge
nach  'Lothringen'  auch  in  Quellen  außerhalb  des  Oberlothringer  Raumes,  während  vor
dem  13.  Jahrhundert  andere  Titulaturen,  z.  B.  'Herzog  von  Nancy'  oder  'Herzog  der
Mosellaner'  vorherrschend  waren  (ebda.,  S.  10).  Er  begründet  den  Titulaturwechsel
damit,  „daß  durch  die  Eheschließung  Theobalds  I.  mit  der  Dachsburger  Erbin  Gertrude
das  Herzogtum  Oberlothringen  besser  bekannt  wurde  und  damit  auch  die  Titulierung
seiner  Herzoge  nach  Lothringen  an  Geltung  gewann“  (ebda,  S.  11).
1014  Parisse.  La  noblesse  lorraine,  1.  Bd.,  S.  397.
1015  Siehe  dazu  oben,  S.  309  f.;  zu  Herzog  Friedrich  siehe  auch  unten  das  Kap.  'Die  Zeit  bis
1220  -  Die  Ehe  Gertruds  mit  Herzog  Theobald  von  Oberlothringen'.
1016  Muratori,  Delle  antichità  Estensi  de  Italiane,  1.  Bd.,  S.  381  f.

320
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.