Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

In  weiteren  Bestimmungen  des  Vertrages  wurden  Beschlüsse  zum  Frieden  zwischen
dem  Grafen  von  Loon  und  Albert  II.  gefaßt.  Die  Würdenträger  der  Lütticher  Kirche,
der  Bischof,  der  Propst,  die  Archidiakone,  der  Vogt  vom  Haspengau  sowie  der
Herzog  von  Limburg,  der  Graf  von  Namur  und  weitere  nicht  namentlich  genannte
Barone  und  Ministeriale  sollten  dafür  sorgen,  daß  der  Graf  von  Loon  den  Frieden
einhalte  und  daß  sie  gegebenenfalls  Albert  II.  gegen  den  Grafen  von  Loon  Beistand
leisten,  andernfalls  hätten  sich  der  Herzog  von  Limburg,  der  Graf  von  Namur  sowie
der  Propst,  die  Archidiakone  und  Barone  der  Lütticher  Kirche  in  Moha  als  Geiseln
einzufinden971.  Am  Ende  des  Vertrages  wurden  noch  Memorial-  und  Sepulturbestimmungen
  geregelt.  An  jedem  Jahrestag  des  einstigen  Todes  von  Albert  II.
sollte  im  gesamten  Lütticher  Bistum  eine  Gedenkfeier  für  das  Seelenheil  des  Grafen
abgehalten  werden.  Zwei  vom  Grafen  vorgeschlagene  Äbte  sollten  die  Modalitäten
bestimmen972.  Auch  wünschte  der  Graf,  daß  er  vor  dem  Altar  des  hl.  Lambert  in
der  Lütticher  Domkirche  begraben  werde973.
Für  den  gesamten  ihm  von  Albert  II.  übertragenen  Gebietskomplex  hatte  der
Bischof  angeblich  eine  Summe  von  50000  Mark  zu  zahlen974.  Moha  -  und  dazu
gehörte  auch  Waleffe  -  wäre  eine  willkommene  Erweiterung  des  bischöflichen
Territoriums  gewesen.  Ob  diese  Übertragung  an  den  Bischof  auf  Veranlassung  der
Koalition  gegen  Wilhelm  von  Holland  und  Heinrich  von  Brabant  geschah,  wie
Walter  Mohr  vermutet975,  läßt  sich  nicht  beweisen.  Jedenfalls  war  eine  Erweiterung
der  Besitzungen  Herzog  Heinrichs  nach  Osten  vorerst  gescheitert976.  Es  ergaben
sich  bald  Schwierigkeiten  mit  der  Zahlung  der  Ablösesumme  für  Moha  und

971  Ebda.,  S.  147:  Sciendum  etiam  quod  universalis  ecclesia  sepedicta  Leodiensis,  episcopus
scilicet,  prepositus,  archidiaconi,  advocatus  Hesbanie,  dux  de  Lemborc,  comes
Namucensis  necnon  ceteri  barones  et  ministeriales  iuramento  firmaverunt  quod  pacem
aliquando  ordinatam  inter  supradictum  comitem  de  Musal  et  comitem  de  Loos,  a  comite
de  Loos  teneri  facient  secundum  quod  hinc  inde  pura  veritas  apportabit;  alioquin
iamdictum  comitem  Albertum  contra  comitem  de  Loos,  episcopus  et  universalis  ecclesia
sicut  iuraverunt,  ad  ammonitionem  prefati  comitis  Alberti  tenebuntur  unanimiter
adiuvare;  quod  si  minus  adimplerent,  sepe  nominata  ecclesia  Leodiensis  a  divinis
cessaret  necnon  dux  de  Lemborc,  comes  Namucensis,  prepositus,  archidiaconi,  barones
ecclesie  iamdicte  huius  rei  obsides  se  in  villa  de  Musal  capti  presentare  tenerentur.
972  Ebda.,  S.  147:  Cum  predictis  sciendum  quod  ecclesia  sepe  memorata  Leodiensis,  pro
consilio  duorum  abbatum  quos  comes  elegerit,  de  salute  anime  ipsius  et  antecessorum
suorum  quantum  ad  anniversarium  et  orationes  in  omnibus  conventualibus  ecclesiis
totius  episcopatus  ordinabit.
973  Ebda.,  S.  147:  ...  hoc  addito  quod  ante  altare  beati  Lamberti  ei  dabitur  sepultura,  ut
etiam  ubicumque  decesserit,  si  ab  eo  in  ultimis  dispositum  fuerit,  ad  iam  dictam
referetur  sepulturatn.
974  Reiner  von  Lüttich  berichtet  uns  von  dieser  Vereinbarung:  Reineri  annales,  MGH  SS
XVI,  ad  1204,  S.  657:  Comes  Albertus  comitatum  suum  de  Musal  cum  omnibus
appenditiis  suis  et  familia  libere  Sancto  Lamberto  tradit,  et  quinquaginta  milia
mar  carum  pro  recompensatione  accipit.  Die  Kaufsumme  wird  nur  in  den  Reineri
annales  erwähnt,  in  dem  Vertrag  (siehe  Anm.  368)  wird  darüber  geschwiegen.
975  Mohr,  Lothringen,  2.  Bd.,  S.  135  f.
976  F.  L.  Ganshof,  Brabant,  Rheinland  und  Reich  im  12.,  13.  und  14.  Jahrhundert,  Bonn
1938,  S.  10,  sieht  den  „Drang  nach  Osten“  als  Leitline  von  Heinrichs  I.
Ausdehnungspolitik,  die  auch  unter  dessen  Nachfolgern  galt.

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