Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

gegenüber  etwas  indifferenten  Grafen  Konrad  unter  Initiative  seiner  Witwe  und
vielleicht  auch  seines  Sohnes  und  Nachfolgers,  Heinrich  III.  von  Luxemburg,  die
politische  Linie  ganz  klar  gegen  Heinrich  IV.  gerichtet  war380  und  eine  Verbindung
mit  dem  ebenfalls  gegen  Heinrich  IV.  eingestellten  Haus  der  Grafen  von  Dagsburg-Lgisheim
  gesucht  wurde.  Vermutlich  wurde  die  Ehe  zwischen  Albert  I.  von
Egisheim  und  Ermensinde  von  Luxemburg  nach  1086,  dem  Todesjahr  Konrads  I.,
und  vor  1095/1096,  der  Regierungsübernahme  im  Luxemburger  Haus  durch  den
Grafen  Wilhelm381,  geschlossen.  Da  sich  der  Termin  der  Eheschließung  nicht
genauer  eingrenzen  läßt,  muß  es  aber  letztendlich  offenbleiben,  ob  die  Parteinahme
Hugos  VI.  für  den  Gegenkönig  aus  der  Eheverbindung  beider  Häuser  herrührte,
oder  ob  umgekehrt  sich  aus  der  Parteinahme  Hugos  VI.  für  die  Sache  des
Gegenkönigs  die  Heirat  zwischen  den  Mitgliedern  beider  Häuser  ergab.
Die  eben  genannten  Umstände  stellen  allerdings  nur  zwei  mögliche  Beweggründe
für  die  Abwendung  des  egisheimischen  Grafenhauses  von  ihren  Verwandten,  den
Saliern,  dar.  Ein  weiterer  wichtiger  Aspekt,  weswegen  sich  die  Grafen  auf  die
päpstliche  bzw.  fürstlich-oppositionelle  Seite  gestellt  haben,  dürfte  aus  einem
machtpoliüschen  Gegensatz  zwischen  ihnen  und  den  salischen  Königen  resultieren,
der  sich  im  I^aufe  des  Investiturstreites  herauskristallisiert  hatte,  und  der  ebenfalls
im  Zusammenhang  mit  den  Kämpfen  des  Königs  im  Reich  mit  der  gegen  seine
Herrschaft  gerichteten  Fürstenopposition  steht.  Im  Kampf  mit  dieser  Opposition
und  dem  Gegenkönig  Rudolf  von  Rheinfelden  setzte  Heinrich  IV.  im  süddeutschen
Raum  verstärkt  auf  die  in  dieser  Zeit  aufstrebende  Adelsfamilie  der  Staufer.  Rudolf
von  Rheinfelden,  der  seinem  Sohn  das  Herzogtum  Schwaben  übertragen  hatte382,
verheiratete,  um  die  mächtige  südwestdeutsche  Familie  der  Zähringer  auf  seine
Seite  zu  ziehen,  im  Jahre  1079  seine  Tochter  mit  dem  Zähringer  Berthold  II.383  Der
in  arge  Bedrängnis  geratene  Heinrich  IV.  gab  im  selben  Jahr,  als  Gegenzug  zu  der
Maßnahme  Rudolfs  von  Rheinfelden,  Friedrich,  dem  Sohn  des  Staufers  Friedrich

permissu  Dei  Henrico  tyranno  damnato  ac  piae  memoriae  Gregorio  Pontifice  romano.
Obiit  autem  VI.  Idus  Augusti  anno  dominicae  incarnationis  MLXXXV1,  nicht  genannt
werden  die  Töchter  und  der  Sohn  namens  Wilhelm;  vgl.  auch  Twellenkamp,  Haus,  S
492.
380  Über  die  Regierungszeit  des  Grafen  Heinrich  III.  von  Luxemburg  ist  kaum  etwas
bekannt.  Renn,  Grafenhaus,  S.  165,  vermutet,  daß  Heinrich  ein  Anhänger  des  Saliers
war,  weil  er  mit  einem  Parteigänger  Heinrichs  IV.,  Erzbischof  Engilbert  von  Trier,  einen
Vergleich  geschlossen  hatte.  Diese  Schlußfolgerung  ist  aber  nicht  zwingend.  Er
übersieht  dabei  den  antisalischen  Text  der  Bleitafel  in  Graf  Konrads  Grab,  den  Heinrich
durch  seine  Nennung  im  Text  quasi  sanktioniert  hat  und  der  für  eine  Gegnerschaft  des
Luxemburgers  zu  Heinrich  IV.  spricht.  Twellenkamp,  Haus,  S.  496  f.,  läßt  die
politische  Haltung  Heinrichs  offen.  Der  Nachfolger  Heinrichs,  sein  Bruder  Wilhelm,
hingegen  war  ein  Anhänger  Heinrichs  IV.  (Twellenkamp,  Haus,  S.  497).
381  Wampach,  Urkunden-  und  Quellenbuch,  1.  Bd.,  Nr.  316,  S.  472.
382  Ottonis  et  Rahewini  Gesta  Friderici  I  imperatoris,  lib.  I.,  cap.  7,  S.  23.
383  Bertholdi  Annales,  ed.  G.  H.  Pertz,  MGH  SS  V,  S.  320,  ad  1079:  His  quoque
postpascalibus  diebus  Bertholdus  marchio,  ducis  Bertholdi  filius,  spectabilis  multumque
liberalis  adolescens,  et  omnifaria  morum  honestate  strennue  se  et  satis  virtuose  agens,
uxorem  sibi  accepit  Agnetem,  Roudolfi  regis  filiam,  et  ipsam  admodum  in  suis  omnibus
non  minus  marito  virtuosen.

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