Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Obwohl  sich  Gregor  VII.  in  dem  Streit  um  die  Woffenheimer  Vogtei  gegen  ihn
ausgesprochen  hatte,  sehen  wir  Hugo  VI.  einige  Jahre  später,  nach  Ausbruch  des
Investiturstreites,  als  indefessus  miles  Sancti  Petrß66  auf  der  päpstlichen  Seite.  Dies
ist  umso  erstaunlicher,  als  ihm  der  Papst  doch  immerhin  den  Kirchenbann
angedroht  hatte.  Anscheinend  hatte  sich  nach  1074  die  politische  Situation  derart
verändert,  daß  für  Hugos  Entscheidung,  sich  gegen  Heinrich  IV.  auf  die  Seite  des
Papstes  zu  stellen,  Gründe  von  politisch  größerer  Tragweite  ausschlaggebend
gewesen  sein  mußten.  Versuchen  wir  im  folgenden,  diese  für  Hugo  VI.
entscheidungsrelevanten  Beweggründe  zu  erkennen.
Einer  der,  wenn  auch  nicht  primär  ausschlaggebenden  Gründe  für  die  Verschlechterung
  der  Beziehungen  zwischen  der  Familie  der  Dagsburg-Egisheimer  Grafen  und
den  Saliern  dürfte  der  Konflikt  Heinrichs  IV.  mit  dem  Papsttum  sein,  da
bekanntlich  die  Familie  der  Dagsburg-Egisheimer  in  Papst  Leo  IX.  den  ersten
Repräsentanten  des  Reformpapsttums  gestellt  hatte.  In  Leo  IX.  sali  der  Dagsburg-Egisheimer
  Familienverband  in  der  Folgezeit  seinen  herausragendsten  Vertreter,  der
als  einer  der  Naclifolger  des  Apostels  Petrus  im  der  Spitze  der  Kirche  gestanden
hatte366 367.  Aus  diesem  Bewußtsein  heraus  dürfte  sich  in  dieser  Zeit  bei  den
Dagsburg-Egisheimer  Grafen  automatisch  eine  Affinität  zu  dem  Refonnpapsttum
und  seinen  weiteren  Zielen  eingestellt  haben.  Allerdings  kann  man  nicht  immer
tremien  zwischen  den  Anhängern  des  Reformpapsttums  und  den  Zielen  der
Fürstenopposition  gegen  Heinrich  IV.  Papsttum  und  Fürstenopposition  verfolgten
aus  teilweise  unterschiedlichen  Beweggründen  den  Sturz  Heinrichs  IV.  Die  Quellen
differenzieren  in  dieser  Hinsicht  wenig,  so  daß  nicht  unbedingt  aus  ihnen
hervorgeht,  welche  Beweggründe  bestimmte  Personen  hatten,  sich  der  Opposition
gegen  den  Salier  anzuschließen.  Der  Dagsburger  Gral’  Hugo  VI.  wird  zwar  als
Anhänger  des  Reformpapsttumes  bezeichnet368,  dies  stellt  aber  die  Sichtweise  des
Autors  der  Quelle  dar,  in  diesem  Falle  diejenige  Bemolds  von  St.  Blasien.  Hugo  VI.
könnte  durchaus  andere  Motive  gehabt  haben,  sich  den  Gegnern  des  Saliers
anzuschließen.  Man  kann  erst  an  Hand  weiterer  Quellen  oder  bestimmter  Umstände
erkennen,  welche  Gründe  für  die  Parteinahme  des  Grafen  in  Frage  kommen
könnten.  Als  Weiteres  fällt  auf,  daß  sich  Aktivitäten  und  eine  Parteinahme  des
Egisheimer  Grafen  in  den  Quellen  nicht  schon  gegen  Ende  der  siebziger  Jahre
nachweisen  lassen,  sondern  erst  ab  circa  der  Mitte  der  achtziger  Jahre  des  11
Jahrhunderts369,  also  zu  einer  Zeit,  als  Heinrich  IV.  int  Reich  die  Situation
allmählich  wieder  unter  seine  Kontrolle  bekam  und  die  Adelsopposition  schon  sehr

intelleximus.  Quod  si  et  vos  ita  esse  cognoveritis,  ex  parte  beati  Petri  et  nostra
apostolica  vestra  etiam  episcopali  auctoritate  Hugoni  interdicite,  ne  ulterius  ullo  modo
de  eadem  advocatia  se  intromittat  neque  monasterium  aut  bona  eius,  cuiuscunque  modi
sint,  aliqua  lesione  vel  contrarietate  impetat.  Alioquin  sciat  se  apostolici  gladii  ictum
nullatenus  evadere  posse  et  non  solum  a  gratia  beati  Petri,  sed  a  cotnmunione  totius
ecclesie  iudicio  sancti  Spiritus  et  apostolica  sententia  excommunicatum  ac
condemnatum  penitus  separari.
366  Siehe  unten,  Anm.  390.
367  Vgl.  neuerdings  das  Kurzportrait  Leos  IX.  bei  Frech,  Päpste,  S,  309  ff
368  Siehe  unten,  Anm.  390.
369  Siehe  dazu  unten,  S.  219-224.

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