Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Waleffe.  Verantwortlich  dafür  war  allem  Anschein  nach  der  Lütticher  Bischof
Hugo  von  Pierrepont977.  Die  Bischofskirche  konnte  nämlich  die  geforderte  enorme
Geldsumme  ohne  Spenden  nicht  aufbringen,  so  daß  bei  den  Lütticher  Bürgern  eine
Kollekte  veranstaltet  werden  mußte.  Der  Bischof  von  Lütüch  aber,  dem  Reiner  von
Lüttich  in  diesem  Zusammenhang  Geldgier  vorwarf,  hat  die  eingegangenen
Spenden  anscheinend  nicht  für  den  Erwerb  von  Moha  benutzt,  sondern  zu  seinem
persönlichen  Nutzen  verwendet  und  in  seine  eigene  Tasche  umgelenkt978.  Albert  II.
machte,  nach  Reiner  von  Lüttich,  daraufhin  noch  im  selben  Jahr  den  Vertrag
rückgängig979,  was  den  Bischof  aber  nicht  davon  abhielt,  in  der  Folgezeit  weiterhin
den  Vertrag  als  gülüg  anzusehen980.
In  der  Zwischenzeit  war  Herzog  Heinrich  I.  von  Niederlothringen,  was  die
dagsburgischen  Besitzungen  betraf,  nicht  untätig  geblieben.  Der  Herzog  hatte
mittlerweile  in  der  Reichspolitik  einen  Kurswechsel  vollzogen  und  war  im  Laufe
des  Jahres  1204  von  König  Otto  IV.  zu  Philipp  von  Schwaben  übergewechselt.
Dieser  Wechsel  war  territorialpolitisch  motiviert  gewesen.  Herzog  Heinrich  hatte
die  Situation  im  Reich  als  wichtiger  Parteigänger  Ottos  IV.,  seine  Tochter  Maria
war  sogar  mit  dem  Welfen  verlobt981,  im  Sinne  einer  Stärkung  seiner  Territorialmacht
  und  einer  Schwächung  der  Reichsgewalt  in  Niederlothringen  zu  nutzen
gewußt982.  Da  sich  ein  Sieg  Philipps  im  Reich  über  den  Welfen  immer  mehr
abzeichnete,  war  es  für  Heinrich  von  Niederlothringen  nun  wichtig,  im  rechten  Augenblick
  auf  der  richtigen  Seite  zu  stehen,  um  die  erreichte  Stellung  auch  zu
bewahren  und  zu  festigen983.  Während  der  zweiten  Hälfte  des  Jahres  1204  werden
Verhandlungen  zwischen  Philipp  von  Schwaben  und  dem  Herzog  stattgefunden
haben,  über  deren  Verlauf  wir  aus  den  Quellen  nicht  unterrichtet  werden.  Im

977  Zu  Hugo  von  Pierrepont  siehe  den  Überblicksartikel  von  J.-L.  Küpper,  Hugues  II  de
Pierrepont,  in:  DHGE25,  Sp.  266-269,  mit  Quellen-  und  Literaturan  gaben.
978  Reineri  annales,  MGH  SS  XVI,  ad  1204,  S.  658:  Cornes  Albertus  de  Musal  donationem
quam  fecerat  beato  Lamberto  terrae  suae  et  familiae,  quia  praedicta  pecunia  non  fuit  ei
statuto  tempore  soluta,  infregit,  et  eandem  donationem  cognato  suo  Lovaniensi  duci
tradidit,  qui  fidelitates  quorumdam  accepit,  et  castellanos  in  castris  posuit.  Avaricia
episcopi  faciente  accidit  hoc  infortunium  Leodiensi  ecclesiae,  quia  pecuniam,  quae  ab
ecclesiis  et  divitibus  et  pauperibus  collecta  fuit,  non  comiti  solvit,  set  in  suos  usus
expendit;  siehe  auch  die  Vereinbarung  zwischen  dem  Lütticher  Bischof  Hugo  und  den
Kanonikern  der  Lütticher  Kirche,  abgedruckt  in:  Bormans  u.  Schoolmeesters,
Cartulaire  I,  S.  166;  auch  abgedruckt  bei  Poncelet,  Actes,  Nr.  11,  S.  265  f.:
Compositionem  inter  ipsos  [=  Kanoniker  von  St.  Lambert],  ex  parte  una,  et  eundem
episcopum,  ex  altera,  super  falsa  moneta  quam  in  eorum  dispendium  et  tocius  leodiensis
diócesis  fecerat  ut  proponitur  cudi,  amicabiliter  celebratam,  sicut  ipsius  autenticum
confectum  exinde  représentât,  observare  contemnens,  majorem  partem  ingentis  pecunie,
quam  pro  bonis  de  Musal  ad  opus  ipsius  ecclesie  aquirendis  per  ministros  suos  tam  a
clero  qiam  populo  leodiensis  diócesis  colligi  fecerat,  non  sine  ipsorum  gravamine  ac
jactura  in  usus  convertit  proprios  (Zitat,  ebda,  S.  266).
979  Reineri  annales,  MGH  SS  XVI,  ad  1204,  S.  658;  siehe  das  Zitat  in  Anm.  978.
980  Siehe  dazu  unten  das  Kap.  'Die  Zeit  bis  1220  -  Die  Ehe  Gertruds  mit  Herzog  Theobald  I.
von  Oberlothringen'.
981  Siehe  Böhmer-Ficker  V,2,  Nr.  5530  d.
982  Rauch,  Bündnisse,  S.  55  f.
983  Ebda.,  S.  56.

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