Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

finden831,  was  gegen  eine  durch  die  Lütticher  Ereignisse  ausgelöste  offen  gezeigte
Gegnerschaft  zum  Staufer  spricht,  sondern  eher  auf  ein  vorsichtiges  Taktieren  des
Dagsburgers  schließen  läßt.
Den  für  Heinrich  VI.  bedrohlich  ausgeweiteten  oppositionellen  Kräften  am  Niederrhein
  konnte  Heinrich  VI.  letztlich  nur  wegen  der  allseits  bekannten  zufälligen
Gefangennahme  des  englischen  Königs  Richard  Löwenherz  durch  Herzog  Leopold
von  Österreich  erfolgreich  entgegentreten832.  Nach  der  Auslieferung  Richards  an
den  Staufer  gelang  es  Heinrich  VI.,  den  mit  den  Welfen  verwandten  und  mit  den
niederrheinischen  Fürsten  in  engen  wirtschaftlichen  Beziehungen  stehenden  englischen
  König  gegen  die  niederrheinische  Adelsopposition  auszuspielen.  Richard
Löwenherz  hatte  keine  andere  Wahl,  als  auf  die  antistaufischen  Kräfte  dahingehend
einzuwirken,  ihre  oppositionelle  Haltung  aufzugeben833.  Als  schließlich  Heinrich
VI.  die  an  seinen  Hof  geflohenen  Mörder  Alberts  von  Löwen  verbannte  und  der
brabantischen  Partei,  namentlich  Herzog  Heinrich  I.  von  Niederlothringen  und
Herzog  Heinrich  von  Limburg,  das  Recht  einer  Einflußnahme  auf  eine  neue
Bischofswahl  in  Lüttich  zugestand,  waren  die  Gegner  Heinrichs  VI.  bereit,  sich
diesem  zu  unterwerfen834.  Gegen  Ende  des  Jahres  1193  war  die  Stimmung  in  den
niederrheinischen  Gebieten  wieder  ruhig  geworden.
In  Lüttich  mußte  nun  neu  gewählt  werden,  denn  es  war  sowohl  der  vom  Papst
anerkannte  Bischof  tot  als  auch  der  vom  Kaiser  eingesetzte  Bischof  abgesetzt.  Die
Wahl  des  Domkapitels  fiel  wohl  auf  das  energische  Betreiben  des  Herzogs  von
Limburg  auf  dessen  erst  sechzehnjährigen  Sohn  namens  Simon835.  Albert  II.  von
Dagsburg,  der  schon,  zusammen  mit  dem  Herzog  von  Limburg,  Albert  von  Löwen
unterstützt  hatte  und  zum  Limburger  Herzogshaus  augenscheinlich  enge  Kontakte
unterhielt,  befürwortete  die  Wahl  Simons836.  Simon,  der  sich  an  den  Hof  des  Kaisers
  nach  Aachen  begab,  erlangte  auch  am  13.  November  1193  die  Belehnung  mit
den  Regalien  des  Bistums  durch  Heinrich  VI.  Der  Kaiser  befürchtete  wohl,  daß
durch  eine  Ablehnung  des  Kandidaten  der  Limburg-Brabanter  Partei  der  Transport
des  Lösegeldes  für  Richard  Löwenherz  durch  den  Herzog  von  Niederlothnngen
gefährdet  werde837.  Balduin  V.  vom  Heimegau  wollte  jedoch  Simon  nicht  als
Lütticher  Bischof  akzeptieren.  Die  seiner  Partei  angehörenden,  bei  der  Wahl
Simons  ausgeschlossenen  Kanoniker  protestierten  beim  Kaiser  gegen  die  Wahl

831  Albert  II.  von  Dagsburg  ist  Zeuge  in  zwei  Urkunden  Heinrichs  VI.  aus  dem  Jahr  1193:
5.  April  in  Hagenau,  Regest:  Böhmer-Baaken,  Nr.  288;  28.  April  in  Boppard,  Regest:
Böhmer-Baaken,  Nr.  294;  zu  den  Drucken  der  jeweiligen  Urkunden  siehe  oben,  S.  112
mit  Anm.  625.
832  Zur  Gefangennahme  von  Richard  Löwenherz  siehe  Csendes,  Heinrich  VI.,  S.  115-130.
833  Chronica  magistri  Rogeri  de  Houedene,  ad  1193,  S.  214.
834  Continuatio  Aquicinctina,  MGH  SS  VI,  ad  1193,  S.  430:  La  chronique  de  Gislebert  de
Mons,  S.  287.
835  La  chronique  de  Gislebert  de  Mons,  S.  287  f.
836  Dies  wird  daran  erkennbar,  daß  Albert  II.  1194  an  der  Seite  der  Limburger  Familie,
darunter  auch  Simon,  in  einer  Fehde  gegen  Balduin  V.  zu  finden  ist.  Siehe  unten  S.  291
mit  Anm.  843.
837  Siehe  I^a  chronique  de  Gislebert  de  Mons,  S.  288;  vgl.  Trautmann,  Heinrich  VI.,  S.  49;
vgl.  Heinrich,  Kaiser  Heinrich  VI.,  S.  213.

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