Herzogshauses im Elsaß, der Etichonen, stellen wollte233, um die Nordgaugrafen,
welche ja Nachkommen der Etichonen waren, politisch zurückzudrängen.
Eine weitere Veränderung der politischen Situation trat dann ab dem Jahre 1002 im
Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Nachfolge des in Italien
verstorbenen Kaisers Otto III. ein. Herzog Hermann II. von Schwaben, ein
Verwandter der Ottonen, war als einer der Kandidaten um die Thronfolge
auf getreten234, konnte sich aber letztendlich gegen den Bayemherzog Heinrich, den
späteren König und Kaiser Heinrich II., nicht durchsetzen. Gerade diese bei dem
Ringen um die Nachfolge im Königsamt aufgetretene Konkurrenzsituation
zwischen Hermann und Heinrich war wohl ausschlaggebend, um den neuen König
Heinrich II. dazu zu veranlassen, das Elsaß wieder stärker an das Königtum zu
binden und den Einfluß des Schwabenherzogs zurückzudrängen. Diese Tendenz
zeigt sich besonders darin, daß Herzog Hermann dem neuen König das Straßburger
St. Stephans kl oster übertragen mußte235, welches Heinrich II. daraufhin in einer
Urkunde vom 15. Januar 1003, mit Zusümmung Hermanns II. der Domkirche von
Straßburg übereignete236. Nach dem Tode Hermanns II. verschwand konsequenterweise
auch der Titel eines elsässischen Herzogs für längere Zeit. Er wurde erst
wieder unter den ersten Stauferherzögen erneuert.
Es ist quellenmäßig nicht überliefert, wie sich die Grafen im elsässischen Nordgau
während der Thron Streitigkeiten des Jahres 1002 verhielten, sie dürften aber eher
auf seiten des Bayemherzogs gestanden haben, denn Hermann II. von Schwaben
stellte für sie - gerade was dessen Ansprüche auf das politische Erbe der Etichonen
betraf - eine unmittelbarere Bedrohung dar.
Heinrich II. hat aber dann im Verlauf der Zeit deutlich erkennen lassen, daß er nicht
gewillt war, sich von den Eberhardinern auf die vorottonischen Positionen des
Königtums im Elsaß und in dem hierzu benachbarten burgundischen Grenzraum
zurückdrängen zu lassen, was klar durch sein Eingreifen im Jahre 1016 in Lüders
zum Ausdruck kommt237.
Die Eheschließung zwischen Hugo IV. und Heilwig von Dagsburg
Es trat jedoch noch vor dem Regierungsantritt von König Heinrich II. gegen Ende
des 10. Jahrhunderts ein Ereignis ein, das die politische Situation im Elsaß und im
westlichen Grenzgebiet zu Oberlothringen entscheidend veränderte und wodurch
das eberhardinische Haus noch einen bedeutenden Besitz und Machtzuwachs
erlangte, der über die Zabemer Senke nach Westen in das oberlothringische Gebiet
233 H. Maurer, Herzog, S. 90.
234 Grundlegend dazu Hlawitschka, Untersuchungen, vor allem S. 43-77.
235 Vita Heinrici II. imperatoris, auctore Adalboldo, MGH SS IV, ed. G. Waitz, cap. 13, S.
687. Neuere Edition: De Vita Heinrici II imperatoris van bisschop Adelbold van
Utrecht, hrsg. v. H. van Rij, in: Nederlandse Historische Bronnen III, Amsterdam 1983,
cap. 13, S. 60.
236 D H II 34, S. 38 f.
237 DH II 353.
195