Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

dem  Kaiser  vorstellen  wollte,  damit  er  ihn  mit  den  Regalien  belehnte856.  Doch  in
der  Zwischenzeit  war  Albert  von  Kuik  aus  Rom  zurückgekehrt,  so  daß  sich  die
Pläne  Ottos  und  seiner  Anhänger  zerschlugen857.  Albert  von  Kuik  wurde  vom
Kaiser  investiert  und  mit  den  Regalien  des  Bistums  belehnt858.  Damit  waren  die
langen  Querelen  um  die  Besetzung  des  Lütticher  Bischofsstuhles  beendet.  Der
Kaiser  hatte  nun  mit  Albert  von  Kuik  einen  treuen  Parteigänger  auf  dem  Lütticher
Bischofsstuhl  sitzen859;  die  Bemühungen  der  Brabanter  Partei,  einen  ihrer
Parteigänger  zum  Bischof  zu  machen,  waren  gescheitert.  Das  Engagement  Alberts
II.  von  Dagsburg  für  einen  Kandidaten  aus  dieser  Partei  hatte  sich  letztendlich  nicht
ausgezahlt.
Das  Verhältnis  Alberts  II.  von  Dagsburg  zu  Heinrich  VI.  hat  sich  während  der
ganzen  Lütticher  Verwicklungen,  oberflächlich  betrachtet,  nicht  spürbar  verändert
und  scheint  durch  die  vorangegangenen  Ereignisse  nicht  sehr  belastet  worden  zu
sein,  wie  uns  die  Aufenthalte  am  Hofe  des  Kaisers  im  Jahre  1193  vor  Augen
führen860.  Auch  1195,  nach  der  triumphalen  Rückkehr  Heinrichs  VI.  von  seinem
zweitem  Italienzug,  ist  er  wieder  in  der  Umgebung  des  Kaisers  anzutreffen.  Er
fungiert  als  Zeuge  in  einem  am  25.  September  1195  in  Kaiserslautern  ausgestellten
Diplom  des  Kaisers  für  das  Stift  Hördt861  und  ebenso,  knapp  zweieinhalb  Monate
später,  in  einem  am  7.  Dezember  in  Worms  für  das  Kloster  Ichtershausen
ausgestellten  Diplom  Heinrichs862.
Es  dürften,  bedenkt  man  den  Umstand,  daß  Albert  II.  während  der  Vorgänge  um
den  Lütticher  Bischofsstuhl  zwar  vorsichtig,  aber  dennoch  grundsätzlich  immer  für
den  jeweiligen  Kandidaten  der  brabantischen  Partei  optiert  hat,  latent  sehr  wohl
weiterhin  Spannungen  zwischen  dem  Staufer  und  dem  Dagsburger  Grafeil
vorhanden  geblieben  sein,  die  aber  erst  nach  dem  Tod  des  Kaisers  offen  zum
Tragen  kamen.

Zur  angeblichen  Beteiligung  Alberts  am  Erbreichsplan  Heinrichs  VI.  •
Entgegen  der  einschlägigen  Literatur  zu  Bertram  von  Metz  und  dem  Erbreichsplan
Heinrichs  VI.863  behauptet  Hans-Jürgen  Krüger  in  einem  1975  erschienenen
Aufsatz  zur  Politik  Heinrichs  VI.  in  Oberlothringen,  Graf  Albert  II.  von  Dagsburg
sei  in  seiner  Funktion  als  Hochvogt  von  Metz  zusammen  mit  seinem  Lehensherm,
Bischof  Bertram  von  Metz,  auf  dem  Würzburger  Hoftag  Heinrichs  VI.  im  April

856  Ebda,  S.  308  f.
857  Ebda,  S.  309.
858  Ebda,  S.  309.
859  Siehe  Heinrich,  Kaiser  Heinrich  VI.,  S.  223.
860  Siehe  oben,  S.  112  mit  Anm.  625.
861  Original  in  München,  Bayerisches  Hauptstaatsarchiv,  Kaiserselekt,  Nr.  899a,  Regest:
Böhmer-Baaken,  Nr.  473,  S.  191  f.;  siehe  oben,  S.  112  mit  Anm.  625.
862  Anemüller,  Urkundenbuch,  Nr.  39,  S.  50-53;  Regest:  Böhmer-Baaken  Nr.  489.
863  Zu  Bertram  von  Metz:  Voigt,  Bertram  von  Metz,  1.  Teil,  in:  JGLGA  4,2,  Metz  1892,  S.
1-65;  2.  Teil  in:  JGLGA  5,1,  Metz  1893,  S.  1-91;  zum  Erbreichsplan:  E.  Perels,  Der
Erbreichsplan  Heinrichs  VI.,  Berlin  1927,  bes.  S.  82  f.

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