Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

zogtum  bestand  zwar  dem  Namen  nach  weiter219,  ein  eigenständiger  Herzog  als
Amtsträger  ist  aber  bis  zur  Mitte  des  10.  Jahrhunderts  nicht  mehr  nachzuweisen.
Die  faktische  Macht  übten  neben  dem  Königtum  in  dieser  Zeitspanne  die  Bischöfe
von  Basel  und  Straßburg  und,  in  den  entsprechenden  Landesteilen,  die  Grafen  im
Sund-  und  Nordgau  aus,  die  aus  verschiedenen  Zweigen  der  Nachkommenschaft
der  Etichonen  stammten.  Gerade  in  den  politisch  spannungsreichen  Jahren  bis  ca.
926  gelang  es  vor  allem  den  Nordgaugrafen,  ihren  politischen  Eintluß  auszudehnen220.

Eine  Schwächung  des  Königtums  im  oben  angesprochenen  Sinne  bildete  der
Umstand,  daß  nach  dem  Tod  Ottos  II.  sein  Sohn  und  Nachfolger  im  Königsamt,
Otto  III.,  erst  drei  Jahre  alt  war.  Die  Minderjährigkeit  Ottos  III.  ausnutzend,  ergriff
der  Schwabenherzog  Konrad  I.  (982-997)  seine  Chance  und  erweiterte  seinen
eigenen  Machtbereich  um  das  Elsaß221,  denn  er  ist  in  zwei  Diplomen  Ottos  III.  als
Träger  des  elsässischen  Herzogstitels,  den  er  neben  seinem  schwäbischen  Titel
führte,  nachzuweisen.  Die  Doppelütulatur,  die  Herzog  Konrad  gewählt  hatte,  bringt
den  Versuch  einer  verwaltungsmäßigen  Anbindung  des  Elsaß  an  Schwaben  in  einer
Personalunion  zum  Ausdruck.  Die  erste  Nennung  Konrads  als  Herzog  der
Schwaben  und  der  Elsässer  findet  sich  in  D  O  III  47,  vom  12.  Oktober  988,  in
dem  er  neben  der  Kaiserin  Theophanu,  dem  Erzbischof  Willigis  von  Mainz  und
Bischof  Hildebold  von  Worms  als  Intervenient  für  das  elsässische  Kloster  Murbach
erscheint222.  Das  zweite,  am  2.  Juni  993  ausgestellte  Diplom  Ottos  III.,  in  dem
Herzog  Konrad  mit  beiden  Titeln  genannt  wird,  ist  ebenfalls  für  ein  elsässisches
Kloster,  nämlich  Selz,  bestimmt.  Auch  liier  wird  Konrad  als  Intervenient  neben  den
die  Regentschaft  führenden  Personen  und  der  engeren  Verwandtschaft  Ottos  III.
genannt223.  Beide  Diplome  fallen  deutlich  in  die  Zeit  der  Minderjährigkeit  Ottos

219  Urk.  Lothars  I.  vom  25.  Juli  840:  ...  in  ducatu  Alsacense  (D  Lo  I  45);  Regest:
Bruckner,  Regesta  Alsatiae,  Nr  516;  -  Urk.  I^othars  I.  vom  25.  August  849:  ...  in
ducatu  Helisacensi  (D  Lo  1  105  ,  S.  245-251,  Zitat  S.  250).  Regest:  Bruckner,  Regesta
Alsatiae,  Nr.  531;  Schreiben  von  Papst  Leo  IV.  an  die  Kaiserin  Ermengard  vom  28.
April  850,  Druck  bei  P.  Scheeeer-Boichorst,  Zur  Geschichte  der  Reichsabtei  Erstein,
in:  ZGO  43  (NF  4),  1889,  Nr.  1,  S.  291-296,  Zitat  S.  291:  ...  in  ducatu  Elisacensi,
wiederabgedruckt  in:  Ders.,  Zur  Geschichte  des  XII.  und  XIII.  Jahrhunderts.
Diplomatische  Forschungen,  Berlin  1897,  S.  354-370,  Regest:  Bruckner,  Regesta
Alsatiae,  Nr.  534.  -  Es  sei  aber  noch  auf  den  Umstand  aufmerksam  gemacht,  daß  Lothar
1.  neben  der  Benennung  des  Elsaß  als  Herzogtum  in  einer  Urkunde,  die  in  unmittelbarem
zeitlichen  Zusammenhang  zu  dem  eben  erwähnten  D  Lo  I  105  steht,  nämlich  in  dem
Diplom  vom  6.  September  849  für  Erstein  (D  Lo  1  106),  von  der  'Grafschaft'  Elsaß  (...  in
comitatu  Helisacensi...)  spricht.
220  Siehe  dazu  auch  Borgolte,  Grafengewalt,  vor  allem  S.  48.
221  So  auch  Büttner,  Geschichte  des  Elsaß  I,  S  179.
222  D  O  III  47,  S.  448  f:  Pro  rei  tamen  firmitate  carissima  genitrix  nostra  Theophanu
imperatrix  scilicet  augusta  una  cum  fidelibus  nostris  Vuilligiso  Mogonline  sedis
honorabili  archiepiscopo  et  Hildibaldo  Uuormaciensis  clerici  venerabili  episcopo  ac
Conrado  Alamannorum  et  Alsaciorum  duce  glorioso  nos  postulavit  (Zitat,  S.  448).
223  D  O  III  130,  S.  541  f.:  ...  qualiter  nos  consultu  simul  et  rogatu  fidelium  nostrorum
Vuilligisi  [vi]d[eli]cel  Mogonlinae  sedis  archiepiscopi,  Hildibald[i  Uuonnacjiensis
ecclesiae  episcopi  nec  non  et  cari  fratris  nostri  Heinrici  ducis  et  Cfonjradi  Alsaciorum
et  Alemanorum  ducis  atque  nepotis  et  aeqfuivoci  nostri  Ottonjis  dfuejis  dilect[aequej  et

193
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.