Diplom des Königs, in dem Heinrich beurkundet, daß er das Bistum Sitten wieder
an das Reich gezogen habe750. Ob sich Albert II. zwischen dem 14. April und 7.
Mai ständig im Gefolge des Königs aufgehalten hat, läßt sich auf Grund der
Quellenlage nicht sagen, da für die Zwischenzeit nur zwei Quellen zu Heinrich
überliefert sind. Die erste Quelle, ein Brief Heinrichs VI. an Papst Clemens vom 18.
April, der keine Zeugen aufweist, berichtet uns von einem Aufenthalt des Königs in
Vaihingen751, die zweite Quelle, ebenfalls ein Brief ohne Zeugenangaben, datiert
schon vom 6. Mai in Basel752. Es ist durchaus möglich, daß der Dagsburger Graf
während der Zeit zwischen 14. April und 7. Mai von Hagenau aus ins Oberelsaß
gezogen war, um dort Angelegenheiten, die seine oberelsässischen Besitzungen
betrafen, zu erledigen und erst in Basel wieder zum Königshof stieß. Auch im
Folgejahr ist er wieder in der Nähe des Königs zu finden, und zwar am 28. August
in Kaiserslautern. Hier fungierte er ebenfalls als Zeuge in einem Diplom Heinrichs
VI. für die Bürger von Pisa, mit dem der König den Pisaner Bürgern Privilegien
erteilte753.
Das Verhältnis zwischen dem Dagsburger Grafen und dem jungen Staufer scheint
sich anfangs ähnlich problemlos gestaltet zu haben, wie vorher schon das Verhältnis
zwischen Albert II. und Heinrichs Vater. Albert II. dürfte zunächst abgewartet
haben, wie sich die Herrschaft des jungen Staufers entwickeln würde. Ab dem Jahr
1191 sind allerdings schon erste Reibungspunkte zwischen dem jungen Staufer und
dem Dagsburger Grafen zu erkennen.
Politische Gegensätze zwischen Albert II. und Heinrich VI.
Politische Gegensätze zwischen Albert II. und Heinrich VI. zeigten sich in den
Jahren 1191 und 1192 bei den Vorgängen, die sich um die Reichsabtei Erstein, um
die Lütticher Bischofswahl und die Ermordung Alberts von Löwen abspielten. Es
ist nicht beabsichtigt, mit diesen Vorfällen allein die antistaufische Haltung Alberts
II. zu erklären, die dieser nach dem Tod Heinrichs VI an den Tag legte, wiewohl
der Mord an Albert von Löwen wie ein Katalysator für die Herausbildung einer
gegen die Staufer gerichteten Opposition am Niederrhein wirkte. Die antistaufische
Haltung Alberts II. wurde hingegen noch aus tieferliegenden Wurzeln gespeist, die,
wie oben geschildert, in ihren Anfängen bis in die ausgehende Salierzeit
zurückreichten. Die beiden im folgenden beschriebenen Vorfälle zeigen uns jedoch
beispielhaft die seit den Zeiten Friedrich Barbarossas und Hugos VIII. von
Dagsburg immer wieder auftretende Divergenz von staufischen und von
dagsburgisehen Interessen.
750 Druck: Schöpflin, Alsatia diplomatica I, Nr. 345, S. 292 f. - Reg.: Böhmer-Baaken,
Nr. 86.
751 Böhmer-Baaken, Nr. 84.
752 Böhmer-Baaken, Nr. 85.
753 Druck: La Farina, Studi, 4. Teil, S. 184 f. Regest: Böhmer-Baaken, Nr. 106; Dolch
u. MüNCH, Urkundenbuch I, Nr. 71, S. 69.
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