Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Grafen  von  Naniur  zu  verlieren448.  Schließlich  verstärkte  sich  in  der  Generation  der
beiden  Söhne  Hugos  VIII.,  Hugo  IX.  und  Albert  II.,  das  Engagement  der
Dagsburger  Grafen,  als  sich  die  falcones  de  Daburc449  im  Maasgebiet  selbst  aktiv
territorial  politisch  massiver  betätigten  und  später,  nach  dem  Tod  Hugos  IX.,  alleinig
Albert  II.  immer  wieder  an  den  häufigen,  ebenfalls  territorialpolitisch  motivierten
Auseinandersetzungen  der  verschiedenen  niederlothringischen  Dynasten  beteiligt
war.
Ein  wirtschafts-  und  handelspolitischer  Aspekt  soll  noch  erwähnt  werden,  der
möglicherweise  eng  mit  der  Übernahme  des  Gebietes  von  Moha  durch  die
ursprünglich  im  Elsaß  und  im  elsässisch-oberlothringischen  Grenzgebiet  beheimateten
  Grafen  von  Dagsburg-Egisheim  zusammenhängt:  die  Einführung  elsässischen
Weines  im  Maasgebiet.  Diese  These  hat  Jules  Herbillon  aufgestellt,  der  sie  damit
begründet,  daß  sich  in  der  Gegend  um  Moha  und  Huy  bis  fast  ins  19.  Jahrhundert
eine  Maßeinheit  für  alkoholische  Getränke  erhalten  hat,  der  sogenannte  pot
d'Dabor,  also  das  sogenannte  dagsburgische  Maß,  das  augenscheinlich  eng  mit  dem
Weinhandel  in  dieser  Gegend  zu  tun  hatte  und  von  den  Dagsburger  Grafen  als
Maßeinheit  eingeführt  wurde450.  Es  ist  gut  denkbar,  daß  die  Annahme  von
Herbillon  zutrifft  und  die  Dagsburger  Grafen  die  Initiatoren  für  den  Handel  mit
elsässischen  Weinen  im  ösüichen  Niederlothringen  gewesen  sind.

Albert  I.  und  die  Besitzungen  um  Longwy
Bedingt  durch  die  relativ  wenigen  Quellen  zu  Albert  I.,  erfahren  wir  nicht  viel  von
seinen  territorialpolitischen  Aktivitäten.  Allerdings  sind  wir  über  seine  politischen
Bemühungen  in  einem  Teil  seiner  Besitzungen  durch  Dokumente,  die  das  Kloster
St.  Vanne  bei  Verdun  betreffen,  unterrichtet.  Es  handelt  sich  dabei  um  Besitzungen
Alberts  I.  im  oberlothringischen  Longwy  und  in  dessen  Umgebung.  In  dieser
Gegend  nordwestlich  von  Metz  lassen  sich  vor  der  Zeit  Alberts  I.  keine
dagsburgischen  Besitzungen  nachweisen,  diese  sind  von  seiner  zweiten  Gemahlin,
Ermensinde  von  Luxemburg,  mit  in  die  Ehe  gebracht  worden.  Albert  hat  wohl
versucht,  diese  neu  zu  seinen  ererbten  Ländereien  hinzugekommenen  Güter  nicht
nur  als  Streubesitz  zu  betrachten,  der  zu  seinen  übrigen  Besitzungen  in  keine
besondere  Verbindung  zu  bringen  ist,  sondern  sie  als  -  wenn  auch  kleine,  so  doch
selbständige  -  Einheit  aufzufassen.  Einen  ersten  Anhaltspunkt  dafür  zeigt  uns  der
Umstand  an,  daß  er  z.  B.  von  den  Mönchen  von  St.  Vanne  in  einem  -  allerdings
nach  seinem  Tod  abgefaßten  -  Brief  an  den  Papst  als  Graf  von  Longwy  bezeichnet
wurde451,  in  dem  übrigens  auch  berichtet  wird,  daß  er  der  Vogt  von  Baslieux
war452.  Zudem  konnten  diese  Besitzungen  als  ein  erster  Schritt  auf  dem  Wege  hin

448  Siehe  dazu  unten  das  Kap.  'Die  Fehde  mit  dem  Grafen  von  Namur'.
449  Albrici  monachi  Triumfontium  Chronicon,  MGH  SS  XXIII,  S.  893.
450  Herbillon,  Le  Comté,  S.  174-178.
451  Siehe  den  Brief  der  Mönche  von  St.  Vanne  an  Papst  Honorius  II.,  abgedruckt  bei  H.
Bloch,  S.  Vanne,  2.  Teil,  Nr.  78,  S.  102  f.:  ...  Alberto  comiti  de  Lonwy\  vgl.  unten  in
dem  Kap.  'Besitzungen1  den  Art.  'Longwy'.
452  Ebda

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