Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Folge  gehabt,  daß  Erstein  von  einer  Reichsabtei  zu  einer  bischöflichen  Abtei
herabgesunken  wäre.  So  nimmt  es  nicht  wunder,  daß  sich  die  Ersteiner  Abtei  gegen
diese  Art  der  'Mediatisierung'  gewehrt  haben  wird.  Als  ein  Indiz  für  die  These,  daß
die  Äbtissin  und  der  Konvent  von  Erstein  Albert  II.  um  Beistand  gebeten  haben,
dürfte  angesehen  werden,  daß  der  Dagsburger  Graf  sich  Anfang  März  1192  am  Hof
des  Kaisers  in  Hagenau  aufhielt,  gerade  zu  dem  Zeitpunkt,  als  die  umstrittene
Ersteiner  Angelegenheit  zu  Ende  gebracht  wurde,  denn  Albert  II.  ist  Zeuge  in  drei
Diplomen  Heinrichs  vom  3.,  4.  und  5.  März781.  Die  Zeugenschaft  Alberts  in  dem
Diplom  vom  4.  März  ist  in  diesem  Zuammenhang  besonders  interessant,  da  der
Kaiser  nämlich  dem  massiven  Protest  der  Fürsten  hatte  nachgeben  müssen  und
knapp  ein  Jahr  nach  der  Übertragung  der  Abtei  an  den  Bischof  mit  dem  Diplom
vom  4.  März  die  Rückgängigmachung  der  umstrittenen  Schenkung  urkundlich
festgeschrieben  wurde782.  Wahrscheinlich  war  die  Ersteiner  Angelegenheit  auch
der  Grund,  warum  der  Dagsburger  Graf  am  Kaiserhof  zu  Hagenau  erschienen  war.

Albert  II.  und  die  Lütticher  Bischofswahlen  von  1191  und  1194
Fast  zeitgleich  mit  dem  Konflikt  um  Erstein  trat  ein  weiteres  Problem  auf,  welches
das  Verhältnis  zwischen  dem  Kaiser  und  Albert  II.  von  Dagsburg  beeinflußt  haben
dürfte:  die  Vorgänge  und  Ereignisse  um  die  Lütticher  Bischofswahlen  der  Jahre
1191  bis  1194.
Am  5.  August  1191  war  der  Lütticher  Bischof  Rudolf  von  Zähringen  auf  der  Rückreise
  vom  Kreuzzug  in  seiner  südwestdeutschen  Heimat  verstorben783.  Die  nun  anstehende
  Neuwahl  eines  Bischofs  im  Lütticher  Bistum  war  ganz  von  den  einzelnen
-  vor  allem  regional  bestimmten  -  machtpolitischen  Interessen  der  niederlothringischen
  Magnaten  geprägt,  die  selbstverständlich  bis  in  das  Lütticher  Domkapitel
hineinreichten,  da  sich  die  Domkapitulare  überwiegend  aus  regionalen  Adelsfamilien
  rekrutierten  ,,und  daher  den  Interessen  der  Großen  nicht  unbedingt  neutral
gegenüberstanden“784,  wie  Peter  Csendes  es  ausdrückt.  Die  niederlothringischen
Großen,  die  auf  die  Bischofswahl  hauptsächlich  Einfluß  nahmen  und  für  ihre
territorialpolitischen  Zwecke  nutzen  wollten,  waren  auf  der  einen  Seite  der  Herzog

imperatoris,  episcopus  Argentinensis  et  Albertus  comes  de  Tagesburch,  qui  prius  erant
inimici,  reconciliati  sunt-,  zu  den  Umständen,  die  zur  Versöhnung  geführt  haben,  siehe
unten,  S.  296-300.
781  Urkunde  vom  3.  März  als  Abschrift  in  einem  Vidimus  v.  11.  Oktober  1423,  in:
Würzburg,  Staatsarchiv,  Würzburger  Urkunden  5/105b  [früher  München  HStA,
Urkunden  des  Klosters  S.  Nikolaus  Memmingen,  Urk.  Nr.  701].  -  Urkunde  vom  4.  März
in:  Würdtwejn,  10.  Bd.,  Nr.  53,  S.  156-159;  weiterer  Druck  in:  Wiegand,
Urkundenbuch  I,  Nr.  130,  S.  106-108;  Regest:  Böhmer-Baaken,  Nr.  210.  -  Urkunde
vom  5.  März  in:  Muratori,  Antiquitates  Italicae,  Tom.  4,  Sp.  231  f.
782  Wiegand,  Urkundenbuch  I,  Nr.  130,  S.  106-108:  ...  ideoque  prenominatus  episcopus
Cunradus  in  manum  nostram  prejatam  abbatiam  cum  omnibus  pertinendis  suis
resignavit,  in  pristinam  fisci  nostri  potestatem  restituit  (Zitat,  ebda.,  S.  107).
783  La  chronique  de  Gislebert  de  Mons,  S.  257  mit  Anm.  L-  Knappe  Zusammenfassung  der
Ereignisse  bei  Wegnez,  Les  comtes,  S.  106-112.
784  Csendes,  Heinrich  VI.,  S.  109.

284
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.