Besitz der Grafen von Namur hätte gelangen können, bedingt durch ihre
geographische Nähe zu Namur, eine geradezu ideale Ergänzung für die Grafschaft
Namur gewesen. Man verdeutliche sich noch einmal die Situation im Jahre 1137
zum Zeitpunkt der Ausstellung der Urkunde Ermensindes: Ihr Sohn aus erster Ehe,
Hugo VII., ist schon seit 1123 tot, dessen Sohn, Hugo VIII., um 1123 geboren, wird
1137 noch puer genannt54*». Graf und Gräfin von Namur werden die Gelegenheit
für eine Abrundung ihres Territoriums als günstig erachtet haben. So finden auch
die Aktivitäten Ermensindes im Maasgebiet rund um Moha, welche wir aus ihren
Urkunden deutlich erkennen können, so nicht nur die Stiftungen von Floreffe und
Wanze, sondern auch die Schenkungen an Floreffe und an Flöne, eine sinnvolle
Erklärung. Dem Dagsburger Grafenhaus drohte also der Verlust von politischem
Einfluß an der Maas und vielleicht auch der Verlust der Grafschaft Moha, wie die
Titelwahl Ermensindes im Jahre 1137 nahelegt.
Hugo VIII. von Dagsburg und auch seine Mutter Gertrud haben die bedrohliche
Situation sicher erkannt und versucht, dieser für das Dagsburger Grafenhaus
negativen Entwicklung entgegenzusteuem. Darüber, wie die Auseinandersetzungen
am Ende der dreißiger Jahre verlaufen sind, schweigen die Quellen, vielleicht
bedingt durch die Jugend des Dagsburger Grafen. Erst Mitte der vierziger Jahre,
nach dem Tod Ermensindes im Jahre 1141546 547 und dem ihres Mannes, Gottfried von
Namur, zwei Jahre später548, zeigt sich meines Erachtens der Ausfluß dieser
Situation einerseits in der Fehde, welche der Sohn Ermensindes, Heinrich von
Namur, gegen deren Enkel, Hugo VIII., führte, und andererseits in Urkunden
Gertruds und ihres Sohnes für Floreffe und Flöne, die offensichtlich mit den
angesprochenen Urkunden Ermensindes von Namur korrespondieren und deutlich
spüren lassen, wie Hugo VIII. im Maasgebiet zwischen Namur und Lüttich in
Konkurrenz zu dem Grafenhaus von Namur getreten ist. So haben wir durch eine
Urkunde aus dem Jahre 1146 Kenntnis von einer Schenkung Hugos VIII. an die
Abtei Flöne549. Er übertrug der Abtei den conductum et tractum persone der Kirche
zu Antheit, versprach für sich und seine Nachfolger, auf jegliche Ansprüche
gegenüber dem Abt und dessen Nachfolgern zu verzichten, und übertrug zusätzlich
noch einige Hörige aus seiner familia in Moha550. Auch für zukünftige
546 Druck der Urkunde bei Würdtwhn, 7. Bd., Nr. 36, S. 96 ff.:... filius autem ipsius puer
Hugo videlicet et mater sua Gertrudis Comitissa ... (Zitat, ebda., S. 97); Regest:
RegBfeStr. I, Nr. 462, S. 322.
547 Siehe dazu oben, S. 72 mit Anin. 401 u. 402.
548 Siehe dazu oben, S. 72 mit Anm 401.
549 Original in Huy, AEH, abbaye de Flöne, boíte de chartes 1, n° 13; Druck der Urkunde
bei deMarneffe, Recherches, Nr. 4, S. 260 f.
550 Original in Huy, AEH, abbaye de Flöne, boTte de chartes 1, n° 13: Igitur notum sit
qualiter ego Hugo, comes de Dagsburc, conductum et tractum persone ecclesie de Antei,
que in allodio meo de Musae sita est, quod in manu mea libere tenebam, tradidi ecclesie
beati Mathe i de Flona, pro salute videlicet anime mee patrisque mei ac matris. Hoc
autem eis tali conditione concessi ut omnes abbates pre/ate Flonensis ecclesie, post
domnum Valterum predicti loci pastorem, cuius tempore hoc actum est, serialim sibi in
posterum succedentes, donum hoc tam a me quam a successoribus meis requirant, et
tam ego quam posteri mei sine alicuius ambitionis intuitu, sine ullius acceptatione vel
donatione pecunie, sine cuiuslibet occasionis obiectu, gratanter eis reddemus. ...
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