Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Königsherrschaft  unterstellt258.  Zieht  man  die  oben  dargestellte  Situation  zwischen
der  Zeit  von  988  bis  1003  in  Betracht,  so  mag  letztere  Vermutung  durchaus
plausibel  sein,  Herzog  Emst  habe,  um  es  mit  anderen  Worten  zu  sagen,  seine  Kräfte
wohl  auch  deswegen  ins  Elsaß  gelenkt,  weil  er  hier  herrschaftliche  Ansprüche  als
Herzog  von  Schwaben  stellte,  um  seinen  Einfluß  in  territorialer  Hinsicht
auszudehnen.  Das  Elsaß  sollte  wieder  unter  die  direkte  Herrschaft  des  Herzogs
gelangen.
An  der  Quellenstelle  bei  Wipo  fällt  nun  besonders  auf,  daß  er  erwähnt,  Emst  habe
seinen  Angriff  gegen  die  Burgen  Hugos  gerichtet,  der  dadurch  ja  als  Verbündeter
des  Königs  ausgewiesen  wird.  Hugo  scheint  wohl  auch  im  Elsaß  als  Hauptangriffsziel
  von  Herzog  Emst  betrachtet  worden  zu  sein,  was  durch  die  namentliche
Hervorhebung  von  nur  diesem  einen  Gegner  Emsts  naheliegt.  Und  diese  Vorgehensweise
  wird  auch  durch  die  Machtstellung  der  Grafen  im  Nordgau  bestätigt,
die  zwar  durch  das  ottonische  Königtum  eine  Schwächung  erfahren  hatten,  die  aber
bestrebt  waren,  ihre  alte  Stellung  wieder  zu  erlangen  und  eine  Stärkung  des
Einflusses  des  Schwabenherzogs  im  Elsaß  als  Minderung  ihrer  eigenen  Stellung
ansahen.
Diese  akute  Bedrohung  durch  Herzog  Emst  abzuwehren,  hat  meines  Erachtens  Graf
Hugo  V.  veranlaßt,  im  Konflikt  zwischen  König  und  Herzog  Partei  zugunsten  des
Königs  zu  ergreifen,  da  eine  Festigung  seiner  eigenen  Position  am  ehesten  vom
König  zu  erwarten  war,  dessen  Hauptaugenmerk  sich  logischerweise  auf  die  von
Emst  ausgehenden  Aufstandsbewegungen  richten  mußte.  Der  von  Wipo  erwähnte
Umstand,  daß  Hugo  mit  Konrad  II.  blutsverwandt  war,  mag  bei  dieser  Entscheidung
des  Grafen  eine  untergeordnete  Rolle  gespielt  haben,  wie  die  Gegnerschaft  der
Egisheimer  Grafen  zu  dem  ebenfalls  mit  ihnen  blutsverwandten  Heinrich  IV.,  Enkel
Konrads  II.,  während  des  Investiturstreites  hinreichend  beweist259.
Es  zeigt  sich  also  bei  den  Vorgängen  des  Jahres  1027  recht  deutlich,  daß  es
Machtfragen  waren,  die  den  Grafen  dazu  bewogen  haben,  sich  auf  die  Seite  des
Königs  zu  stellen,  gegen  den  Herzog,  der  die  Macht  und  den  Einfluß  des  relativ
selbständigen  Grafen  im  Elsaß  bedrohte,  indem  jener  die  Herzogsgewalt  im  Elsaß
restituieren  wollte260.
Vielleicht  geht  die  Auffassung  Helmut  Maurers  etwas  zu  weit,  der  als  eine  der
Motivationen  für  das  Handeln  des  Schwabenherzogs  das  Bestreben  erkennen  will,
die  vom  König  abhängigen  Vasallen  zu  mediatisieren261,  aber  der  Konflikt  von
1027  zwischen  Herzog  und  Graf  ist  meiner  Meinung  nach  primär  unter  dem  Aspekt

258  Ebda.  S.  200  ff.
259  Siehe  dazu  unten  das  Kap.  'Die  Stellung  der  Grafen  von  Dagsburg-Egisheim  im  Investiturstreit'.

260  H.  Maurer,  Herzog,  S.  201  f.
261  H.  Maurer,  Art.  E[rnst]  II.,  in:  LexMA  III,  München  u.  Zürich  1986,  Sp.  2179;  zu
Maurers  These  von  der  Mediatisierung  der  Vasallen  im  11.  Jahrhundert  siehe  H.
Maurer,  Herzog,  S.  145-153.

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