um Sarrebourg reichte. Graf Hugo IV. vermählte sich, entweder noch in den späten
achtziger oder erst in den neunziger Jahren des ausgehenden Saeculums, mit
Heilwig, der Tochter und wohl einzigen Erbin des Grafen Ludwig von Dagsburg238.
Von Heilwigs Vater Ludwig, der möglicherweise den Doppelnamen
Ludwig Otto trug239, wissen wir recht wenig. So soll er im Jahre 966 die Zelle St.
Quirin südlich von Sarrebourg gestiftet und an die Abtei Maursmünster tradiert
haben240. Es ist jedoch gut denkbar, daß er mit den eberhardinisehen Grälen auch
politisch verbunden war, wie uns die Einträge im Reichenauer Verbrüderungsbuch,
in denen ein Ludwig zusammen mit einem Hugo und einem Eberhard genannt wird,
vermuten lassen241. Durch die Hinzufügung der dagsburgisehen Besitzungen an den
schon bestehenden Besitzkomplex der Familie waren die Eberhardiner wieder zu
einem Machtfaktor im Westen des Reiches geworden, an dem man politisch nicht
Vorbeigehen konnte. Die Eheschließung Hugos IV. mit Heilwig von Dagsburg war
nicht nur in machtpolitischer Hinsicht von großer Tragweite für das Geschlecht, die
zentrale Burg des Erbes von Heilwigs Vater, die Dagsburg, wurde vor allem ab dem
frühen 12. Jahrhundert für die Hauptlinie des Geschlechtes immer mehr zum
bestimmenden Geschlechtsnamen.
Die Stiftung der Abtei Heiligkreuz bei Woffenheim und die Herausbildung
eines neuen Geschlechtsbewußtseins
Eine weitere, äußerst wichtige Familienstiftung bildete das Nonnenkloster
Heiligkreuz bei Woffenheim, die vom Sohn des Hugo raucus, Hugo VI., und
dessen Gemahlin durchgeführt wurde. Das Kloster ließen sie nahe der Burg
Egisheim erbauen und reichlich ausstatten, wie uns die Vita Leos IX. berichtet242.
Das Kloster war Leo IX. von seinen Eltern auf Grund des Erbrechts übertragen
238 Chronicon Mediani-monasterii authore Joanne de Bayon, lib. II, ex cap. 43, S. 215: ...
Ludovicus Comes de Dasporch, avus S. Brunonis. Der das Geschlecht charakterisierende
Name von Dagsburg ist aus der Sicht des im 14. Jahrhundert schreibenden Chronisten zu
sehen Ob Ludwig sich selbst schon nach der Dagsburg genannt hat, bleibt doch sehr
fraglich.
239 Siehe Anm. 240.
240 Mémoire zur Stiftung von St. Quirin aus dem 18. Jahrhundert in Nancy, AD M-et-M, H
303. Hier wird uns knapp von der Stiftung St. Quirins im Jahre 966 durch den
Dagsburger Grafen berichtet; siehe auch Schöpfijn, Alsatia illustrata, S. 479, Anm. c,;
Sigrist, Marmoutier, S. 277; siehe oben, S. 44 mit Anm. 239 u. 240 mit Quellenzitaten.
241 Das Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau, fol. 31: Eberehar. Hugo. Gotesscalch.
Liutuich. Vgl. ebda., fol. 23, wo nochmals ein Eberhard und Ludwig zusammen
eingetragen sind.
242 Leonis IX vita, lib. I, cap. 1, S. 129; vgl. auch die Bulle Leos IX. vom 18. November
1049, abgedruckt bei SCHÖPFLIN, Alsatia diplomatica I, Nr. 207, S. 163 f. Ecclesiam
patris mei Hugonis & matris meæ Heilwigdis, amborumque fratrum meorum Gerardi &
Hugonis videlicet jam dejunctorum, meique tnemor adhuc viventis, & apostolica sede
licet indignissitne tamen sedentis, ab eisdem meis parentibus fundatam & suo studio
dedicatam, mihique jure hereditario delegatam, præditus legalis successionis jure
nostrœ apostolicœ sedi substituo (Zitat, ebda., S. 163).
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