Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Abgesehen  davon,  daß  Albert  II.  sicherlich  nicht  auf  dem  Würzburger  Hoftag  des
Kaisers  zugegen  war,  läßt  die  prononciert  antistaufische  Haltung,  die  Albert  II.  von
Dagsburg  unmittelbar  nach  dem  Tod  Heinrichs  VI.  an  den  Tag  legte,  wohl  eine
direkte  Unterstützung  des  Erbreichsplanes  des  Kaisers  als  sehr  unwahrscheinlich
erscheinen.  Natürlich  wird  er  sich  dem  Druck  Heinrichs  VI.  hinsichtlich  dieses
Planes  und  dann  später  bei  der  Königswahl  von  des  Kaisers  zweijährigem  Sohn
Friedrich  nicht  haben  widersetzen  können,  wie  uns  die  Vorfälle  um  den  Kölner
Erzbischof  Adolf  von  Altena,  den  eindeutig  entschlossensten  Gegner  der  Pläne
Heinrichs  VI.  bezüglich  der  Thronfolgeregelung  verdeutlichen.  Erzbischof  Adolf,
der  bekanntlich  in  offene  Opposition  zum  Kaiser  gegangen  war,  mußte  sich
schließlich  in  der  Frage  der  Königswahl  Friedrichs  auch  dem  Willen  Heinrichs  VI.
unterwerfen  und  hatte  keine  andere  Möglichkeit,  als  im  Jahre  1197  in  Boppard  vor
dem  Bruder  des  Kaisers,  Herzog  Philipp  von  Schwaben,  den  Treueid  auf  Friedrich
abzuleisten870.  Somit  kann  man  aus  gutem  Grund  die  These  Krügers  von  einer
aktiven  Unterstützung  des  Erbreichsplanes  durch  den  Dagsburger  Grafen  zurückweisen
  und  als  verfehlt  ansehen.
Albert  II.  wird,  wie  uns  schon  die  oben  behandelten  Ereignisse  verdeutlichen,  seine
vorsichtig  taktierende  Haltung  gegenüber  dem  Staufer  beibehalten  haben.  So  finden
wir  den  Dagsburger  Grafen  auch  1196  wieder  am  Hofe  Heinrichs  VI.,  nämlich  am
8.  Januar  in  Hagenau  als  Zeuge  einer  Urkunde  des  Kaisers  für  das  Kloster
Herrenalb871,  dann,  als  Heinrich  VI.  kurz  vor  seinem  letzten  Italienzug  dem  Elsaß
einen  Besuch  abstattete,  in  kaiserlichen  Diplomen  vom  21.  Juni,  in  Brumath
ausgestellt872,  vom  25.  und  26.  Juni,  in  Oberehnheim  ausgestellt873,  und  schließlich

voluntatem  deberent  suggerere  et  ad  consensum  hereditandi  regni  eciam  involuntarios
quoad  possent  deflectere,  atque  si  eorum  consiliis  ceteri  principes  adnutarent,  bono  res
habita  processu  convalesceret,  et  si  quam  dictum  est  secus  accideret,  ipsi  proinde
imperatoriam  animadversionem  non  mererentur.  Denique  ad  Herbipolensem  curiam
properantes  imperatoris  segnem  dictis  prebuere  consensum.  Quidam  enim  principis
consternati  timore  sua  imperatori  dedere  sigilla,  alii  verbis  involuntariis  ad  assensum
utcumque  illecti  sunt,  alii  peremptorio  penitus  subducti  consilio  pigram  se  adhoc
negocium  voluntatem  habuisse  protestati  sunt.  Sicque  factum  est,  ut  ex  dictis  principum
imperator  facile  adverteret  ipsos  eorum  motus  voluntatem.  Aus  den  angeführten  Zitaten
wird  deutlich,  daß  weder  die  Annales  Marbacenses  noch  die  Chronica
Reinhardsbrunnensis  von  einer  Anwesenheit  Alberts  von  Dagsburg  beim  Würzburger
Hoftag  sprechen.  Es  soll  noch  erwähnt  werden,  daß  auch  in  der  am  10.  April,  ebenfalls
am  Würzburger  Hoftag  ausgestellten  Urkunde  Heinrichs  VI.,  Albert  II.  in  der
Zeugenreihe  nicht  vorkommt.  Siehe  dazu  Böhmer-Baaken,  Nr.  503,  S.  204.
870  Chronica  regia  Coloniensis,  S.  159;  vgl.  auch  Ottonis  de  Sancto  Blasio  Chronica,  cap.
45,  S.  71.
871  Regest:  Böhmer-Baaken,  Nr.  494,  S.  201,  zum  Druck  der  Urkunde  siehe  oben,  S.  112
mit  Anm.  625.
872  Regest:  Böhmer-Baaken,  Nr.  523,  S.  212;  zum  Druck  der  Urkunde  siehe  oben,  S.  112
mit  Anm.  625.
873  25.  Juni  1196,  Regest:  Böhmer-Baaken,  Nr.  525,  S.  213;  26.  Juni  1196,  Regest:
Böhmer-Baaken,  Nr.  526,  S.  213  f.;  zu  den  Drucken  der  jeweiligen  Urkunden  siehe
oben,  S.  112  mit  Anm.  625.

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