Der Kampf mit König Philipp von Schwaben und der politische
Seitenwechsel Alberts II. von Dagsburg
Philipp von Schwaben, der schon bald nach den ersten Versuchen der mit England
in Verbindung stehenden niederrheinischen Opposition durch den zu seiner Seite
übergewechselten Herzog Bernhard von Sachsen von den antistaufischen Plänen
erfahren haben dürfte940, war inzwischen selbst zum König gewählt worden und hat
am 29. Juni das staufisch-kapetingische Bündnis erneuert941. Im Spätsommer bis
Herbst des Jahres 1198 schließlich startete Philipp von Schwaben seinen ersten
Feldzug ins Elsaß, um seine dortigen Hauptgegner, den Straßburger Bischof Konrad
und Graf Albert II. von Dagsburg, militärisch zu bekämpfen. Sein Hauptaugenmerk
richtete er gegen Molsheim, Epfig und die Haldenburg, und er ging auch gegen die
Anhänger des Bischofs und des Grafen vor, soweit diese als Anhänger Ottos IV.
erkennbar waren, und zog plündernd durch das Unterelsaß942. Danach ging Philipp
nach Mainz und ließ sich dort am 8. September krönen943.
Papst Innozenz III. hatte im darauffolgenden Frühjahr, am 20. Mai, an Albert II.
geschrieben, in dem er den Eingang des obengenannten Schreibens von Albert
bestätigte und erklärte, er werde sich für Otto von Poitou einsetzen944, wohl auch,
um ihm moralische Rückendeckung im Kampf gegen Philipp zu geben. Der
Straßburger Bischof und der Dagsburger Graf scheinen in der Zwischenzeit den
militärischen Rückschlag im Spätsommer des Vorjahres überwunden gehabt zu
haben und wieder zu Kräften gekommen zu sein, denn König Philipp führte 1199,
wiederum zur Erntezeit, seinen zweiten Feldzug ins Elsaß durch. Er hat dabei
nochmals viele Burgen des Straßburger Bischofs und des Grafen von Dagsburg
zerstört und schließlich sogar die Stadt Straßburg belagert945. Dieser zweite Feldzug
brachte nun Philipp anscheinend den gewünschten Erfolg. Er konnte Bischof
Konrad von Straßburg und Graf Albert II. von Dagsburg, zwei der bekanntlich
wichtigsten Anhänger Ottos IV., aus der anti staufischen Koalition herausbrechen
und, wenn auch unter beträchtlichem Druck und Zwang, auf seine Seite ziehen.
Unter der Vermittlung von Herzog Berthold V. von Zähringen wurde zwischen
940 Siehe dazu Marcus, Bernhard von Anhalt, S. 153-160.
941 MGHConst. II, Nr. 1, S. 1 f.
942 Annales Marbacenses, ad 1198, S. 73: Interim Phylippus exercitum colligens Alsaciam
peciit, omne frumentum in messe pessutndedit, Mollesheim expugnando cremavit, solo
cimiterio in deditionem recepto, Haldenburc presidium cepit, cymiterium Epiaci
confregit omnesque homines Argentinensis episcopi et comitis de Tagesburc, qui erant
assentanei Ottonis regis, et totam inferiorem Alsaciam incendio et rapina vastavit.
943 Böhmer-Ficker, Nr. 19 a, S. 9; zur Datierung siehe ebda., u. Nr. 57, S. 21.
944 RNI 11, S. 27-29. Der Brief ist an den Erzbischof Adolf von Köln gerichtet. Der genaue
Wortlaut des Briefes von Innozenz III. an Graf Albert von Dagsburg ist uns nicht
überliefert, dürfte aber, bis auf die Passagen, welche die Kölner Boten betreffen, einen
ungefähr gleichlautenden Text wie der Brief an Adolf von Köln enthalten haben, wie aus
dem Zusatz im Register In eundem modum comiti de Dasburci (ebda., S. 29) hervorgeht.
945 Annales Marbacenses, ad 1199, S. 74: Rex Phylippus iterum collecto exercitu tempore
messis Alsaciam peciit et omne frumentum pessumdedit multa presidia
Argentinensis episcopi et comitis Alberti destruxit ipsamque civitatem Argentinatn
obsedit.
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