Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Wann  diese  Verschlechterung  eintrat,  kann  nicht  mit  Bestimmtheit  angegeben
werden,  weil  uns  Nachrichten  über  das  Verhältnis  beider  Familien  aus  der  Zeit  der
Minderjährigkeit  und  den  Anfängen  der  selbständigen  Regierung  Heinrichs  IV.
fehlen.  Einzig  von  einem  ersten  politischen  Zusammentreffen  zwischen  Heinrich
IV. während  dessen  Minderjährigkeit  und  dem  Sohn  Hugos  V.  von  Dagsburg-Egisheim,
  Graf  Heinrich  I.,  erhalten  wir  Zeugnis  durch  eine  in  Speyer  ausgestellte
Urkunde  vom  15.  Oktober  1059,  in  der  die  Schlichtung  eines  schon  längere  Zeit
schwelenden  Streites  zwischen  dem  Straßburger  Bischof  Hermann/Hezelinus  und
Graf  Heinrich  I.  von  Dagsburg-Egisheim  durch  Heinrich  IV.  beurkundet  wird,
welcher  angeblich  schon  unter  Kaiser  Heinrich  III.  verhandelt  worden  sei354.  Der
Streit  hatte  sich  um  die  Rechte  an  einem  Wildbann  entzündet,  der  im  elsässischen
Nordgau  in  der  Grafschaft  Heinrichs  I.  lag355  und  den  einst  im  Jahre  1017  Kaiser
Heinrich  II.  dem  Straßburger  Bistum  verliehen  hatte356.  Der  junge  Salierkönig
Heinrich  IV.  wies  nun  diesen  Wildbann  nach  einem  längeren  Streit  zu  zwei  Dritteln
dem  Straßburger  Bischof  und  zu  einem  Drittel  dem  Grafen  im  Nordgau  zu357.  Man
kann  berechtigterweise  annehmen,  daß  der  Graf  mit  einem  solchen  Urteilsspruch
nicht  gerade  zufrieden  war.  Ob  diese  Zurücksetzung  seiner  Ansprüche  sich
nachhaltig  auf  sein  Verhältnis  zu  Heinrich  IV.  ausgewirkt  hat,  läßt  sich  mangels
Quellen  nicht  erkennen.  Ab  1064  ist  schon  der  Sohn  von  Graf  Heinrich  I  .,  Gerhard
IV.,  als  Graf  im  Nordgau  nachweisbar358.  Gerhard  IV.  ist  anscheinend  nicht  in
näheren  Kontakt  zu  Heinrich  IV.  getreten.  Er  wird  lediglich  in  zwei  Diplomen  des
Saliers  als  Inhaber  der  Grafschaft  im  elsässischen  Nordgau  genannt,  in  der  die
Besitzungen  liegen,  die  der  König  zum  einen  an  den  Grafen  Eberhard  von

354  D  H  IV  59,  S.  75  ff.;  RegBfeStr.  I,  Nr.  284,  S.  278.  Es  hat  sich  kein  Diplom  Heinrichs
III. in  dieser  Sache  erhalten;  vgl.  dazu  die  Vorbemerkung  zu  D  H  IV  59,  S.  76;  vgl.  auch
Böhmer-  Struve,  Nr.  174,  S.  71.
355  D  H  IV  59,  S.  75  ff.:  ...  id  est  a  villa  Ottonis  que  dicitur  Ottenrode  et  per  rivolum
Argenza,  qui  ipsam  villam  praeterlabitur,  sursum  ex  una  parte  usque  ad  caput  eius  et
inde  usque  ad  Widenstrout,  inde  autem  per  stratam  quandam  dextrorsum  in  Floudelen
locum  et  hinc  iterum  sursum  in  montem  Milcenwanc,  inde  iterum  ad  rivolum  quendam
Rotaha  et  hinc  insuper  usque  ad  Bruscham,  dehinc  etiam  ubi  Wihcaha  Bruscham
ßuvium  alluit,  ab  dextra  rursum  parte  in  montem  qui  dicitur  Magenachere  et  sic  per
totius  montis  cacumen  usque  ad  Stillebach  fluvium  deorsum  et  tunc  demum  per  ipsius
rivuli  declivem  cursum  usque  in  villam  que  dicitur  Dinzingen  (Zitat,  S.  76  f.);  zur
Grenzziehung  siehe  J.  Fritz,  Das  Territorium  des  Bisthums  Strassburg  um  die  Mitte  des
XIV.  Jahrhunderts  und  seine  Geschichte,  Köthen  1885,  S.  33  f.,  Anm.  3.
356  D  H  II  367,  S.  469;  vgl.  Böhmer-Graff,  Nr.  1903,  S.  1048  f.  u.  RegBfeStr.  I,  Nr.  226,
S.  265  f.
357  D  H  IV  59,  S.  75  ff.:  ...  wiltbannum  super  ipsum  prenominate  Strasburgensis  ecclesie
fores  tum,  unde  lis  oborta  est,  in  pago  autem  Alsacia  et  in  comitatu  predicti  Heinrici
comitis  ...  eidem  episcopo  H.  suisque  successoribus  in  proprium  dedimus  atque
tradidimus,  ea  videlicet  ratione  ut  praefatus  episcopus  omnesque  sui  successores  duas
partes  eiusdem  wiltbanni  atque  totius  utilitatis  ullo  modo  inde  provenientis  haberent  et
ad  usum  sue  ecclesie,  quoque  modo  si  placuisset,  accomodarent,  tertiam  vero  partem
predictus  comes  Heinricus  proprie  et  potestative  obtineret  (Zitat,  S.  76  f  ).
358  1064  in  D  H  IV  126,  S.  164  f.  Explizit  als  Inhaber  der  Grafschaft  im  Nordgau  wird  er
1065  in  D  H  IV  152,  S.  196  f.  genannt:  ...  in  comitatu  Gerhardt  comitis  in  pago
Nortcowe  sitas  (Zitat,  S.  197).

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