Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

einen  Konsens  mit  dem  Zähringerherzog  gesucht  und  diesem  zu  Beginn  seiner
Regierungszeit  noch  vor  dem  Juni  1152  das  Rektorat  über  Burgund  verliehen678.
Das  Verhältnis  zwischen  Friedrich  I.  und  Berthold  IV.  gestaltete  sich  indes
wechselvoll679.  Der  entscheidende  Einschnitt  in  der  Politik  Friedrichs  I.  gegenüber
der  zähringischen  Familie  trat  aber  im  Zusammenhang  mit  der  Heirat  des  Staufers
im  Jahre  1156  ein,  als  beide  zu  territorialpolitischen  Rivalen  im  burgundischcn
Raum  geworden  waren.  Barbarossa  versuchte,  den  Zähringer  durch  eine  neuerliche
vertragliche  Regelung  zu  besänftigen,  die  diesem  die  Stellvertretung  des  Königs
und  die  Regalien  in  den  Bistümern  Lausanne,  Genf  und  Sitten  zugestand680.  Ein
erstes  Anzeichen  für  ein  Zerwürfnis  war  die  Frage  der  Besetzung  des  Mainzer
Erzbischofsstuhles,  der  seit  1160  vakant  war.  Es  war  nach  dem  gewaltsamen  Tod
von  Erzbischof  Arnold  von  Mainz  am  24.  Juni  1160681  zu  einer  zwiespältigen  Wahl
gekommen,  gewählt  wurden  einerseits  Rudolf  von  Zähringen,  der  Bruder  Bcrtholds
IV.,  und  andererseits  Christian  von  Buch682.  Der  Kaiser,  dem  laut  Text  des
Wormser  Konkordates  bei  zwiespältiger  Wahl  ein  Entscheidungsrecht  zustand683,
verwarf  jedoch  mit  Zustimmung  des  Gegenpapstes  Viktor  IV.  beide  Kandidaten
und  setzte  als  neuen  Mainzer  Erzbischof  während  des  Konzils  von  Lodi  am  20.  Juni
1161  Konrad  von  Wittelsbach  ein684.  Dieses  Vorgehen  des  Kaisers  mußte
selbstverständlich  die  Familie  der  Zähringer  vor  den  Kopf  stoßen.  Einen  weiteren
Affront  gegen  die  Zähringer  bildete  1162  die  Erklärung  der  Reichs  Unmittelbarkeit
des  Bistums  Genf  in  S.  Jean-de-Losne  durch  das  Hofgericht.  Dieses  hatte  den

678  D  F  I  12,  S.  22  ff.;  siehe  dazu  H.  Büttner,  Staufer  und  Zähringer  im  politischen
Kräftespiel  zwischen  Bodensee  und  Genfer  See  während  des  12.  Jahrhunderts,  in:
Schwaben  und  Schweiz  im  Frühen  und  Hohen  Mittelalter  Gesammelte  Aufsätze  v.  H.
Büttner,  hrsg.  v.  H.  Patze  (=  VuF  15),  Sigmaringen  1972,  S.  468  f.;  zum  Rektorat
Uber  Burgund  siehe  vor  allem  H.  Heinemann,  Untersuchungen  zur  Geschichte  der
Zähringer  in  Burgund,  1.  Teil,  in:  AfD  29,  1983,  S.  148-192.
679  Siehe  dazu  Büttner,  Staufer  und  Zähringer,  S.  468-474.
680  Otto  von  Freising  in:  Ottonis  et  Rahewini  Gesta  Friderici,  lib.  II,  cap.  48,  S.  155  f  ;  siehe
dazu  Büttner,  Staufer  und  Zähringer,  S.  475  f.;  siehe  auch  Heinemann,
Untersuchungen,  1.  Teil,  in:  AfD  29,  1983,  S.  184-192  u.  2.  Teil  in:  AfD  30,  1984,  S.
155-159;  ebenfalls  in  diesen  Zusammenhang  einzuordnen  ist  die  am  1.  Januar  1158
getroffene  Vereinbarung  zwischen  Friedrich  I.  und  Heinrich  dem  Löwen  Uber  einen
Gütertausch.  Heinrich  der  Löwe  erhielt  von  Friedrich  I.  Reichsgut  im  Harz.  Als
Gegenleistung  gab  der  Löwe  an  den  Staufer  die  Mitgift  seiner  Ehefrau,  Clementia  von
Zähringen,  den  Ort  Badenweiler  und  100  Ministeriale  (D  F  1  199,  S.  332  f.).  Büttner,
S.  480,  glaubt,  daß  Badenweiler  einen  Machtzuwachs  Friedrichs  I.  und  eine  „weitere
Enttäuschung“  fUr  den  Zähringer  bedeutete.  Allerdings  verdienen  neuere  Forschungen
Glauben,  wonach  Barbarossa  die  eingetauschten  Güter  sehr  wahrscheinlich  dem
Zähringerherzog  zurückgegeben  habe,  in  der  Hoffnung,  den  Zähringerherzog  dadurch
wegen  seiner  neuen  Burgundpolitik  zu  besänftigen;  siehe  dazu  ausführlich  W.  Haas,
Friedrich  Barbarossa  und  Heinrich  der  Löwe  beim  Tausch  von  Badenweiler  gegen
Reichsgut  am  Harz  (1158),  in:  ZGO  131  (NF  92),  1983,  S.  253-269.
681  J.  F.  Böhmer  -  C.  Will,  Regesta  Archiepiscoporum  Maguntinensium,  1.  Bd.,  Innsbruck
1877,  Nr.  110,  S.  376  ff.
682  Ebda.,  ohne  Nr.,  S.  378  ff.
683  MGH  Const.  I,  Nr.  108,  S.  161.
684  J.  F.  Böhmer  -  C.  Will,  Regesta  Archiepiscoporum  Maguntinensium,  2.  Bd..  Von
Konrad  I.  bis  Heinrich  II  1161-1288,  Nr.  1,  S.  1.

268
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.