Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Ï.  TEIL

GENEALOGISCHE  UNTERSUCHUNGEN  ZUR  GESCHICHTE
DER  GRAFEN  VON  DAGSBURG-EGISHEIM

1.  Einleitung
Die  Forschung  hat  sich  immer  wieder  mit  der  Genealogie  der  Grafen  von  Dagsburg-Egisheim
  auseinandergesetzt.  Allerdings  sind  die  einzelnen  Historiker  oftmals
zu  unterschiedlichen  Ergebnissen  gelangt.  Betrachtet  man  Stammtafeln,  in  denen
eine  Ableitung  des  Dagsburg-Egisheimer  Geschlechtes  dargestellt  ist,  so  stellt  man
fest,  daß  sie  in  den  meisten  Fällen  gravierende  Unterschiede  aufweisen.  Dieser
Umstand  rührt  zum  einen  von  der  schmalen  Quellenbasis  her,  auf  der  viele  dieser
Stammtafeln  fußen,  zum  anderen  daher,  daß  manchmal  leichtfertig  Teile  von
Stammtafeln  aus  der  älteren  Forschung  übernommen  werden,  die  zwar  durch  neuere
Forschungsarbeiten  überholt  sind,  deren  Ergebnisse  aber  nicht  immer  zur  Kenntnis
genommen  werden25.

2.  I.  bis  III.  Generation
Die  Anfänge  der  Familie  der  Eberhardiner
Daß  das  später  nach  Egisheim  und  Dagsburg  benannte  eberhardinische  Grafenhaus
und  dessen  Verzweigungen  aus  der  Nachkommenschaft  des  hochadeligen,  noch  aus
der  Merowingerzeit  stammenden,  fränkischen  Geschlechtes  der  sogenannten
Etichonen  hervorging,  hat  die  Forschung  schon  seit  längerer  Zeit  festgestellt.  Nur
das  'Wie'  der  Verwandtschaft  -  bedingt  auch  durch  die  im  frühen  Mittelalter
vorherrschende  Einnamigkeit  der  Personen26  -  ist  bis  heute  unklar  geblieben27.  Es
hat  sich  aber  inzwischen  der  Konsens  gebildet,  daß  als  Angelpunkt  für  die
Verwandtschaft  der  Etichonen  mit  den  Eberhardinem  der  berühmte  fränkische  Graf

25  So  z.  B.  bei  Thary,  L'histoire,  S.  24,  die  sich  bei  der  Aufstellung  ihrer  Stammtafel  der
Dagsburg-Egisheimer  auf  veraltete  Stammtafeln  stützt.
26  Zu  dieser  Problematik  siehe  die  grundsätzlichen  Bemerkungen  von  K.  Schmid,  Zur
Problematik  von  Familie,  Sippe  und  Geschlecht,  Haus  und  Dynastie  beim  mittelalterlichen
  Adel.  Vorfragen  zum  Thema  »Adel  und  Herrschaft  im  Mittelalter«,  in:  Ders.,
Gebetsgedenken  und  adliges  Selbstverständnis  im  Mittelalter.  Ausgewählte  Beiträge.
Festgabe  zu  seinem  sechzigsten  Geburtstag,  Sigmaringen  1983,  S.  183-244.
27  Vgl.  z.  B.  Vollmer,  Etichonen,  S.  178  ff.;  Büttner,  Geschichte  des  Elsaß  I,  S.  171;  H.
Keller,  Kloster  Einsiedeln  im  ottonischen  Schwaben,  Freiburg  i.  Br.  1964,  S.  14;
Hlawitschka,  Anfänge,  S.  109;  vgl.  jedoch  Chr.  Wilsdorf,  Les  Étichonides  aux  temps
carolingiens  et  ottoniens,  in:  Bulletin  philologique  et  historique  (jusquà  1610)  du  Comité
des  travaux  historiques  et  scientifiques,  1964,  S.  32,  der  die  Meinung  vertritt,  die
Eberhardiner  stammten  nicht  in  direkter  männlicher  Linie  von  den  Etichonen  ab,  da  in  der
Vita  Leos  XI.  die  Hl.  Odilia  -  die  Tochter  Etichos  -  nicht  als  berühmte  Vorfahrin  Leos  IX.
erwähnt  wird.

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