Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Die  Erwerbung  der  Grafschaft  Moha
Die  Heirat  Heinrichs  I.  von  Dagsburg-Egisheim  mit  der  Erbtochter  Alberts  von
Moha  und  die  damit  verbundene  Erwerbung  des  Gebietes  um  Moha  im  Maasgebiet
bedeutete  eine  neue  Perspektiven  eröffnende  Erweiterung  der  dagsburgisehen  Güter
in  einem  Gebiet,  in  dem  die  Grafen  vorher  nicht  präsent  waren.  Dieser  territoriale
Zugewinn  hat  der  Familie  in  der  Folgezeit  mit  dem  Maasgebiet  ein  neues  territorialpolitisches
  Betätigungsfeld  erschlossen,  in  dem  man  die  Grafen  von  Dagsburg  vor
allem  im  12.  und  beginnenden  13.  Jahrhundert  aktiv  werden  sieht.
Das  in  den  Quellen  ab  dem  11.  Jahrhundert  als  Grafschaft  von  Moha  betitelte
Gebiet  war  im  Süden  vom  Lauf  der  Maas  begrenzt.  Die  Westgrenze  bildete  die
Grafschaft  Namur,  im  Norden  stieß  sie  an  die  Grafschaft  Avemas  und  im  Osten  an
die  bischöfliche  Grafschaft  Huy422.  Die  Herrschaft  umfaßte  neben  dem  Hauptort
Moha  noch  die  Orte  Aineffe,  Antheit,  Borlez,  Couthuin,  Dreye,  Héron,  Huccorgne,
Java,  Lamalle,  Lamontzée,  Lavoir,  Mameffe,  Oha,  Oteppe,  Reppe,  Tourinne-la-Chaussée,
  Vinalmont,  Vissoul,  Waleffe,  Wanze,  Wäret-l'Évêque  und  Wr  amant423.
Eine  Frage,  die  den  Status  des  Gebietes  betraf,  hat  die  Forschung  lange  beschäftigt.
War  das  Gebiet  um  Moha  im  11.  Jahrhundert,  bevor  es  an  die  Dagsburger  Grafen
fiel,  lediglich  eine  Herrschaft  und  bekam  es  von  den  neuen  Inhabern  sozusagen
stillschweigend  den  Grafschaftstitel  -  weil  diese  neuen  Inhaber  eben  Grafen  waren  -
oder  bildete  es  vor  dem  Erbanfall  an  die  Dagsburger  schon  eine  Grafschaft?  Die
Forschung  im  19.  Jahrhundert  mit  Joseph  Daris  ging  davon  aus,  daß  die  Grafschaft
Moha  sich  aus  einem  ursprünglich  großen  Allodialbesitz  gebildet  hatte,  bevor  die
Dagsburg-Egisheimer  Grafen  sie  erbten424.  Léon  Vanderkindere  hat  im  2.  Band
seines  Buches  „La  formation  territoriale  des  principautés  Belges  au  moyen  âge“  die
These  aufgestellt,  daß  das  Gebiet  um  Moha  vor  der  Übernahme  durch  die
Dagsburger  Grafen  lediglich  eine  Herrschaft  gewesen  sei425.  Vanderkindere
begründet  seine  Annahme  so,  daß  Albert  II.  von  Dagsburg  in  seinen  1204
geschlossenen  Erbschaftsvereinbarungen  mit  dem  Lütticher  Bischof  und  mit
Herzog  Heinrich  von  Niederlothringen  Moha  und  das  dazugehörende  Waleffe
lediglich  als  sein  Allod  und  nicht  als  Grafschaft  bezeichnete42^  Zudem  stützt  sich
Vanderkindere  auf  zwei  LTkunden,  die  erste  aus  dem  Jahre  1031427  und  eine
zweite,  undatierte,  zwischen  1040  und  1044  ausgestellte428,  in  denen  der  erste  uns
bekannte  Inhaber  von  Moha  im  11.  Jahrhundert,  Albert,  sich  lediglich  als  Albert

422  Siehe  dazu  die  Karte  bei  DE  Marneffe,  Recherches,  vor  S.  229.
423  Siehe  dazu  die  Zusammenstellung  bei  de  Marneffe,  Recherches,  S.  232  f.;  zu  den
einzelnen  Orten  siehe  unten  das  Kap.  'Besitzungen'.
424  Daris,  Moha,  S.  259.  Dieser  Auffassung  hat  sich  de  Marneffe,  Recherches,  S.  229,
angeschlossen.
425  Vanderkindere,  La  formation,  2.  Bd.,  S.  130  u.  151  f.
426  Siehe  im  Anhang,  Urkunde  Nr.  13.
427  Die  Urkunde  ist  abgedruckt  bei  MiRiEUS  u.  Foppens,  Opera,  2.  Aufl.,  2.  Bd.,  S.  809  f.:
Testes,  scribere,  judicavi  quorumdam  majorutn  tiomina  subnotare  ...  De  Laicis  ...
Albertum  de  Musal  (Zitat,  ebda,  S.  810);  weiterer  Druck  bei  Fisen,  Historia,  S.  318.
428  Urkunde,  abgedruckt  bei  Beyer,  Urkundenbuch,  1.  Bd.,  Nr.  324,  S.  377  f.

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