Hypothese auf, daß mit den in der Notiz erwähnten Grafen der Leininger und der
Dagsburger Graf gemeint sein könnten934. Es kann zwar möglich sein, daß die
Abgesandten in Kent vom wirklichen Aufenthalt Ottos erfahren haben und den für
Otto bestimmten Geldtransport schließlich eskortiert haben, jedoch kamt man aus
der Erwähnung von nicht namentlich genannten Grafen in der Notiz in den
Piperolls natürlich nicht zwingend auf die beiden Abgesandten der Andemacher
Wahlversammlung schließen. Diese Annahme Hückers bleibt somit doch recht
spekulativ.
Nach der Rückkunft der Gesandtschaft zusammen mit Otto von Poitou ins Reich
führte Erzbischof Adolf den Welfen an Pfingsten nach Lüttich, um die Unterstützung
des Lütticher Bischofs für das Königtum Ottos zu gewinnen935.
Wahrscheinlich hat Albert II. den Kölner Erzbischof und Otto von Poitou nach
Lüttich begleitet, um bei den Verhandlungen mit dem Lütticher Bischof Beistand zu
leisten, da der Dagsburger durch den Besitz der Grafschal t Moha quasi Nachbar des
Bischofs war. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit dem Lütticher Bischof
zog man weiter nach Köln936, wo die eigentlichen Wahl Verhandlungen mit dem
Welfen eingesetzt haben. Albert II. von Dagsburg wird daran teilgenommen haben,
es ging schließlich auch um Geld und andere Wahlversprechen von seiten Ottos937.
Auch wäre bei einem Fernbleiben Alberts sein diesbezügliches Engagement, das er
bei der versuchten Erhebung des Zähringers an den Tag legte, kaum zu erklären,
und Albert war dann sicher - wie uns sein oben besprochener Brief an Innozenz III.
beweist - am eigentlichen Wahltag, den 9. Juni 1198, bei der Königswahl Ottos in
Köln anwesend938. Wahrscheinlich ist Albert ebenfalls bei der Krönung Ottos IV.
am 12. Juli 1198 in Aachen zugegen gewesen939. Obschon die Quellen Albert II.
nicht namentlich nennen, wird er bei diesem wichtigen Ereignis - das, um eine solide
Machtbasis des neu gewählten Königs vorzuführen, eine Präsenz der Anhängerschaft
geradezu fordert - nicht gefehlt haben.
Rornanorum per comités el alios transfretantes ... (vij li. et dim. m.) per breve R >\ siehe
Hücker, Otto IV., S. 36.
934 Hücker, Otto IV., S. 36.
935 Reinen anuales, MGH SS XVI, ad 1198, S. 653 f.
936 Ebda., S. 654.
937 Über einzelne Wahlversprechen Ottos IV., z. B. an den Erzbischof von Köln und den
Abt von Werden, siehe Böhmer-Ficker V, 1, Nm. 200 u. 201, S. 57; siehe dazu auch C.
Frey, Das Schicksal des königlichen Gutes in Deutschland unter den letzten Staufern
seit König Philipp, Berlin 1881, S. 82-89; vgl. G. Rauch, Die Bündnisse deutscher
Herrscher mit Reichsangehörigen vom Regierungsantritt Friedrich Barbarossas bis zum
Tod Rudolfs von Habsburg, S. 48 mit Anm. 14; die Ausführungen von S. Haider,
Schriftliche Wahlversprechen römisch-deutscher Könige im 13. Jahrhundert, in: MIÖG
76, 1968, S. 111 ff., betreffen lediglich Formalia der schriftlichen Wahlversprechen
Ottos IV.
938 Zur Königswahl siehe Böhmer-Ficker V, 1, Nr. 198f, S. 56.
939 Zur Krönung Ottos IV. am 12. Juli 1198 in Aachen siehe Böhmer-Ficker V,l, Nr. I98i,
S. 56.
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