Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

bestimmen. In Guntrains Besitz befand sich wahrscheinlich auch die Grafschaft 
Breisgau, die ihm bei seiner Absetzung ebenfalls entzogen wurde. Guntram wird 
zwar in keiner Quelle als Graf vom Breisgau genannt, aber die Fülle seiner 
Besitzungen, die teilweise Schlüsselstellungen in dieser Grafschaft darstellten, 
könnte ein Hinweis dafür sein, daß Guntram das Breisgauer Grafenamt innegehabt 
hatte. Diese Grafschaft hat König Otto I. nach der Absetzung Guntrams seinem 
Sohn Liudolf übertragen120. Heinrich Büttner sieht in dem Umstand, daß Herzog 
Liudolf von Schwaben in dem Diplom Ottos I. für das Kloster Einsiedeln vom 9. 
August 952, also unmittelbar nach der Verurteilung Guntrams, erstmals als Graf 
vom Breisgau auftritt121, einen Zusammenhang mit der Verurteilung Guntrams, so 
daß die Vermutung, Guntram sei Breisgaugraf gewesen, durchaus eine Berechti¬ 
gung besitzt122. 
Über Guntram ist vor dem für ihn so folgenschweren Prozeß im Jahre 952 trotz 
seiner herausragenden Stellung im Südwesten des Reiches in der ersten Hälfte des 
10. Jahrhunderts kaum etwas bekannt. Außer der Erwähnung Guntrams in der 
legendenhaften Erzählung der Vita S. Deicoli über die Profanierung der Grabstätte 
des Heiligen Deicolus, den Eintragungen im Liber memorialis von Remiremont und 
im Einsiedler Nekrolog sowie in den Acta Murensia123 erfahren wir von ihm vor 
seiner Absetzung lediglich noch durch eine Urkunde aus dem Jahr 926, daß er in ir¬ 
gendeiner Weise an einer Schlichtung eines Streites zwischen Hintersassen der 
Klöster Waldkirch und Ettenheimmünster beteiligt gewesen sein muß124, was 
an sich nicht verwunderlich ist, wenn man um seinen Einfluß im Elztal weiß, den 
uns seine dortigen Besitzungen anzeigen. 
Das Hauptproblem in der Geschichte Guntrams bildet die Frage, weswegen Otto I. 
mit Guntram in Konflikt geriet. Wir kennen nicht den konkreten Anlaß, der zu dem 
Prozeß und schließlich zur Absetzung führte, denn über die näheren Gründe der 
Absetzung Guntrams schweigen die Quellen. Die Dokumente, die uns darüber 
berichten, sind ausschließlich die oben bereits erwähnten Urkunden, durch die die 
eingezogenen Güter von Otto I. weitervergabt worden sind oder die Bestätigungs¬ 
urkunden für diese Vergabungen, ausgestellt durch Ottos Nachfolger125. Es ist auch 
notwendig, eine Unterscheidung zwischen den Hintergründen und den Rechts¬ 
grundlagen der Verurteilung Guntrams zu treffen, denn die Hintergründe für den 
120 Böhmer-Ottenthal, Nr. 217a; vgl. dazu H. Büttner, Graf Guntram am Oberrhein. 
Ein Blatt aus der Geschichte von Breisgau und Elsaß im 10. Jahrhundert, in: Ober¬ 
rheinische Heimat, 28. Jg.: Der Breisgau, hrsg. v. H. E. Busse, Freiburg im Breis¬ 
gau 1941, S. 121. 
121 D O I 155, S. 237: in pago Brischguue in comitatu filii nostri Liutolfi. 
122 Büttner, Graf Guntram, S. 121. 
123 Zu den genannten Quellen siehe oben, S. 29 ff. und S. 137-141. 
124 Er wird als Zeuge in der bei H. Roth, Der GrUnder des Klosters Waldkirch, in: FDA 72 
(1952), S. 72 f. abgedruckten Urkunde genannt: testibus subnotatis. S. ipse Burchardus 
(cum caeteris comitibus, qui ibi tune aderant, quando haec traditio facta est), ... S. 
Gundram (Zitat, ebda., S. 72); siehe Büttner, Heinrichs I. Südwest- und Westpolitik, S. 
46 f. 
125 Zu den einzelnen Diplomen siehe die jeweiligen Artikel zu den oben, S. 177 genannten 
ehemaligen Besitzungen Guntrams in den Kap. 'Besitzungen' und 'Vogteien'. 
178
	        
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