Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

eine  Darstellung  der  heiligen  Serberga  angesehen  worden209.  Norbert  Müller-Dietrich
  konnte  jedoch  nachweisen,  daß  die  dargestellte  Figur  zweifelsfrei  mit  einem
  Mann  zu  identifizieren  ist,  ja  durch  das  Architekturmodell,  welches  die  Figur
in  der  linken  Hand  hält,  gilt  es  ihm  als  sicher,  daß  der  Stifter  des  Klosters  Hesse
dargestellt  sein  muß210.  Dabei  bildet  es  keinen  Widerspruch,  daß  die  Stiftung  der
Abtei  cirka  einhundert  Jahre  vor  der  Entstehung  der  Grabplatte  erfolgt  war.  Durch
Leo  IX.  war  in  Hesse  ein  Altar  geweiht  worden,  wie  wir  aus  seiner  undatierten,
jedoch  vor  1050  ausgestellten  Bulle  für  die  Abtei  wissen211.  Müller-Dietrich  vermutet,
  daß  diese  Altarweihe  mit  einem  Kirchenneubau,  dem  Vorgängerbau  der
jetzigen  Kirche,  verbunden  war  und  bei  dieser  Gelegenheit  auch  des  Stifters
durch  die  Anfertigung  jenes  prachtvollen  Grabmales  besonders  gedacht  wurde212.
Wessen  Grab  die  zweite,  mit  dem  Dagsburger  Wappen  versehene  und  wesentlich
primitiver  gearbeitete  Platte  schmückte  kann  ebenfalls  nicht  mit  Bestimmtheit
gesagt  werden.  Müller-Dietrich  folgert  mit  plausiblen  Argumenten,  daß  das  Grab
mitsamt  Platte  erst  später  als  die  andere  Platte  entstanden  und  kein  Arkosolgrab
gewesen  ist213.  Als  frühesten  Entstehungszeitraum  kann  wegen  der  Wappenabbildung
  das  13.  Jahrhundert  angenommen  werden214.  So  kommen  eigentlich  erst
Personen,  denen  das  Grab  zugeordnet  werden  kann,  ab  der  Generation  Alberts  II.  in
Frage,  also  z.  B.  Albert  II.  selbst  (verstorben  1211/1212),  seine  Gemahlin  oder
deren  Tochter  Gertrud  (verstorben  1225).  Möglich  ist  allerdings  auch  hier,  daß  die
Platte  für  ein  schon  älteres  Grab  angefertigt  wurde;  zu  denken  wäre  an  die  in  Hesse
nachweislich  begrabenen  Personen,  den  Bruder  Leos  IX.,  Hugo  V.,  und  an  die
patrueles  des  Papstes,  Matfried  und  Gerhard,  sowie  an  Gerhards  Gemahlin
Cuniza215.

Machtpolitische  Entwicklung  unter  den  letzten  Ottonen
Die  Schwächung  der  elsässischen  Grafen  im  Nordgau  brachte  eine  Verschiebung
der  Machtverhältnisse  im  Elsaß  mit  sich.  Das  Königtum  in  Person  Ottos  I.  hatte  die
Zügel  im  Elsaß  fest  in  seine  Hand  genommen216.  Auch  unter  Otto  II.  dürfte  der

209  So  z.  B.  bei  Kuhn,  Hesse,  S.  13;  auch  bei  W.  Hotz,  Handbuch  der  Kunstdenkmäler  im
Elsaß  und  in  Lothringen,  S.  70.
219  Müller-Dietrich,  Skulptur,  S.  27,30  u.  171  mit  Anm.  94.
211  Urkunde,  abgedruckt  bei  Calmet,  Histoire  de  Lorraine,  2.  Bd.,  2.  Aufl.,  preuves,  col.
287  fl.
212  Ebda.,  S.  30  u.  36.
213  Ebda.,  S.  171.
214  Ebda.,  S.  171.
215  Bei  Dugas  de  Beaulieu,  Le  comté  de  Dagsbourg,  S.  296  f.,  ist  zu  lesen,  daß  noch  eine
weitere  Grabplatte  mit  einer  Abbildung  des  Löwenwappens  auf  dem  Friedhof  in  Hesse
vorhanden  war.
216  Daß  König  Otto  I.  seinen  Schwager,  Herzog  Rudolf,  als  Herzog  vom  Elsaß  eingesetzt
hat,  wie  W.  Erben,  Die  Anfänge  des  Klosters  Selz,  in:  ZGO  46  (NF  7),  1892,  S.  5  f.,
und  Keller,  Einsiedeln,  S.  101  f.  mit  Anm.  34,  behaupten,  läßt  sich  nicht  beweisen.
Gegen  diese  These  siehe  Büttner,  Geschichte  des  Elsaß  I,  S.  166  mit  Anm.  155,  u.  mit
guten  Gründen  Zotz,  Breisgau,  S.  116  f.  mit  Anm.  35.  Dazu  kommt  noch,  daß  der
elsässische  Herzogstitel  fllr  Herzog  Rudolf  nirgends  belegt  ist.  -  Man  hat  auch  versucht

191
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.