Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Gefangensetzung  des  Papstes  am  18.  Juni  1053  bei  CLvitate323,  nicht  zuletzt  auch
deswegen,  weil  -  für  Leo  IX.  sicher  enttäuschend  -  militärische  Unterstützung  von
seiten  des  Kaisers  ausblieb.  Mit  diesem  Mißklang  ging  die  überaus  erfolgreiche
Zusammenarbeit  zwischen  dem  Papst  und  dem  Kaiser  zu  Ende.  Leo  IX.  wurde  von
den  Normannen  in  Benevent  festgehalten,  kam  erst  nach  einem  achtmonatigen
Zwangsaufenthalt,  von  Krankheit  gezeichnet,  wieder  frei  und  konnte  nach  Rom
zurückkehren324,  wo  er  am  19.  April  1054  verstarb3^.  Es  sei  noch  angemerkt,  daß
in  seinen  Pontifikat  auch  noch  das  bis  heute  andauernde  Schisma  zwischen  der
Ostkirche  und  der  Westkirche  fällt,  dessen  Ursachen  und  Auswirkungen  hier  nicht
behandelt  werden  können326.

Leo  IX.  und  die  Klöster  seiner  Familie
Leo  IX.,  der  ebenso  wie  seine  Ahnen  einen  ausgeprägten  Simi  für  das  monastische
Leben  hatte327,  förderte  sowohl  als  Bischof  von  Toul328  als  auch  als  Papst  eine
große  Anzahl  klösterlicher  Einrichtungen329,  besonders  jedoch  die  Stiftungen  seiner
Familie.  Der  Papst  stellte  ihnen,  als  er  sie  auf  seinen  Reisen  besuchte,  Privilegien
aus,  in  denen,  so  sehr  Leo  IX.  auch  reformerisch  tätig  war,  „ein  gewisser  familiärer
Zug  deutlich  erkennbar“330  ist,  wie  Raissa  Bloch  es  ausdrückt,  so  z.  B.  für
Heiligkreuz  in  Woffenheim331,  für  Hesse332  und  für  Altdorf333;  diese  von  seinen
Eltern  und  Großeltern  gestifteten  Klöster  lagen  ihm  „besonders  am  Herzen“334.
Auch  dem  von  seinen  Vorfahren,  den  Etichonen,  gestifteten  Kloster  Hohenburg
erwies  er  seine  besondere  Gunst.  Er  stattete  schon  im  Jahre  1045  -  er  war  noch  nicht

323  Annales  Beneventani,  S.  112.
324  Ebda
325  Ebda.;  Libuini,  Ecclesiae  Romani  subdiaconi.  De  obitu  sancti  Leonis  PP.  IX,  prologus,
cap.  1,  S.  170;  Leonis  IX  vita,  üb.  II,  cap.  14,  S.  170;  vgl.  Annales  Marbacenses,  ad
1054,  S.  28.
326  Vgl.  W.  Goez,  Leo  IX.,  S.  118  ff.
327  So  ergriff  er,  noch  in  seiner  Zeit  als  Kleriker  in  Toul,  in  einem  Streit  zwischen  dem
Bischof  von  Toul  und  dem  Kloster  St.  Evre  Partei  für  St.  Evre,  wie  in  Leonis  IX  vita,
lib.  I,  cap.  6,  S.  133,  zu  lesen  ist.
328  Vgl.  dazu  R.  Bloch,  Die  Klosterpolitik  Leos  IX.  in  Deutschland,  Burgund  und  Italien,
in:  AUF  11,  Berlin  u.  Leipzig  1930,  S.  190-194.
329  Allgemein  dazu  R.  Bloch,  Klosterpolitik,  S.  176-257;  zur  Rolle  Leos  IX.  bei  der
Abtswahl  siehe  H.  Seibert,  Abtserhebungen  zwischen  Rechtsnorm  und  Rechtswirklichkeit.
  Formen  der  Nachfolgeregelung  in  lothringischen  und  schwäbischen
Klöstern  der  Salierzeit  (1024-1125),  Mainz  1995,  S.  109-116.
330  Ebda,  S.  199  f.
331  Das  Privileg  Leos  IX.  ist  abgedruckt  bei  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  I,  S.  163  f.
332  Das  Privileg  Leos  IX.  ist  abgedruckt  bei  Calmet,  Histoire  de  Lorraine,  2.  Bd.,  2.  Auf!.,
preuves,  col.  287  ff.  Zum  Fälschungsvorwurf  siehe  unten  im  Kap.  'Besitzungen'  die  Art.
zu  'Inglange/Inglingen'  und  'Sarrebourg/Saarburg'.
333  Für  Altdorf  hat  Leo  IX.  zwei  Privilegien  ausgestellt,  das  erste  am  28.  November  1049,
das  zweite  im  Jahre  1052.  Sie  sind  abgedruckt  bei  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  I,  Nr.
208,  S.  164  f.  und  Nr.  211,  S.  168,  wobei  das  Privileg  aus  dem  Jahre  1049  möglicherweise
  eine  Fälschung  darstellt.
334  R.  Bloch,  Klosterpolitik,  S.  200

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