Das Erstein-Problem
Die erste Interessenskoüision zwischen Heinrich VI. und Albert II hängt mit
Vorgängen vom Frühjahr 1191 zusammen, welche die Kaiserkrönung Heinrichs VI.
betrafen. Der erste Italienzug Heinrichs VI., um den es hier geht, hatte die
Erlangung der Kaiserkrone und den Gewinn der Herrschaft über Sizilien zum
Ziel754. Der Romzug war schon in vollem Gange, es w urden bereits Verhandlungen
mit Papst Clemens III. geführt, als der Papst am 20. März 1191 völlig unerwartet
verstarb755. Es kam zwar rasch zur Wahl eines neuen Papstes, des Römers Hyazinth
Bobone, welcher sich Coelestin III. nannte756, doch sollten sich die Verhandlungen
mit ihm, der ursprünglich als Kompromißkandidat gegolten hatte757, als sehr
schwierig für den Staufer erweisen. Coelestin III., bei seiner Wahl bereits über
achtzig, war Kardinaldiakon und zögerte angeblich seine eigene Priesterweihe und
die folgende Konsekration zum Papst hinaus, um Heinrich nicht zum Kaiser krönen
zu müssen758. In dieser Situation suchte der Staufer die Unterstützung der Römer,
welche stets auf die Aufrechterhaltung ihrer eigenständigen Position zwischen
Kaiser und Papst bedacht gewesen waren, und ihrerseits bereits mit Heinrich VI.
Kontakt aufgenommen hatten759. Den Römern, die sich nun in einer starken
Verhandlungsposition befanden, gelang es, für ihre Unterstützung bei der
Kaiserwahl vom Staufer die Bestätigung ihrer Rechte und die Übergabe Tusculums
an sie zu erlangen. Tusculum war durch seine im Laufe des Mittelalters entstandene
Gegnerschaft zu Rom zumeist auf kaiserliche Hilfe angewiesen und stand somit
loyal zu Heinrich VI.760 761 Interessanterweise hatte Heinrich VI. schon 1189 in einem
am 3. April in Straßburg ausgefertigten, wohl nur einem kleinen Kreis bekannten
Abkommen dem damaligen Papst Clemens III. unter anderem eine Restitution
Tusculums in Aussicht gestellt76!, sicher eine Geste guten Willens von seiten
Heinrichs gegenüber dem Papst, um die projektierte Kaiserkrönung nicht von
vomeherein zu gefährden. Heinrich VI. ließ jedoch in der ersten Phase seines
754 Zum ersten Italienzug Heinrichs VI. siehe Csendes, Heinrich VI., S. 86-105.
755 Burchardi praepositi Urspergensis Chronicon, ad 119], S. 71, siehe das Zitat in Anm.
756; vgl. Chronica magistri Rogeri de Houedene, 3. Bd., ed. W. Stubbs, London,
Oxford, Cambridge 1870, S. 101, der als Todestag von Clemens III. den 10. April 1191
angibt; zu dem Datierungsproblem vgl. Th. Toeche, Kaiser Heinrich VI., Leipzig 1867,
S. 170, Anm. 2.
756 Burchardi praepositi Urspergensis Chronicon, ad 1191, S. 71: Eo anno Clemens III.
obiit. Cui successit Celes tinus III., qui prius lacintus fiierat dictus, vgl. Toeche,
Heinrich VI., S. 170.
757 Vgl. Csendes, Heinrich VI., S. 91.
758 Arnoldi chronica Slavorum, ed. J. M. Lappenberg, MGH Script rer. Germ., Hannover
1868, lib. V, cap. 4, S. 151: Pro quo domnus Celestinus in sedem est sublimatus. Qui
videns regem cum multa iactantia venisse, ad protelandam eius consecrationem suam
distulit.
759 Arnoldi chronica Slavorum, lib. V, cap. 4, S. 151, siehe das Zitat in Anm. 763.
760 Vgl. Csendes, Heinrich VI., S. 92.
761 MGH Const. I, Nr. 322, S. 460 f.: Insuper iamdicto patri in Christo Clementi pape
restituimus quoad possessionem Cornetum, Veteratam, Ortam, Narnium, Amelium,
Tusculanum, Terracinam, absolvendo homines predictorum locorum a iuramento quod
nobisfecerunf, vgl. Böhmer-Baaken, Nr. 83, S. 37 f.
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