Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Philipp  von  Schwaben  in  die  Wege  leitete,  ist  der  Dagsburger  Graf  jedenfalls  auf
seiten  des  Staufers  zu  finden,  wie  uns  eine  Urkunde  Philipps  von  Schwaben  vom
Ende  dieses  Jahres956  und  die  Verträge  Philipps  mit  dem  Herzog  vom  November
1204  erhellen,  denn  der  König  verpflichtet  sich,  dem  Herzog  bei  der  Erlangung  der
Dagsburger  Erbschaft  behilflich  zu  sein,  also  muß  der  Staufer  zumindest  Zugang
zum  Dagsburger  Grafen  gehabt  haben957.  Ab  1205  ist  Albert  II.  ebenso  in
Urkunden  Philipps  präsent958.  Es  zeichnete  sich  ab,  daß  die  Sache  des  Welfen
verloren  war,  ein  Übertritt  Alberts  II.  zu  Otto  IV.  zu  diesem  Zeitpunkt  wäre  wohl
einem  politischen  Selbstmord  gleichgekommen.  Der  Dagsburger  Graf  hat  sich,
wohl  resignierend,  langsam  aus  der  aktiven  Reichspolitik  zurückgezogen959,  auch
war  er  ab  1204  schon  verstärkt  mit  anderen  Problemen  beschäftigt,  nämlich  der
Erbschaf  tsproblemati  k.

1204-  1206:  Das  Nachfolgeproblem
Die  anhaltende  Kinderlosigkeit  Alberts  II.  von  Dagsburg  wurde  gegen  Ende  des  12.
und  am  Anfang  des  13.  Jahrhunderts  zu  einem  wesentlichen  Antriebselement  für
die  territoriaJpolitischen  Aktivitäten  der  einzelnen  politischen  Kräfte,  vor  allem  in
dem  heutig  als  niederländisch-belgisch  bezeichneten  Raum,  da  hier  sein  Neffe,  der
niederlothringische  Herzog  Heinrich  I.  von  Brabant,  als  einer  der  mächtigsten
Verwandten  des  Dagsburger  Grafen  sein  politisches  Machtzentrum  besaß.  Dieser
machte  sich  berechtigte  Hoffnungen  auf  das  reiche  Erbe,  was  natürlich  die
territorialpolitischen  Rivalen  des  Herzogs,  allen  voran  den  Lütticher  Bischof  und
den  Grafen  von  Loon,  welcher  ebenfalls  mit  Albert  II.  verwandt  war,  auf  den  Plan
rief.  Im  Zentrum  des  Interesses  dieser  niederlothringischen  Magnaten  stand  dabei
die  Grafschaft  Moha.  Jedoch  verlor  man  auch  die  restlichen  Besitzungen  Alberts
nicht  aus  dem  Auge,  da  es  sich  für  die  einzelnen  Dynasten  in  jeder  Hinsicht  gelohnt
hätte,  einen  Teil  der  stattlichen  Anzahl  der  Besitzungen  des  letzten  Dagsburger
Grafen  zu  erwerben,  um  den  eigenen  politischen  Machtbereich  zu  erweitern.

Streitigkeiten  um  das  Erbe  Alberts  II.
Eine  mögliche  Kinderlosigkeit  Alberts  II.  hat  sich  schon  in  den  neunziger  Jahren
des  12.  Jahrhunderts  angedeutet,  denn  einige  Dynasten  machten  sich  in  dieser  Zeit
bereits  Gedanken,  wie  das  zu  erwartende  reiche  Erbe  zu  verteilen  sei.  Es  existiert
ein  Vertrag  aus  der  ersten  Hälfte  des  Jahres  1197,  der  zwischen  dem  Neffen  Alberts
II., dem  niederlothringischen  Herzog  Heinrich  von  Brabant,  und  dem  ebenfalls  mit
Albert  II.  verwandten  Grafen  Ludwig  von  Loon  abgeschlossen  wurde,  in  dem  beide
Vertragspartner  vereinbaren,  daß  sie  im  Falle  des  kinderlosen  Ablebens  von  Albert

956  Siehe  dazu  oben  S.  114  mit  Anm.  629.
957  Siehe  dazu  unten  S.  314  f.
958  Siehe  dazu  oben  S.  114  mit  Anm.  630.
959  Es  ist  auffallend,  daß  Albert  II.  in  keiner  einzigen  Urkunde  Ottos  IV.,  auch  nicht  nach
dem  Tod  Philipps  von  Schwaben,  als  Zeuge  genannt  wird.

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