Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Klagen  des  Bischofs  von  Genf  wegen  der  Entfremdung  von  Regalien  durch  Herzog
Berthold  IV.  von  Zähringen  und  durch  den  Grafen  Amadeus  von  Genf  nachgegeben
und  die  Regalien  wieder  in  die  Gewalt  des  Bischofs  verfügt685.  Der  Spruch  des
Hofgerichtes  dürfte  ganz  im  Sinne  Friedrichs  I.  gewesen  sein,  da  er  somit  wieder
die  Verfügungsgewalt  über  die  besagten  Bistümer  in  seine  Hand  bekommen  hat686.
In  die  gleiche  Richtung  geht  wohl  auch  die  am  23.  November  1162  auf  einem
Hoftag  in  Konstanz  vollzogene  Scheidung  Heinrichs  des  Löwen  von  Clementia  von
Zähringen687,  die  mit  Kaiser  Friedrich  I.  anscheinend  abgesprochen  war688.  Diese
Vorgänge  schmiedeten  offensichtlich  die  Koalition  der  Gegner  Barbarossas  nur
noch  enger  zusammen689.  Herzog  Berthold  IV.  von  Zähringen  hat  sich  zudem  in
der  Folgezeit  politisch  auch  dem  französischen  König  Ludwig  VII.  angenähert  und
in  einem  Brief  an  diesen  voller  Bitterkeit  zum  Ausdruck  gebracht,  Kaiser  Friedrich
Barbarossa  habe  die  Erhebung  Rudolfs  auf  den  Mainzer  Erzstuhl  nur  ob  nostri
generis  odium  verhindert690.
Keinen  wir  zu  den  Ereignissen  der  Horburger  Fehde  zurück.  Der  Kaiser,  dem  der
Überfall  des  Dagsburger  Grafen  auf  Horburg  nach  seiner  Rückkehr  aus  Italien
wahrscheinlich  bei  seinem  Aufenthalt  in  Burgund  zu  Ohren  gekommen  war691,  hat
schließlich  Hugo  VIII.  dazu  aufgefordert,  die  Fehdehandlungen  gegen  Horburg
einzustellen692.  Als  der  Dagsburger  dieser  Aufforderung  nicht  nachkam,  hat
Friedrich  I.  bei  seinem  Zug  durch  das  Elsaß693  mit  Girbaden  eine  der  wichtigsten
Burgen  des  Grafen  zerstört  und  so  Hugo  VIII.  zum  Frieden  und  zur  Aufgabe  seiner
Eroberungen  gezwungen694.

685  D  F  I  388,  S.  257  ff  ;  siehe  dazu  auch  Heinemann,  Untersuchungen,  2.  Teil,  S.  163-180.
686  Siehe  dazu  Büttner,  Staufer  und  Zähringer,  S.  481.
687  Annales  Welfici  Weingartenses,  in  Historia  Welforum,  hrsg.  v.  E.  König,  2.  Aufl.,
Sigmaringen  1978,  S.  90:  Anno  MCLXII  in  /esto  sancti  Clementis  discidium  factutn  est
inter  Heinricum  ducem  et  uxorem  suam  Clementiam,  filiam  Chuonradi  ducis,
Constantiae;  vgl.  auch  Jordan,  Heinrich  der  Löwe,  S.  74  f.;  Büttner,  Staufer  und
Zähringer,  S.  484  f.
688  Vgl.  Jordan,  Heinrich  der  Löwe,  S.  75.
689  Siehe  auch  Heinemann,  Untersuchungen,  2.  Teil,  S.  176  f.
690  Der  Brief  ist  abgedruckt  in:  M.  Bouquet  u.  a.,  Recueil  des  historiens  des  Gaules  et  de  Ia
France,  16.  Bd.,  nouvelle  édition,  publiée  sous  la  direction  de  L.  Delisle,  Paris  1878,
Nr.  112,  S.  34  f.  (Zitat,  S.  35).
691  Vgl.  F.  Opel,  Friedrich  Barbarossa,  Darmstadt  1990,  S.  85.
692  Annales  Marbacenses,  ad  1162,  S.  50  f.  Zitat  siehe  Anm.  694.
693  Siehe  Qpll,  Itinerar,  S.  32.
694  Annales  Marbacenses,  ad  1162,  S.  50  f.:  Ipso  anno  factum  est,  ut,  eversa  Horburch  et
captivitatis  his  qui  in  castro  obsessi  fuerant,  imperator  Fridericus  destructo  Mediolano
reversus  de  Ytalia  veniret  in  Alsaciam.  Qui  bellum  inferre  cepit  comiti  Hugoni,  utpote  ei
qui  imperiale  preceptum  contempserat,  quod  videlicet  ab  obsidione  predicti  castri  non
recesserat;  eos  quoque  quos  comes  captivaverat  expugnato  et  destructo  castro  Girbaden
liberavit.  Deinde  post  menses  aliquot  imperator  civili  bello,  quod  totam  Alsatiam  iam
devastaverat,  finem  im[posu]it,  hostibus  inter  se  pacificatis.  -  Herr  Bernhard  Metz  hat  in
einem  Gespräch  die  Vermutung  geäußert,  daß  es  sich  bei  der  Zerstörung  Girbadens
vielleicht  um  einen  symbolischen  Akt,  wie  zum  Beispiel  die  Schleifung  einer  Mauer
gehandelt  haben  könnte.Vgl.  dazu  G.  Althoff,  Spielregeln  der  Politik  im  Mittelalter.

269
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.