Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Reichsverband  angliedern  konnte106,  scheint  Richwin  keine  Konfrontation  mit
Heinrich  gesucht,  sondern  den  Status  quo  akzeptiert  zu  haben.  Im  Jahre  926
intervenierte  Richwin  zusammen  mit  anderen  Großen,  dem  Mainzer  Erzbischof
Heriger  und  Bischof  Adelwart  von  Verden,  in  einer  Urkunde  Heinrichs  I.  für
Bischof  Waldo  von  Chur107.  Schließlich  ist  Richwin  noch  932  auf  einer  Synode
Heinrichs  I.  in  Erfurt  als  Teilnehmer  zu  belegen108.  Von  Spannungen  zwischen  dem
ostfränkischen  König  und  dem  Straßburger  Bischof  während  beider  Amtszeiten  ist
aus  den  Quellen  nichts  bekannt.
Inzwischen  aber  war  mit  den  Einfällen  der  Ungarn  eine  Gefahr  für  das  Reich
heraufgezogen,  die  ab  913  auch  das  Gebiet  der  heutigen  Schweiz,  die  Burgundische
Pforte  und  das  Elsaß  bedrohte.  Der  erste  Kriegszug  in  das  Gebiet  der  Burgundischen
  Pforte  und  das  Elsaß  erfolgte  im  Jahre  917109.  919  fielen  die  Ungarn  in
Lotharingien  ein110,  ebenso  Anfang  des  Jahres  926111.  Bei  der  Verteidigung  des
Landes  waren  überwiegend  die  lokalen  Kräfte  auf  sich  alleine  gestellt.  Die
Königsgewalt  war  in  dieser  Situation  vor  allem  im  Elsaß  kaum  vorhanden.  Die
Organisation  und  Führung  der  Abwehr  in  den  Gebieten  im  wesüichen  Raum  wurde
dem  Grafen  Liutfried,  einem  Verwandten  Hugos  I.,  überlassen,  der  jedoch  bei  den
heftigen  Kämpfen  den  Tod  fand112.  Wir  wissen  zwar  nicht,  welche  Rolle  Hugo  I.  in
dieser  Situation  gespielt  hat,  dürfen  aber  davon  ausgehen,  daß  der  Eberhardiner
angesichts  der  drohenden  Gefahr  es  sich  politisch  nicht  leisten  koimte,  abseits  zu
stehen,  sondern  er  wird  ebenfalls  mit  einem  bewaffneten  Kontingent  an  der
Ungamabwehr  beteiligt  gewesen  sein.  Heinrich  I.  kam  in  dieser  turbulenten  Zeit
nicht  in  das  Elsaß,  erst  Weihnachten  des  Jahres  929  haben  wir  Kunde  von  einem
Aufenthalt  Heinrichs  I.  in  Straßburg113.  Eine  weitere  Präsenz  des  Königs  im  Elsaß
ist  nicht  nachzuweisen.
Der  Grafengewalt  im  Elsaß  kam  das  Fernbleiben  des  Königs  insofern  zugute,  als  sie
nach  den  Ungameinfällen  ihren  unter  Konrad  I.  begonnenen  Konsolidierungsprozeß
fortsetzen  koimte.  Die  dadurch  entstandene  Ausweitung  des  Besitzes  und  der  Macht
förderte  die  Tendenz  zur  Verselbständigung  der  Grafengewalt  und  mündete

106  Siehe  dazu  BÜTTNER,  Heinrichs  I.  Südwest-  und  Westpolitik,  S.  38.
107  D  H  1,  Nr.  11,  S.  48,  BöHMER-OTTEm-HAL,  Nr.  14,  S.  15;  vgl.  RegBfeStr.  1,  Nr.  125,  S.
244.
108  RegBfeStr.  I,  Nr.  128,  S.  244.
109  Siehe  Lüttich,  Ungarnzüge,  S.  66  ff.  mit  Quellenangaben;  vgl.  jedoch  zur  Route
neuerdings  Kellner,  Ungameinfälle,  S.  28  ff.
110  Siehe  Lüttich,  Ungamzüge,  S.  68  f.  mit  Quellenangaben.
1,1  Siehe  Lüttich,  Ungarnzüge,  S.  72  f.  mit  Quellenangaben;  siehe  auch  Kellner,
Ungarneinfälle,  S.  24.
112  Casuum  S.  Galli,  continuatio  auctore  Ekkehardo  IV,  MGH  SS  II,  ed.  I.  v.  Arx,  S.  110:
Dum  haec  sataguntur,  navibus  Ungri  de  Swarzwalde  multis  paratis,  in  Alsatiam  ipsi
priores  suas  legiones  transponunt,  et  a  Luitfrido  quodam,  terrae  illius  polentissimo,
bello  suscepti,  plurimo  dampno  sui  tandem  cruentam  victoriam  sunt  adepti.  ...  Alsatia
tandem  qua  ierant  vastata  et  cremata,  Hohfeldi  montem  Juris  que  [sic!]  silvam
festinanter  transeuntes,  Vesontium  veniunt.
113  D  H  I,  Nr.  21,  S.  57;  Böhmer-Ottenthai,  Nm.  24a  und  25,  S.  20.

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