Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

an  Cluny540.  Die  Abtei  Flöne,  die  Stadt  Huy,  die  Orte  Wanze  und  Warnant  sind
alles  Örtlichkeiten  in  der  Umgebung  von  Moha.  Man  sieht  hieraus  ganz  deutlich,
daß  Ermensinde  in  der  Gegend  um  Moha  Besitzungen  hatte,  über  die  sie  auch
verfügte.  Diese  gehörten  ursprünglich  nicht  zum  luxemburgischen  Erbgut,  sondern
sie  sind  eindeutig  den  Besitzungen  ihres  ersten  Gatten,  Gral  Albert  I.  von  Dagsburg
und  Moha,  zuzuordnen.  Sie  hat  sie  vielleicht  als  Witwengut  zugesprochen
bekommen,  möglicherweise  aber  auch  aus  anderen  Gründen  beansprucht,  welche
nun  erörtert  werden  sollen.
Die  Urkunde  Ermensindes  für  Flöne  enthält  nämlich  einige  Details,  die  uns
weiterhelfen  könnten,  die  Motivation  für  die  Stiftungen  und  Schenkungen  durch
Ermensinde  zu  erklären.  Zudem  geben  sie  uns  die  Möglichkeit,  den  Hintergrund  der
politischen  Vorgänge  zu  erhellen,  die  in  der  dagsburgisch-namurischen  Auseinandersetzung
  gegen  Ende  der  vierziger  Jahre  mündeten.  Als  erstes  fällt  auf,  daß  sie
nicht,  wie  sonst  in  anderen  Urkunden,  den  T  itel  einer  Gräfin  von  Namur  trägt541,
sondern  sich  ausdrücklich  Gräfin  von  Moha  nennt542 543.
Betrachtet  man  zudem  noch  die  Zeugenreihe  in  der  Urkunde  Ermensindes  für
Flöne,  so  fällt  auf,  daß  einige  Zeugen  der  näheren  Umgebung  von  Moha
zuzuordnen  sind,  zum  Beispiel  Randulfus  et  Roulfus  de  Marneffia  und  Hugo  de
Vinaztnont$43'  Die  Erwähnung  dieser  Personengruppe  verdient  besondere
Beachtung,  denn  Hugo  von  Vinalmont  ist  auch  in  einigen  Urkunden  Hugos  VIII.
unter  den  Zeugen  zu  finden.  Dort  ist  er  eindeutig  der  familia  musacensi544
zugeordnet.  Hugo  von  Vinalmont  gehörte  also  ohne  Zweifel  zu  den  Ministerialen
des  Grafen  von  Moha.  Auch  ein  gewisser  Balduin  von  Marneffe,  wohl  ein
Nachkomme  Randulfs  oder  Rudolfs  von  Marneffe,  gehörte  der  familia  Hugos  VIII.
an545.  Wemi  aber  der  Grafschaft  Moha  zugehörige  Ministenale  als  Zeugen  in  einer
Urkunde  Ermensindes  fungieren,  zu  einem  Zeitpunkt,  als  sie  schon  längst  Gräfin
von  Namur  war  und  auch  in  Person  ihres  Enkels  Hugo  VIII.  ein  Graf  von  Moha
existierte,  wird  man  in  dem  Schluß  nicht  fehlgehen,  daß  Ermensinde  liier  bew  ußt
diesen  Titel  gewählt  hat,  um  somit  den  Anspruch  zu  verdeuüichen,  als  Gräfin  von
Moha  zu  amtieren.  Es  zeichnet  sich  als  politischer  Hintergrund  für  diese  Maßnahme
wohl  ein  Anspruch  Ermensindes  auf  die  Grafschaft  Moha  ab.  So  wird  sie
wahrscheinlich  versucht  haben,  die  Rechte  an  Moha,  möglicherweise  als
Witwengut,  in  ihre  zweite  Ehe  hinüber  zu  retten.  Das  ganze  Unterfangen  wird
vielleicht  noch  durch  ihren  zweiten  Ehemann,  Graf  Gottfried  von  Namur,  forciert
worden  sein,  denn  die  Grafschaft  Moha  wäre,  wenn  sie  in  der  Folgezeit  in  den

540  Druck  de  Marneffe,  Recherches,  Nr.  6,  S.  263.
541  So  z.  B.  in  folgenden  Urkunden:  undatierte  Urkunde  für  St.  Vanne,  Drucke:  H.  Bloch,
S.  Vanne,  2.  Teil,  Nr.  76,  S.  98-101;  Urkunde  von  1127  für  Floreffe,  Druck  bei  V.
Barbier,  Histoire,  II  éd.,  tom.  11,  Nr.  7,  S.  6  f.
542  Siehe  oben,  S.  245  mit  Anm.  536.
543  Original  in  Huy,  AEH,  abbaye  de  Dône,  boîte  de  chartes  1,  n°  6.
544  Urkunde  Hugos  VIII.  für  Flöne  aus  dem  Jahre  1146,  Original  in  Huy,  AEH,  abbaye  de
Flöne,  boîte  de  chartes  1,  n°  13,  und  Urkunde  Hugos  VIII.  von  1154,  Druck  bei  de
Marneffe,  Recherches,  Nr.  6,  S.  263.
545  Urkunde  Hugos  VIII.  aus  dem  Jahre  1154,  de  Marneffe,  Recherches,  Nr.  6,  S.  263.

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