Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim (31)

sogar, den Papst über die Mißstände in dessen Bistum zu informieren520. Im 
Spätsommer des darauffolgenden Jahres gelang es schließlich Wibald, einen 
Frieden zwischen den einzelnen Kontrahenten zustande zu bringen. So nennt 
Wibald in einem Brief vom 14. August 1148 an den Prior und den Konvent von 
Corvey, dem er ebenfalls als Abt Vorstand, als Entschuldigung für sein Fernbleiben 
und sein Verweilen in Stablo, daß er zwischen dem Grafen von Namur, dem Grafen 
von Loon und dem Grafen von Dagsburg, die miteinander in Fehde lagen, einen 
Frieden bis zum St. Remigiustag, das ist der 1. Oktober, gestiftet habe521. 
Was waren die Hintergründe für diese Fehde? Wilhelm Bemhardi und Félix 
Rousseau sehen die Fehde zwischen dem Grafen Heinrich von Namur, dem Grafen 
von Loon und dem Grafen von Dagsburg in einem größeren Zusammenhang und 
vermuten eine Verbindung zu der Fehde zwischen dem Vogt von Stablo, Graf 
Heinrich von Rupe, und dem Grafen Gottfried von Montaigu, die einen einst von 
Abt Wibald vermittelten Waffenstillstand gebrochen hätten522. Zu dieser 
Auseinandersetzung kam noch eine weitere hinzu, die sich mit ersterer verband. Der 
Vater Heinrichs des Blinden, Graf Gottfried von Namur, der den dem Kloster 
Stablo zugehörenden Ort Tourinne-la-Chaussée beansprucht hatte, mußte auf dem 
Hoftag zu Köln 1138 vor dem neuen König Konrad III. auf diesen Ort verzich¬ 
ten523. Ein gewisser Eustachius hatte nun Tourinne-la-Chaussée im Jahre 1147 
überfallen und besetzt. Dieser Überfall geschah, wie die Stabloer Mönche ihrem 
abwesenden Abt berichteten, auf Betreiben Heinrichs des Blinden von Namur, der 
im Reich die naturgemäß instabile Situation der Kreuzzugsjahre ausnutzte524 
520 wibaldi epistolae, Nr. 57, S. 134 f., Regest bei Wampach, Urkunden- und Quellenbuch, 
1. Bd„ Nr. 437, S. 611. 
521 Druck: Wibaldi epistolae, Nr. 101, S. 176: Ut autem, sciat vestra fraternitas, tempus 
nobis ociosum non preterisse, inter comitem Namucensem et comitem de lx>n et comitem 
de Dasburch, quorum discordia totam terram lacerebat, pacem Deo auctore usque in 
festo sancti Remigii fecimus. - Regest bei Wampach, Urkunden- und Quellenbuch, 1. 
Bd., Nr. 438, S. 611 f. 
522 Bernharde Konrad III., S. 695 f.; siehe dazu das Regest bei Wampach, Urkunden- und 
Quellenbuch, 1. Bd., Nr. 435; Rousseau, Henri l'Aveugle, S. 33 f.; Quelle dazu: Brief 
der Mönche von Stablo an ihren Abt Wibald, Druck: Wibaldi epistolae, Nr. 51, S. 129 f.: 
Nam treugae sive induciae, quae fide data ab advocato nostro et comite Gode(frido) et 
suis usque ad festum sancti Remigii servari et teneri debuerunt, mox in exitu vestro 
violatae sunt. Et nostra pene omnia ex utraque parte predis rapinis (incen)diis sunt 
distracta adeo usque, ut in nos tantutn et nostra tocius maliciae s ut mna recidat (Zitat, 
ebda., S. 130). 
523 Verzicht Gottfrieds von Namur auf Tourinne-ta-Chaussee und Bestätigung des 
Besitzrechtes an diesem Ort für Stablo durch Konrad 111. am 11. April 1138 zu Köln: D 
K III 5, S. 8-11: Quicquid eadem ecclesia ... sub nostre luitionis potestate immobiliter ei 
confirmamus et precipue villam Tornines, quam a dive memorie imperatore Ottone 
prefate ecclesie redditam Godefridus Natmicensis comes invaserat, sed d supradicto 
abbate in curia nostra Colonie super hoc proclamatus indicio principum nostrorum et 
precipue salicorum in manus nostras reddidit et refutavit nosque in manu abbatis per 
presentis privilegii paginam ad usus fratrum delegavimus (Zitat, S. 11); siehe auch 
Bernharde Konrad III., S. 695 . 
524 Wibaldi epistolae, Nr. 51, S. 129 f.: Ad cumulum quoque miseriarum nostrarum 
accessit, quod Eustachius villam nostram Tornines ex consensu Namucetisis comitis 
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