Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

schmachvoll  davongetrieben  haben397.  Durch  diese  Niederlage  dürften  sich  auch
die  Schwierigkeiten  des  Bischofs  mit  dem  Straßburger  Domkapitel  verstärkt
haben398.  Für  das  nächste  Jahr  erfährt  man  aus  den  Quellen  nichts  von  weiteren
Auseinandersetzungen  zwischen  den  Kontrahenten,  es  werden  aber  sicher  Kämpfe
stattgefunden  haben.  Der  militärische  Druck  des  Straßburger  Bischofs  und  seiner
Verbündeten  scheint  so  zugenommen  zu  haben,  daß  Hugo  VI.  anscheinend
gezwungen  wurde,  das  Elsaß  für  einige  Zeit  zu  verlassen,  denn  für  das  Jahr  1088
berichtet  uns  Bernold  von  St.  Blasien,  daß  Hugo  von  Egisheim  ins  Elsaß  eingedrungen
  sei,  um  seinen  Feinden  entgegenzutreten  und  das  Elsaß  zu  besetzen399.
Welchen  Verlauf  die  Kämpfe  genommen  haben,  läßt  sich  heute  nicht  mehr
ermitteln.  Die  Lage  schien  sich  aber  zunächst  für  Hugo  VI.  günstig  zu  entwickeln,
denn  Hermann  von  Salm,  der  seine  Aktivitäten  auf  Sachsen  beschränkt  hatte,  mußte
dort  dem  Druck  Heinrichs  IV.  nachgeben  und  aus  Sachsen  weichen400.  Er  zog  sich
nach  Lothringen,  sozusagen  in  sein  Stammland,  zurück401.  Die  sich  für  Hermann
nicht  günstig  entwickelnde  Situation  hat  aber  andererseits  paradoxerweise  das
militärische  Geschehen  zwischen  Hugo  VI.  und  Bischof  Otto  von  Straßburg
insofern  beeinflußt,  da  Hugo  in  räumlicher  Nähe  gewissermaßen  ein  Kampfgenosse
zur  Seite  getreten  ist402.  Im  September  1088  starb  jedoch  Hermann  von  Salm  bei
der  Belagerung  einer  Burg  in  Ixithringen403,  Hugo  fehlte  ab  diesem  Zeitpunkt  ein
wichtiger  Bundesgenosse.  Die  beiden  Kriegsparteien  dürften  nach  der  mehrere
Jahre  währenden  Auseinandersetzung  auch  erschöpft  gewesen  sein,  denn  im  Herbst
1089  waren  beide  Parteien,  Hugo  VI,  und  Bischof  Otto,  zu  einem  Friedensschluß
bereit404.  Allerdings  folgte  umnittelbar  darauf  für  das  Egisheimer  Grafenhaus  die
Katastrophe.  Beim  Versöhnungstreffen  der  beiden  ehemaligen  Kontrahenten  in
einem  bischöflichen  Gebäude  in  der  Straßburger  Vorstadt,  angeblich  am  4.  oder  5.
September  1089,  wurde  Gral'  Hugo  VI.  mit  einigen  seiner  Gefolgsleute  nach  dem

397  Chronicon  Mediani-monasterii  authore  Joanne  de  Bayon,  lib.  II,  cap,  83,  col.  232;  vgl.
dazu  RegBfeStr.  I,  Nr.  340,  S.  291  f.;  zur  schmachvollen  Vertreibung  Ottos  vgl.  auch
Grandidier,  Œuvres,  2.  Bd.,  S.  143  u.  Scherer,  Straßburger  Bischöfe,  S.  91.
398  Daß  sich  oppositionelle  Kräfte  im  Domkapitel  gegen  Bischof  Otto  formiert  hatten,
verdeutlicht  die  Anrede  an  den  Straßburger  Propst  Adalbert  durch  Bernoid  von  St.
Blasien  in  dessen  Brief  an  den  Propst:  Domino  ac  cautissitno  auctoritatis  astipulatori
Adelberto  Argentinensi  preposito,  non  tarn  mente  quam  corpore  super  ollas  carnium
Egypti  collocato,  Bernaldus  presbyter  ulinam  solo  corpore  infirmus  (Libelli  Bernardi
presbyteri  monachi,  MGH,  Libelli  de  lite  II,  101);  vgl.  RegBfeStr.  I,  Nr.  338;  Scherer,
Straßburger  Bischöfe,  S.  92,  vermutet,  daß  es  nach  der  Niederlage  des  Bischofs  gegen
Hugo  VI.  Pläne  im  Domkapitel  gab,  den  Bischof  endgültig  zu  vertreiben;  neuerdings
dazu  ausführlich  Seiler,  Territorialpolitik,  S.  101-104.
399  Bemoldi  Chronicon,  MGH  SS  V,  ad  1088,  S.  447:  Ugo  comes  de  Egenesheim  Alsatiam
iam  diu  ab  inimicis  occupatum  invasit,  et  sibi  recuperare  temptavit.
400  Siehe  Wampach,  Urkunden-  und  Quellenbuch,  1.  Bd.,  Nr.  307,  S.  457  ff.
Ebda
402  Ähnlich  auch  Scherer,  Straßburger  Bischöfe,  S.  93.
403  Zum  Tod  Hermanns  von  Salm  siehe  die  Quellenbelege,  zusammengetragen  bei
Wampach,  Urkunden-  und  Quellenbuch,  1.  Bd.,  Nr.  3037,  S.  457  ff.
404  Chronicon  Mediani-monasterii  authore  Joanne  de  Bayon,  lib.  II,  cap.  83,  col.  231  f.;  vgl.
RegBfeStr.  I,  Nr.  342,  S.  292;  vgl.  Scherer,  Straßburger  Bischöfe,  S.  94.

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