Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

in  besagter  Angelegenheit  deutlich  vor  Augen.  Diese  Motive  sind  nicht  nur
punktuell  auf  den  Aufstand  Herzog  Emsts  bezogen  von  entscheidender  Bedeutung
für  die  Parteinahme  Hugos  V.,  sondern  sie  bilden  zugleich  eine  politische  Leitlinie
des  Grafenhauses,  die  ihre  Politik  auch  in  späterer  Zeit  immer  wieder  bestimmen
wird,  nämlich  das  Bestreben,  ihre  relative  Unabhängigkeit  gegenüber  dem
Schwabenherzog  einerseits  oder  gegebenenfalls  gegenüber  dem  König  andererseits
zu  bewahren.

Die  Rolle  der  Grafen  von  Dagsburg-Egisheim  im  Konflikt  König
Konrads  II.  mit  Herzog  Emst  II.  von  Schwaben
Für  das  Jahr  1027  berichtet  Wipo,  der  Biograph  Konrads  II.,  von  einem  Vorfall,  der
in  direktem  Zusammenhang  mit  der  Auseinandersetzung  Konrads  II.  mit  seinem
Stiefsohn,  Herzog  Emst  II.  von  Schwaben,  und  dessen  zweiten  Aufstand  gegen
seinen  Stiefvater  steht253,  und  der  uns  auch  Einblick  in  das  weiterhin  problematische
  Verhältnis  zwischen  dem  Schwabenherzog  und  dem  Grafenhaus  der
Eberharde  verschafft.  Herzog  Ernst  II.  war  ins  Elsaß  eingefallen,  hatte  dort  die
Gegend  verwüstet  und  dabei  auch  die  Burgen  des  dem  besagten  Grafenhause
entstammenden  Grafen  Hugo,  eines  Blutsverwandten  des  Königs,  zerstört254.
Die  Beweggründe  Emsts  II.  für  seine  Handlungen  im  Jahre  1027  lassen  sich  nicht
ausmachen.  Auch  die  Forschung  äußert  sich  zu  diesem  Problem  in  nicht  eindeuüger
Weise.  Franz-Reiner  Erkens  konstatiert  bei  Herzog  Emst  II.  neben  herzoglichschwäbischen
  Zielen  auch  eine  ins  Persönliche  gehende  Animosität  gegen  seinen
Stiefvater  als  Triebfeder  für  seine  oppositionelle  Haltung255.  Umstritten  ist  in  der
neueren  Forschung,  ob  erbrechtliche  Ansprüche  Ernsts  bezüglich  Burgund  als
Motiv  für  dessen  Vorgehen  zu  sehen  sind256.  Helmut  Maurer  hingegen  vermutet,
daß  die  Furcht  Emsts  vor  einer  Neuordnung  in  Schwaben  durch  den  König  das
Handeln  des  Herzogs  mitbestimmt  haben  könnte257.  Möglich  scheint  auch,  wie
Helmut  Maurer  an  anderer  Stelle  mutmaßt,  daß  Herzog  Ernst  II.  versuchte,
herzogliche  Rechte  im  Elsaß  durchzusetzen,  denn  Heinrich  II.  hatte  ja  das  Elsaß  aus
der  Verfügungsgewalt  des  Schwabenherzogs  gelöst  und  wieder  direkter

253 Zu  dem  Aufstand  von  Herzog  Ernst  II.  siehe  H.  Maurer,  Herzog,  S.  202.
25*  Wipo,  Gesta  Chuonradi  II  imperatoris,  cap.  19,  S.  39:  Ernestus  dux  Alamanniae,
privignus  imperatoris  Chuonradi,  nuper  ab  eo  beneficiis  et  muneribus  sublimatus
discedens,  iterum  instigante  diabolo  rebellionem  moliebatur  et  consilio  quorundam
militum  suorum  Alsatiam  provinciam  vastavit  et  castella  Hugonis  comitis,  qui  erat
consanguineus  imperatoris  desolavit.
255  F.-R.  Erkens,  Fürstliche  Opposition  in  ottonisch-salischer  Zeit.  Überlegungen  zum
Problem  der  Krise  des  frühmittelalterlichen  deutschen  Reiches,  in:  AKG  64,  1982,  S.
357  ff.
256  Ablehnend  Erkens,  Opposition,  S.  357;  vorsichtig  H.  Maurer,  Herzog,  S.  202;
befürwortend  O.  Engels,  Das  Reich  der  Salier  -  Entwicklungslinien,  in:  Die  Salier  und
das  Reich,  3.  Bd.:  Gesellschaftlicher  und  ideengeschichtlicher  Wandel  im  Reich  der
Salier,  hrsg.  v.  S.  Weinfurter  unter  Mitarb.  v.  H.  Seibert,  Sigmaringen  1991,  S.  4%.
257  H.  Maurer,  Herzog,  S.  201  f.

200
            
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