Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

1209/1210  durch  den  letzten  männlichen  Vertreter  der  Familie,  Albert  II.  von
Dagsburg,  so  etwas  wie  eine  Familientradition  geworden  sind.

Die  Stiftung  des  Klosters  Altdorf
Die  wichtigste  Familienstiftung  der  Eberhardiner  gegen  Ende  des  10.  Jahrhunderts
war  diejenige  des  Klosters  Altdorf  in  der  Breuschniederung  im  Elsaß174.  Hier  war
die  Machtstellung  der  eberhardinischen  Grafen  im  10.  Jahrhundert  noch  unangefochten,
  man  wollte  wohl  durch  eine  Klosterstiftung  die  eigene  Stellung  im
Breuschtal  so  festigen,  daß  sie  unantastbar  werden  sollte.  So  hatten  die  Grafen  in
dieser  Gegend  schon  vor  der  Stiftung  beträchtlichen  Einfluß,  hier  lag  ein  größerer
Allodialbesitz  der  Familie175,  und  man  hatte  zudem  südlich  des  Breuschtales  die
Vogtei  des  Klosters  Andlau  inne176.  Ob  in  der  zweiten  Hälfte  des  10.  Jahrhunderts
schon  die  Burg  Girhaden  existierte,  muß  fraglich  bleiben,  es  wird  aber  in  dieser  Zeit
wohl  eine  die  Besitztümer  kontrollierende,  befestigte  Anlage  existiert  haben.  Die
Voraussetzungen  für  eine  weitere  wichtige  infrastrukturelle  Maßnahme  waren
jedenfalls  überaus  günstig.
Eine  zeitgenössische  Überlieferung  zur  Stiftung  des  Klosters  fehlt,  eine  Stiftungsurkunde
  ist  nicht  vorhanden.  So  können  wir  lediglich  versuchen,  die  Stiftungs-  und
Gründungsgeschichte  aus  zeitlich  späteren  Quellen  zu  rekonstruieren.177.  Danach
hat  Graf  Eberhard  III.,  der  nach  der  Zurückdrängung  des  eberhardinischen
Einflusses  an  der  Burgundischen  Pforte  auf  der  Suche  nach  einem  neuen  politischen
Stützpunkt  schon  aktiv  geworden  war,  die  günstige  Lage  des  Ortes  erkannt  und  die
Stiftung  des  Klosters  Altdorf  initiiert178.  Er  wurde  aber  letztendlich  durch  seinen
Tod  an  der  Ausführung  des  Planes  einer  Klosterstiftung  gehindert.  Erst  durch
seinen  Sohn  Hugo  III.  raucus  konnte  dieses  Vorhaben  verwirklicht  werden179.
Flugo  III.  raucus  ließ  in  Altdorf  eine  Kirche  bauen,  die  anschließend  im  Jahre  974

174  Vgl.  Büttner,  Geschichte  des  Elsaß  1,  S.  173.
175  Siehe  z.  B.  im  Kap.  'Besitzungen'  die  Art.  'Altorf/AItdorf,  'Barembach/Bärenbach',
'Dorlisheim',  'Girbaden',  'Grendelbruch'  und  'Mollkirch'.
176  Siehe  dazu  unten  im  Kap.  'Vogteien'  den  Art.  'Andlau'.
177  Eine  Zusammenstellung  der  wichtigsten  vorhandenen  Quellen  gibt  Sieffert,  Altdorf,  S.
33-39
178  Dies  erfahren  wir  aus  der  Bulle  Papst  Leos  IX.  vom  28.  November  1049.  Druck  bei
Sattler,  Altdorf,  Nr.  3,  S.  249  f.;  weitere  Drucke  bei  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  I,
Nr.  208,  S.  164  f.  u.  bei  Grandidier,  Histoire  1,2,  Nr.  407,  S.  255  f.:  Primum  excisis
fructicibus  &  arboribus  nimium  pulcher  visus  erat  situs  loci,  quem  collectis  incolis  ...
nomine  jussit  per  arva  incolere,  hominesque  cohabitare.  Hunc  locum  dum  frequentaret
Eberhardus  comes,  sepe  cotmnoratus  est  in  eo  propter  loci  delectationem  biduo  &
triduo,  &  quia  vidit  illum  vite  monachorum  nimis  congruum  esse,  scepe  proposuit
monachico  ordine  sese  velle  Deo  laudes  parare;  sed  egritudine  prceveniente  &  morte
sequente,  impediebatur  a  bono  opere  illo,  filius  autem  ejus  Hugo,  qui  erat  aliquantulum
raucus,  quoniam  sepe  intellexerat,  voluntatem  patris,  ccepit  edificare  ecclesiolam  in
honore  Apostoli  Dei  Bartholomcei  &  sum/ni  presulis  Gregorii  &  aliarum  reliquiarum
(Zitat  nach  dem  Druck  bei  Schöpflin,  S.  165);  vgl.  auch  Leonis  IX  vita,  lib.  1,  cap.  1,  S.
129.
179  Siehe  das  Zitat  in  Anm.  178.

187
            
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