Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Preisgabe  der  traditionell  kaisertreuen  Stadt  Tusculum  gezeigt,  daß  er  gewillt  war,
dem  Ziel  der  Kaiserkrönung  alles  andere  unterzuordnen.
Hatte  die  Auslieferung  Tusculums  schon  Mißbilligung  erfahren767,  so  rief  kurz
darauf  eine  weitere  Handlung  des  frischgekrönten  Kaisers  vollends  den  Protest
nicht  weniger  Fürsten  hervor.  Heinrich  VI.  lagerte  die  Tage  nach  der  Kaiserkrönung
zwischen  Rom  und  Tusculum  und  schenkte  am  17.  April  1191  die  alte  Reichsabtei
Erstein  dem  Straßburger  Bischof  Konrad  von  Hüneburg768.  Die  Staufer  zeigten
wenig  Interesse  an  der  alten,  sich  im  wirtschaftlichen  Niedergang  befindenden
Reichsabtei769,  wobei  sie  die  Abtei  und  deren  Besitzungen  wohl  als  Manövriermasse
  im  Umgang  mit  anderen  Fürsten  betrachteten,  wie  schon  der  außergewöhnliche
  Vorgang  der  Veräußerung  von  Ersteiner  Besitz  an  den  Markgrafen  von
Baden  durch  Friedrich  Barbarossa  beweist770.  Weil  die  Übertragung  Ersteins  an
Bischof  Konrad  zwei  Tage  nach  der  Kaiserkrönung  Heinrichs  VI.  in  campestribus
inter  urbem  et  Tusculanum771  erfolgt  ist,  hat  man  neuerdings  vermutet,  daß  der
Hintergrund  für  diesen  ungewöhnlichen  Vorgang  in  der  Preisgabe  Tusculums  an  die
Römer  durch  Heinrich  VI  zu  finden  ist.  Heinrich  VI,  habe  den  Straßburger  Bischof
wegen  der  wenig  ehrenvollen  Auslieferung  Tusculums  an  die  Römer  beschwichtigen
  wollen,  so  die  Meinung  Ute  Schwabs772.  Auch  sollten,  vermutet  Schwab
weiter,  die  hohen  Kosten  des  Bischofs  für  den  Italienzug  kompensiert  werden773.

767  Ottonis  de  Sancto  Blasio  Chronica,  ed  A.  HOFMEISTER,  MGH  Script,  rer.  Germ.,  Hannover
  u.  Leipzig  1912,  cap.  33,  S.  48  f.:  Hunc  favorem  Romanorum  avaricie  eorum
maximis  muneribus  satisfaciens  promeruit  ac  Tusculanense  castellum,  quod  asilum
imperii  contra  insultus  eorum  hactenus  extitit,  ipsis  tradens  imperium  in  hoc  non
mediocriter  dehonestavit;  Burchardi  praepositi  Urspergensis  Chronicon,  ad  1191,  S.  71:
Pro  qua  re  imperatori  improperatum  est  a  multis.
768  Die  Urkunde  vom  17.  April  1191  ist  in  die  Urkunde  vom  4.  März  1192  inseriert
(Wiegand,  Urkundenbuch  I,  Nr.  130,  S.  106  ff.:  ...  noverit  ....  quod  nos  ...  ac  favore
dilecti  nobis  Cunradi  Argentinensis  episcopi,  qui  nostris  ac  imperii  fideliter  ac  devote
insudavit  obsequiis,  ecclesie  sancte  Marie  in  Argentina  et  episcopatui  claustrum  de
Eristein  cum  ministerialibus  et  universis  pertinentiis  ejus  sicut  ad  imperium  spectare
dinoscilur,  ...jure  donavimus  proprietatis  et  perpetuo  volentes,  ut  jam  dictus  episcopus
et  omnes  ejus  successores  predictam  abbatiam  et  allodium  cum  omnibus  pertinentibus
eorum,  ...  libere  et  absolute  percipiant  et  quiete  possideant,  weiterer  Druck  d.  Urk.  bei
WÜRDTWEIN,  10.  Bd.,  Nr.  53,  S.  156-159).
769  Zu  den  wirtschaftlichen  Problemen  von  Erstein  siehe:  Scheffer-Boichorst,  Reichsabtei
  Erstein,  S.  283-299.
770  D  FI  65,  S.  110  f.  ;  siehe  dazu  auch  unten  im  Kap.  'Vogteien'  den  Art.  ’Erstein'.
771  Wiegand,  Urkundenbuch  I,  Nr.  130,  S.  106  ff.,  Zitat,  S.  106.
772  Schwab,  Datierung,  S.  46,  Schwabs  These  ist  aus  ihrem  Interpretationsversuch  des
mittelhochdeutschen  Epos  Reinhart  Fuchs  des  Elsässers  Heinrich  hervorgegangen.  Sie
vermutet,  daß  eine  Episode  aus  diesem  Epos  einen  Reflex  der  Vorgänge  um  Tusculum
und  Erstein  bildet  (siehe  ebda.,  S.  31-55).  Es  handelt  sich  dabei  um  die  Episode  der  auf
Veranlassung  Reinharts  durch  den  König  geschehenen  Einsetzung  eines  Kamels  namens
Thvschalan  als  Äbtissin  von  Erstein,  das  aber  von  den  Nonnen  wieder  verjagt  wurde.
Siehe  Der  Reinhart  Fuchs  des  Elsässers  Heinrich,  S.  123  f.,  Verse  2117-2154.  Der  Name
Thvschalan  (ebda.,  S.  78,  Vers  1438  u.  S.  118,  Vers  1995)  wird  von  Schwab,  Datierung,
S.  43  f.,  mit  Tusculum  gleichgesetzt.
773  Schwab,  Datierung,  S.  46

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