Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Verräter  zwar  in  Trier  in  der  Haft  gehalten  wurde,  jedoch  mit  dein  lieben  davonkam310.

Bei  Balduin  von  Flandern  hingegen  hat  das  Mittel  der  Exkommunikation  durch  den
Papst  wenig  bewirkt.  Aber  auch  liier  war  es  schließlich  das  Vorgehen  des  Papstes,
das  einen  gewichtigen  Teil  zur  Unterwerfung  Balduins  beitrug.  Der  Kaiser  hatte
noch  1049  einen  Feldzug  gegen  Balduin  unternommen  und  war  in  Flandern
einmarschiert31!.  Es  fehlte  Balduin  an  der  Unterstützung  durch  den  französischen
König,  der  sich  an  die  vertraglichen  Abmachungen  mit  Heinrich  III.  hielt  und  der  es
zudem  vermied,  in  offene  Konfrontation  zu  dem  neuen  Papst  zu  geraten312.  Leo  IX.
indes  griff  nun  mit  einer  sogenannten  flankierenden  Maßnahme  auf  seiten  Heinrichs
III. in  den  Konflikt  mit  Balduin  von  Flandern  ein.  Er  verbot  auf  dem  Reimser
Konzil  im  Oktober  1049  die  geplante  Ehe  zwischen  einer  Tochter  Balduins  und
dem  Herzog  Wilhelm  von  der  Normandie313,  was  Wirkung  zeigte.  Somit  war
Balduin  von  Flandern  nach  allen  Seiten  hin  isoliert,  und  er  mußte  sich  schließlich
dem  Salier  unterwerfen314.
Allerdings  waren  damit  nicht  alle  Konfliktpunkte  zwischen  Heinrich  III.  und
Balduin  von  Flandern  ausgeräumt.  Neue  Spannungen  zwischen  den  beiden
entstanden  im  Jahr  1050.  Obwohl  er  sich  erneut  dem  Kaiser  unterwerfen  mußte315,
setzte  Balduin  seine  Konfrontationspolitik  fort,  als  es  ihm  kurz  darauf  gelang,  eine
Eheverbindung  zwischen  seinem  gleichnamigen  Sohn  und  der  Witwe  des  Grafen
Hermann  vom  Hennegau,  Richilde,  zustandezubringen,  ohne  vorher  die  Zustimmung
  des  Kaisers  als  Lehensherm  für  Hennegau  eingeholt  zu  haben316.  Dieser
große,  in  Aussicht  stehende,  territoriale  Gewinn  des  flandrischen  Grafen  -  der  Sohn

310  Lamperti  Hersfeldensis  Annales,  in:  Lamperti  monachi  Hersfeldensis  opera,  ed.  O.
Holder-Egger,  MGH  Script,  rer.  Germ.,  Hannover  u.  Leipzig  1894,  ad  1050,  S.  62:  Et
dux  Gotefridus  interventu  papae  et  principum  gratiam  imperatoris  obtinuit,  Annales
Altahenses  maiores,  ad  1049,  S.  45:  Qui  [=  Gottfried]  Trevirorum  episcopo  datur
custodiendus,  nullam  misericordiam  ab  imperatore  promeritus,  quia  pridem  in  electos
eius  caeteris  crudelius  fuerat  grassatus-,  Boshof,  Lothringen,  S.  99,  meint,  daß  die  Inhaftierung
  Gottfrieds  in  Trier  eine  entgegenkommende  Geste  Heinrichs  III.  gewesen  sei,
da  Gottfried  „damit  doch  erlaubt  [wurde],  in  seiner  lothringischen  Heimat  zu  bleiben“.
311  Herimanni  Augiensis  chronicon,  MGH  SS  V,  ad  1049,  S.  128  f.;  Chronica  Sigeberti
Gemblacensis,  MGH  SS  VI,  ad  1049,  S.  359.
312  Zu  dem  Verhältnis  zwischen  Leo  IX.  und  König  Heinrich  III.  siehe  A.  Becker,  Studien
zum  Investiturproblem  in  Frankreich  Papsttum,  Königtum  und  Episkopat  im  Zeitalter
der  gregorianischen  Kirchenreform  (1049-1119),  Saarbrücken  1955,  S.  36  ff.;  vgl.  auch
Boshof,  Lothringen,  S.  100.
313  J.  D.  Mansi,  Sacrorum  conciliorum  nova  et  amplissima  collectio,  vol.  19,  Graz  1960  (=Ndr.
  d.  Ausg.  Paris  1902),  coi.  742:  Interdixit  &  Balduino  comiti  Flandrensi,  ne  filiam
suam  Wilielmo  Nortmanno  nuptui  daret;  &  illi,  ne  eam  acciperet.
314  Chronica  Sigeberti  Gemblacensis,  MGH  SS  VI,  ad  1049,  S.  359;  vgl.  Boshof,
Lothringen,  S.  100.
3,5  Les  Annales  Elnonenses,  in:  Les  Annales  de  Saint-Pierre  de  Gand  et  de  Saint-Amand,
ed.  Ph.  Grierson,  Bruxelles  1937,  ad  1050,  S.  156;  vgl.  dazu  Boshof,  Lothringen,
S.  101.
316 La  chronique  de  Gislebert  de  Mons,  cap.  2,  S.  3;  Chronica  Sigeberti  Gemblacensis,
MGH  SS  VI,  ad  1051,  S.  359;  vgl.  auch  Boshof,  Lothringen,  S.  101  f.

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