Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

sich  erst  1137,  sieben  Jahre  spätei483.  Die  Verwaltung  der  Besitzungen  während  der
Mindeijährigkeit  Hugos  VIII.  hat  vermutlich  seine  Mutter  Gertrud  übernommen,  ihr
politischer  Handlungsspielraum  wird  als  Grafenwitwe  jedoch  sehr  eingeschränkt
gewesen  sein.  So  tritt  sie  in  dieser  Zeit  lediglich  1137  in  Erscheinung,  als  sie
zusammen  mit  ihrem  Sohn  und  dem  Straßburger  Bischof  eine  Kapelle  in
Laubenheim  weihen  läßt,  die  noch  von  dem  Archidiakon  Bruno  von  Toul,  dem
Bruder  ihres  Schwiegervaters,  erbaut  worden  war4**4.  Eine  weitere  -  somit  dritte  -
Nennung  Hugos  VIII.  in  den  dreißiger  Jahren  muß  mit  einem  großen  Fragezeichen
versehen  werden,  denn  es  ist  unsicher,  ob  es  sich  bei  dem  in  der  im  Mai  1139  in
Straßburg  ausgestellten  Urkunde  Konrads  III.  in  der  Zeugenreihe  genannten  Grafen
Hugo  um  den  Dagsburger  Grafen  handelt485.  Straßburg  als  Ausstellungsort  des
Diploms  würde  zwar  in  diese  Richtung  weisen,  aber  es  gibt  in  jener  Zeit  noch  einen
Grafen  namens  Flugo,  der  im  Elsaß  aktiv  ist,  nämlich  Hugo  von  Vaudemont,  der
mit  Hugo  VIII.  blutsverwandt  ist486.
Erst  im  darauffolgenden  Jahrzehnt  sehen  wir  Hugo  VIII.  politisch  stärker  aktiv
werden.  So  tritt  Hugo  VIII.  in  den  vierziger  Jahren  mehrmals  als  Vogt  für  die  Abtei
Andlau  oder  als  Zeuge  in  Andlauer  Urkunden  in  Erscheinung4**7  und  in  Urkunden
für  die  Abteien  Flöne  und  Neufmoustier  im  Jahre  1146  sowie  als  Zeuge  in  einer
Urkunde  seines  Stiefsohnes,  Herzog  Gottfried  III.  von  Niederlothringen488.  Sicher

Hugo  von  Buchegg  zu  verwechseln,  der  jedoch  im  schweizerischen  Kanton  Solothurn
anzusiedeln  ist  (vgl.  D  Lo  III  24,  S.  35-38  u.  ebda.,  Register,  S.  263,  sowie  Böhmer-Petke,
  Nr.  217,  S.  135  f.  und  ebda,  Register,  S.  427)
483  Für  1137  können  wir  zwei  Nennungen  Hugos  VIII.  vorweisen.  Zum  einen  eine  Urkunde
zur  Weihe  einer  Kapelle  in  Laubenheim  (Druck  bei  Würdtwein,  7.  Bd.,  Nr.  36,  S.  96-98,
  Zitat,  S.  96  f.  -  RegBfeStr.  I,  Nr.  462,  S.  322;  siehe  auch  unten  im  Kap.  'Besitzungen'
den  Art.  'Laubenheim'),  zum  anderen  eine  Urkunde  des  Abtes  Meinhard  von  Maursmünster,
  in  der  Hugo  VIII.  als  Vogt  der  Abtei  Hesse  fungiert  (Strasbourg,  AD  BR,  H
609,  n°  5;  siehe  auch  unten  im  Kap.  'Vogteien'  die  Art.  'Hesse'  und  'St.  Quirin').
484  Siehe  Anm.  483.
485  Drude  D  K  III  25,  S.  41  f.:  ...  comite  Hugone.
486  Zur  Verwandtschaft  zwischen  den  Grafen  von  Dagsburg  und  den  Grafen  von  Vaudemont
  siehe  oben,  S.  74-77.  Der  mit  beiden  Grafen  ebenfalls  blutsverwandte  Graf  Hugo
von  Metz  kommt  hier  nicht  in  Betracht,  da  er  erst  1142  nachzuweisen  ist.  Siehe  dazu
Parisse,  Noblesse  et  chevalerie,  Tafel  Nr.  58,  S.  409.
487  Urkunde  das  Propstes  Konrad  von  Etival,  abgedruckt  bei  Würdtwein,  7.  Bd.,  Nr.  19,  S.
47  ff.,  in  der  Hugo  im  Eschatokoll  als  Vogt  von  Andlau  genannt  wird.  Die  Urkunde  ist
datiert  auf  1121,  was  unmöglich  stimmen  kann.  Sie  ist,  falls  sie  überhaupt  echt  ist,
zwischen  März  1138  und  24.  September  1143  ausgestellt.  Zu  der  Urkunde  siehe  unten,
im  Kap.  'Vogteien'  den  Art.  'Andlau'.  -  Zeuge  in  einer  Urkunde  der  Äbtissin  von  Andlau
vom  7.  Mai  1144,  abgedruckt  bei  Würdtwhn,  7.  Bd.,  Nr.  51,  S.  134  f.;  weiterer  Druck
bei  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  I,  Nr.  276,  S.  230  f.,  der  1145  als  Ausstellungsjahr
hat.  -  6.  September  1147:  Er  wird  als  Andlauer  Vogt  in  dem  Privileg  von  Papst  Eugen
III. für  Etival,  abgedruckt  bei  Eugenii  III  Romani  pontificis  epistolae  et  privilegia,  1.
Bd.,  MPL  180,  Sp.  1274-1278,  genannt.  Regest:  JaffE-Löwenfeld,  Nr.  9128.
488  Urkunde  für  Flöne:  Original  in  Huy,  AEH,  abbaye  de  Flöne,  boTte  de  chartes  1,  n°  13  -
Urkunde  für  Neufmoustier:  Original  in  Huy,  AEH,  abbaye  de  Neufmoustier,  boite  de
chartes  1,  n°  4  -  Urkunde  Gottfrieds  III.  für  das  Priorat  Frasnes  lez-Gosselies,  bei  de
Marneffe,  Cartulaire  d'Afflighem,  Nr.  80,  S.  124  f.;  vgl.  unten,  S.  240  mit  Anm.  509  u.
S.  247  f.  mit  den  Anm.  549,  550  u.  552.

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