Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Lothar, der bei der Kölner Erzbischofswahl schon einen Rückzieher machen 
mußte802, seine Ernennung zum Lütücher Bischof wahrscheinlich mit einem Fall 
von ,,verschleierte[r] Simonie“803 beim Kaiser erkauft zu haben, denn nur unter 
diesem Aspekt ergibt das Faktum, daß Lothar sich für 3000 Silbermark bei Heinrich 
die Kanzlerwürde erkauft, auf sie jedoch kurze Zeit später wieder verzichtet hat, 
einen Sinn804. Zum anderen wird Heinrich VI. von der in Italien dem Kanzler 
Balduins, Gislebert von Mons, gegebenen Zusage, Albert von Rethel zu investieren, 
Abstand genommen haben, da in der Zwischenzeit die Nachricht eingetroffen war, 
daß am 1. Juni 1191 bei der Belagerung von Akkon der Graf von Flandern 
verstorben war805, und der Hennegauer Graf, nicht zuletzt Dank der schnellen 
Reaktion seines Kanzlers auf die ersten Gerüchte vom Tod des Grafen von Flandern 
hin806, gute Aussichten hatte, die flandrische Erbschaft anzutreten807. Diese zu 
erwartende enorme Ballung von Macht in der Hand des Hennegauers, der zudem 
nach staufischem Willen noch Namur erben sollte808, stellte, falls der Lütticher 
Bischofsstuhl an einen Kandidaten der Hennegauer Partei gehen sollte, für Heinrich 
VI. letztendlich doch ein zu großes Risiko dar809, so daß er gedachte, durch die 
Vergabe des Lütticher Bischofsstuhles an den Bmder Theoderichs von Hochstaden, 
im Maasgebiet ein politisches Gegengewicht sowohl zum Hennegauer als auch zum 
Brabanter zu schaffen. 
Da Graf Balduin V. vom Hennegau seinerseits es sich wegen der Gewinnung der 
flandrischen Erbschaft nicht leisten konnte, auf Konfrontationskurs zum Kaiser zu 
gehen, sondern für dieses Vorhaben im Gegenteil ein ihm gewogener Herrscher von 
Vorteil war810, beugten er und sein Protégé, Albert von Rethel, sich in der Lütticher 
Angelegenheit dem Spruch des Kaisers, nicht jedoch Albert von Löwen und dessen 
Anhängerschaft. Allerdings wäre es möglich, daß durch die kaiserliche Entschei- 
802 R. KNIPPING, Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, 2. Bd.: 1100-1205, 
Bonn 1901, Nr. 1429, S. 286; siehe dazu Heinrich, Kaiser Heinrich Vf, S. 199. 
803 So die Terminologie bei Hhnrich, Kaiser Heinrich VI., S. 196; in ähnlicher Wortwahl 
auch C. Trautmann, Heinrich VI. und der Lütticher Bischofsmord (1192), Cottbus 
1912, S. 29 
804 Vita Alberti episcopi Leodiensis, MGH SS XXV, S. 142 f.: Ad tegendum ergo 
commertium operis tenebrosi, tribus milibus marcorum a Bonnensi preposito clam 
acceptis, imperator in curia generali constituit eum sibi archicancellarium regni sui 
citra Alpes, in proximo facturus, ut eum investiat regalibus I^eodiensis episcopatus. ... 
imperator et Lotharium Bonninensem prepositum electum sibi designat et investit 
regalibus Leodiensis episcopatus, quem tridie designaverat archicancellarium regni 
Theutonici. Quem honorem archicancellarie, sicut erat condictum intereos, palam ipse 
resignat in manum principis. - La chronique de Gislebert de Mons, S. 270; ... dominus 
imperator accepta nimia pecunia a Lothario clerico, viro nobili, preposito Bonnensi, 
fratre comitis de Hostade, concellariam suam que tunc vacabat, ei vendidit. Secunda 
autem die a donatione illa cancellarie eidem Lothario sub testimonio predictorum 
principum, astantibus eciam utroque Alberto, episcopatum Leodiensem contulit. 
805 La chronique de Gislebert de Mons, S. 255. 
806 Ebda., S. 258. 
807 Zur flandrischen Erbschaftsangelegenheit siehe Trautmann, Heinrich VI., S. 26 tf. 
808 Zur Bildung der Markgrafschaft Namur siehe unten die Literaturangaben in Anm. 877. 
809 Mohr, Lothringen, 2. Bd., S. 118. 
810 So Heinrich, Kaiser Heinrich Vf, S. 197. 
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