Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Zugriff  des  Königtums  auf  das  Elsaß  noch  stark  gewesen  sein,  deim  im  Jahr  981
erscheint  der  elsässische  Dukat  in  der  berühmten  Heeresaufgebotsliste  für  Kaiser
Otto  II.,  dem  'Indiculus  loricatorum',  als  unabhängiger,  der  rheinfränkischen  Einheit
angegliederter  Dukat,  der  ein  Aufgebot  von  70  Panzerreitem  zu  stellen  hatte217.
Die  Einschränkung  der  Macht  der  Eberhardiner  gab  aber  bei  einer  eventuellen
Schwäche  der  königlichen  Zentralgewalt  ebenso  anderen  Gewalten  die  Möglichkeit,
ihren  Einfluß  im  Elsaß  zu  stärken,  denn  es  war  nicht  nur  das  Königtum,  dem  die
machtvolle  Stellung  der  Nordgaugrafen  im  Wege  stand,  sondern  auch  das  schwäbische
  Herzogtum.  Das  Elsaß  war  ein  herzogfreier  Bereich,  der  sozusagen  vor  der
'Haustüre'  Schwabens  lag.  Ein  eigenständiges  elsässisches  Herzogtum  gab  es
bekanntlich  schon  seit  der  Mitte  des  achten  Jahrhunderts  nicht  mehr218.  Das  Hernachzuweisen,

  daß  -  als  grenzsichernde  Maßnahme  König  Konrads  1  zur  Abwehr
westfränkischer  Ansprüche  auf  das  Elsaß  -  schon  um  915  der  Konradiner  Udo  und
dessen  Bruder.  Herzog  Hermann  I.  von  Schwaben,  den  elsässischen  Herzogstitel  geführt
haben;  dies  beruht  auf  reiner  Spekulation.  Die  Ausführungen  dazu  von  E.  E.  Stengel,
Udo  und  Hermann,  die  Herzoge  vom  Elsaß.  Das  Rätsel  der  ältesten  Wetzlarer
Geschichte,  in:  Abhandlungen  und  Untersuchungen  zur  Hessischen  Geschichte,
Marburg  1960,  S.  441-479,  sind  recht  hypothetisch,  wie  Stengel  selbst  zugeben  muß
(ebda.,  S.  466);  vgl.  auch  die  kritischen  Anmerkungen  zu  Stengels  Thesen  bei  E.
Hlawitschka,  Wer  waren  Kuno  und  Richlind  von  Öhningen?  Kritische  Überlegungen
zu  einem  neuen  Identifizierungsvorschlag,  in:  Ders.,  Stirps  regia.  Forschungen  zu
Königtum  und  Führungsschichten  im  früheren  Mittelalter.  Ausgewählte  Aufsätze.
Festgabe  zu  seinem  60.  Geb.,  hrsg.  v.  G.  Thoma  u.  W.  Giese,  Frankfurt  a.  M.,  Bern,
New  York,  Pans  1988,  S.  436;  siehe  auch  H.  Maurer,  Herzog,  S.  199.  Es  sei  aber  noch
auf  den  Umstand  aufmerksam  gemacht,  daß  Herzog  Hermann  I.  (926-949)  in  Breisach
Münzen  schlagen  ließ.  Breisach  wurde  aber  als  zum  Elsaß  gehörig  betrachtet,  so  z.  B.
bei  Liudprand  von  Cremona  (Liudprandi  Antapodosis  IV,  c.  27,  S.  122),  die  Gesta
abbatum  Trudonensium,  continuatio  tertia,  MGH  SS  X,  S.  377,  und  Sigebert  von
Gembloux  (Chronica  Sigeberti  Gemblacensis,  MGH  SS  VI,  S.  348)  und  Ekkehard  von
Aura  (Ekkehardi  chronicon  universale,  ed.  G.  Waitz,  MGH  SS  VI,  S.  185);  siehe  dazu
Zotz,  Breisgau,  S.  111  ff.  u.  auch  H.  Maurer,  Herzog,  S.  77.
217  MGH  Const.  I,  Nr.  436,  S.  633:  De  dueatu  Alsaciense  mittantur  LXX,  vgl  dazu  K.  F.
Werner,  Heeresorganisation  und  Kriegführung  im  deutschen  Königreich  des  10.  und
11. Jahrhunderts,  in:  Settimane  di  Studio  del  centro  Italiano  di  studi  sull'alto  medioevo
XV:  Ordinamenti  militari  in  occidente  nefl'alto  medioevo,  2.  Bd.,  Spoleto  1968,  S.  810  f.
Werner  glaubt,  in  dem  selbständigen  Erscheinen  eines  elsässischen  Dukats  in  dem
'Indiculus  loricatorum'  als  Folge  des  Sturzes  des  Grafen  Guntram  eine  Herauslösung  des
Elsaß  aus  dem  Herzogtum  Schwaben,  zumindest  was  die  Kriegsverfassung  angeht,  zu
erkennen.  Dem  ist  aber  entgegenzuhalten,  daß  erst  nach  981  zum  ersten  Mal  ein  Herzog
von  Schwaben  den  Titel  eines  Herzogs  vom  Elsaß  führt;  vgl.  auch  H.  Maurer,  Herzog,
S.  199.
218  Siehe  dazu  A.-M.  Burg,  Das  elsässische  Herzogtum.  Ein  Überblick,  in:  ZGO  117  (NF
78),  1969,  S.  94  f.  Der  letzte  elsässische  Herzog,  Liutfried,  wird  in  einer  Weißenburger
Tradition  vom  27.  Mai  742  zum  letzten  Mal  urkundlich  erwähnt  (Traditiones
Wizenburgenses.  Die  Urkunden  des  Klosters  Weißenburg  661-864,  eingel.  u.  aus  d.
Nachlaß  v.  K.  Glöckner  hrsg.  v.  A.  Doll,  Darmstadt  1979,  Nr.  52);  siehe  Bruckner,
Regesta  Alsatiae,  Nr.  145,  S.  82;  zu  den  Problemen  um  das  Ende  des  elsässischen
Herzogtums  siehe  F.  Langenbeck,  Probleme  der  elsässischen  Geschichte  in  fränkischer
Zeit,  in:  Alemannisches  Jahrbuch  1957,  Lahr/Schwarzwald  1957,  S.  79  f.

192
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.